Ljudje ob Muri. Népek a Mura Mentén 2. kötet (Zalaegerszeg, 1998)

Peter Krenn (Graz): Die gescheiterte Rückeroberung von Kanischa 1601 und ihre Auswirkungen auf das Landeszeughaus in Graz

Die gescheiterte Rückeroberung von Kanischa 1601 und ihre Auswirkungen auf das Landeszeughaus in Graz aber blieb den Türken, offiziell bis zum Friedensschluß von Karlovitz 1699. Indeß der befürchtete große Einfall in die Steiermark blieb aus. Die Türken konnten ihre strategisch verbesserte Position doch zu keinem Einbruch nützen, da sie durch die Unruhe in ihren kleinasiatischen Provinzen, vor allem aber durch den 1603 erneuerten Kampf mit Persien daran gehindert wurden. Der Friede von Zitva-Torok beendete den 13-jährigen Türkenkrieg und leitete eine Periode der relativen Ruhe ein, in der von den Türken keine großen Angriffsaktionen gegen das Habsburgerreich unternommen wurden. Wie war nun das landschaftliche Zeughaus in Graz von der Kanischa-Imprese betroffen worden. Eigentlich nur relativ geringfügig: 5 schwere Geschütze und einige hundert Kanonenkugeln wurden von Ferdinand erbeten und auch genehmigt. Natürlich ging die landschaftliche Kriegsleistung weit darüber hinaus: vermehrte Gültreiterei, Adelszuzug, Proviantversorgung, Bereitstellung von Pferden für Proviant- und Geschütztransport und natürlich die Alarmbereitschaft an der windischen Grenze sorgten für eine Anspannung aller Kräfte. Nach dem Mißerfolg breiteten sich Enttäuschung und Nervosität aus. Der landesfürstliche und später auch landständische Plattner Hans Prenner, der mit Erzherzog nach Kanischa mitgezogen war, berichtet in einem späteren Bittschreiben an Ferdinand, der inzwischen den Kaiserthron bestiegen hatte, daß er sich vor Kanischa habe gehorsamlich gebrauchen lassen, bei dem schnellen Rückzug aber sein ganzes Plattnerwerkzeug eingebüßt hatte. In der reichen Harnischsammlung des Landeszeughauses fällt eine Gruppe von Reiterrüstungen aus der Zeit um 1600 dem Fachmann ins Auge, und zwar wegen ihrer inferioren Qualität. Es sind jeweils aus mehreren Harnischresten schnell zusammengesetzte Machwerke, die meist eine starke Brustplatte besitzen, der aber Schöße und Armzeuge sowie Helme in Billigausführung beigegeben wurden, man hat den Eindruck, als ob der Zeugwart schnell einige Reiterharnische zusammenspenglern ließ, vielleicht von einem seiner Hilfskräfte, um eine Reitertruppe noch notdürftig ausstaffieren zu können. Läßt sich da nicht auf die Situation nach der mißlungenen Belagerung schließen die zu einer solchen Notaktion angesichts eines allgemein erwarteten feindlichen Vorstoßes verleitete. Wir nennen sie heute unsere Kanischa-Harnische und stilisieren sie damit gleichsam zu einem Erinnerungsmal an dieses unglückselige und für unser Land so gefahrliche Ereignis. 201

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