Veszprémi Történelmi Tár 1989. II.
Régészet - Ertel, Christine: Spätrömische Kopfkapitelle im Lapidarium von Tihany
RÉGÉSZET 45 Abb. 5 Kapitell im Lapidarium von Tihany. (Katalog Nr. 7.) Datierung nach einem isolierten und für die Architektur eher marginalen Formdetail Vorsicht geboten. Die Volutengirlanden auf dem Kapitell Abb. 5 sind straffer und schmäler als bei dem Beispiel Abb. 3. Ein Vergleich mit einem Kapitell aus Carnuntum Abb. 6 ermöglicht die Erklärung dieser Formerscheinung. Dieses Stück besteht aus zwei Blattkränzen und der Abakusplatte. Aus dem mittleren Kranzblatt wachsen gerade Volutenwülste, die die Hochblätter schräg überschneiden und ohne Einrollung, nur mit einem leichten Überfall, an den Abakusecken enden. In diese obere Blattei bb. 6 Kapitell im Museum Carnuntinum. Inv. Nr. 3946. zone sind also zugleich Elemente der korinthischen Kelchzone integriert und die beiden oberen Kapitellzonen der Normalform gleichsam ineinander geschoben. Eine dritte Kapitellzone entfällt hiermit. Zweiteilige Kapitelle treten in dieser Zeit häufig auf. Auch unsere Beispiele Abb. 3, 5, 7 und 9 zeigen, daß nun die „natürliche" Abfolge von Blatt und Ranke nicht mehr beachtet werden muß, sondern daß Blätter ohne Ranken und umgekehrt Ranken in beliebiger Beziehung zu den Blättern angeordnet werden können. Die Anordnung der Ranken in der Form unseres Beispiels Abb. 6 wurde allerdings erst durch einen kleinen Kunstgriff ermöglicht. Um die Volutenbänder an einem mittleren Kranzblatt beginnen lassen zu können, mußten beide Blattkränze verdreht werden, denn „normalerweise" gibt es kein mittleres Kranzblatt, sondern nur ein Hochblatt in der Mittelachse, zu dessen beiden Seiten die Caulesstämmchen mit den Voluten und Kelchblättern entspringen. Umgekehrt können die Blattkränze natürlich erst dann verdreht werden, wenn auf die streng funktionale Abfolge der Kapitellglieder kein Wert mehr gelegt wird. Auch bei den Kapitellen in Tihany steht immer ein Kranzblatt in der Mittelachse. Die Anordnung von Blättern und Volutenbändern ist also genau gleich wie bei dem Kapitell aus Carnuntum, nur sind hier auch die Hochblätter entfallen, die aber auch dort schon durch die Überkreuzung entwertet werden. Durch die Aufgabe der funktionellen Zusammenhänge entstehen schließlich dort Leerzonen, wo früher die Illusion der spielerischen Lastübertragung durch elegante Pflanzengebilde entstand. Das Kapitell in Tihany Abb. 7 ist ähnlich aufgebaut wie das Beispiel Abb. 5. Wieder schmücken gerade Volutenbänder den würfeligen, aber weniger hohen Kalathos. Während aber bei den Stücken Abb. 3 und 5 die Würfelecken unter den hochgezogenen Voluten abgeschrägt sind, bleibt hier der untere Kubusrand durch den Blattschmuck hindurch spürbar: Die Eckblätter sind dort abgeknickt. Auf ihnen steht mit je einem Bein auf den beiden Blättern eine kleine menschliche Figur mit einer knielangen, rockähnlichen Bekleidung. Kopf und Oberkörper sind abgeschlagen, das Motiv ist auch nur an einer Kapitellecke zu erkennen. Ebenso wie in der Mittelachse des Kapitells wurden auch an den Ecken sehr gern figurale Darstellungen angebracht, meist anAbb. 7 Kapitell im Lapidarium von Tihany. (Katalog Nr. 8.)