„Stephan Dorffmaister pinxit”. Dorffmaister István emlékkiállítása (Zalaegerszeg, 1997)

Galavics Géza: Die Histrienbilder von Stephan Dorffmaister

gefunden zu haben, das Altarbild mit seinem zukünftigen Publikum bekannt zu machen. Mehrere Quellen berichten nämlich über den eindeutigen Publikumserfolg von Dorffmaisters Bild im Jahr 1792. Diese Epoche nach dem Tod Josephs II. war durch einen großen nationalen Aufschwung, und nach den Integrationsbestrebungen des Herrschers durch den Triumph des ungarischen adeligen Widerstandes gekennzeichnet. Dies manifestierte sich im Wiederaufleben der nationalen Traditionen, im demonstrativen Tragen der ungarischen Tracht und - zu einer Zeit, in der Deutsch und Latein die Amtssprachen waren - im Umsichgreifen der unga­rischen Sprache. Dorffmaisters Altarbild entstand in dieser Atmosphäre und verdankt ihr seinen Erfolg. Das Publikum erkannte nämlich darin die Neuar­tigkeit der Themenwahl, die Frische des Ausdrucks, die Modernität der Darstellung, und verlieh dem Bild eine selbständige Bedeutung, die von den ursprünglichen Absichten des Auftraggebers einiger­maßen abwich. Das ist uns aus einem zeitge­nössischen ungarischen Gedicht bekannt, so auch der Umstand, daß das Publikum weniger für die Fragen von Klostergründung und -auflösung empfänglich war als für das Duo ungarischer König - deutscher Baumeister. Daraus wurde nämlich ein Hinweis auf einen immer wieder betonten Wider­spruch herausgehört, daß die Ungarn den Zubehör ihrer deutschfeindlichen nationalen Aufwallung ­die Kleider nach ungarischem Schnitt und die Accessoirs, die teuren Goldschmiedearbeiten - von deutschen Meistern beziehen mußten. Der deutsche Baumeister im Bild wurde als Alterego des „deutschen" Dorffmaisters verstanden. Um diesen Widerspruch aufzulösen, wurde der Name des Malers im Gedicht sinngemäß „ungarisiert" als „Falumester" gebraucht. Diese Lösung weckte aber den Protest der Ungarndeutschen, die ihrerseits mit einem anderen Gedicht und einer weiteren Deutung des Werkes reagierten. 25 Dorffmaisters Altarbild funktionierte wirklich wie ein Historienbild. Es fand den Weg zum Publikum und verhalf ihm durch die Heraufbe­schwörung eines historischen Ereignisses zur besseren Orientierung in der eigenen Zeit. In diesem Prozeß sind die Themenwahl des Historienbildes, die Intensität des künstlerischen Ausdrucks und die Begegnung mit dem Publikum gleichrangige Elemente, und wenn davon nur eines wegfallt, kann die Wirkung des Kunstwerks nur beschränkt zur Geltung kommen. Die Historienbildfolge Dorffmais­ters aus dem Jahr 1793 liefert dafür den Beweis. Es handelt sich dabei um eine Wandbildfolge an der Decke der Pfarrkirche in einem südtransdanu­bi sehen Dorf, Kiskomárom. Der Ort ist unge­wöhnlich, das Dorf liegt nämlich weitab von kirchlichen oder weltlichen Zentren, und die Auftraggeber mußten damit rechnen, daß das Werk kaum ein größeres Publikum finden würde. Diese Deckengemälde verdanken ihr Zustandekommen dem Umstand, daß das Dorf einer bedeutenden kirchlichen Korporation, dem Domkapitel von Esztergom gehörte. Die Domherren, der Beirat des Erzbischofs von Esztergom, des Oberhauptes der ungarischen Kirche, waren also die Patronatsherren der Kirche. Sie beauftragten bereits zuvor Dorffmaister mit der Ausmalung des Chors, dessen Decke seit 1781 die Szene der Begegnung der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus trug. Das Kirchenschiff kam aber erst 1793 an die Reihe. 26 Zwischen diese beiden Zeitpunkte fallen die Maßnahmen des aufgeklärten Absolutismus von Joseph IL, die die Positionen der katholischen Kirche empfindlich berührten und die traditionelle Struktur von deren Institutionen umgestalteten oder deren Tätigkeit einschränkten. Dies blieb auch nicht ohne Einfluß auf die Thematik der neuen Wandbilder. Es ist nicht bekannt, wer der ehrgeizige Auftraggeber gewesen sein könnte, der im Namen des Domkapitels die Themenwahl bestimmte. Sein Programm ist umfassend, die Thematik konsequent, die Auswahl der einzelnen Elemente, also der einzelnen historischen Ereignisse, ist in hohem Maße anspruchsvoll. Für die Darstellungen an der Decke einer Dorfkirche wurden - auf eine ganz neuartige Weise - drei Wendepunkte der Geschichte der katholischen Kirche in Ungarn bestimmt. Genauer gesagt Entscheidungen beziehungsweise Maßnahmen dreier ungarischer Könige, die die Lage der katholischen Kirche maßgeblich beeinflußten und zum Guten wandten. Die ausgewählten Herrscher sind der heilige König Stephan, Andreas I. und Ferdinand III., die Krisenzeiten hingegen die Annahme des Christentums, der Versuch zur Widerhersteilung des heidnischen Glaubens und dessen Abwendung, und schließlich die Einleitung der Gegenreformation. Im ersten Joch bringt der heilige König Stephan mit der Krone sein Land der Gottesmutter dar. (Abb. 19.) Die Themenwahl ist traditionell, aber der Maler versuchte sie zeitgemäßer zu gestalten. Der heilige Stephan kniet nicht in privater Andacht vor Maria, sondern inmitten des Hofstaates. Der Herrscher wird betont von hohen Würdenträgern in ungarischer Galatracht umgeben. Die Geste des heiligen Königs ist demonstrativ: Er selbst und die Führer des damaligen Ungarn haben sich für das Christentum entschieden, deshalb bringen sie das Land Maria dar. Die himmlische Sphäre, die Jungfrau Maria und ihre Begleitung, die Engel, erhalten in der Kompo­sition keinen besonderen Nachdruck, der Hauptak­118

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