A Veszprém Megyei Múzeumok Közleményei 23. (Veszprém, 2004)

Faru Dr. Sylvia Palágyi CSc zum 60ten Geburtstag

Theater mit anschließendem Gang durch die Altstadt. Ihre Fotoleidenschaft hatte Sie offenbar aufgehalten, jedenfalls gingen Sie der ungarischen Gruppe verloren. Als man Ihr Fehlen bemerkte, wurde Halt gemacht und gesucht. Mit Erfolg, und Ihr äußerst tempera­mentvoller Auftritt beim Eintreffen, den ich leider nur aufgrund der Mimik interpretieren konnte - die ungarischen Kolleginnen weigerten sich auch im Nachhinein zu übersetzen - wird mir immer in Erinnerung bleiben. Betrachtet man Ihr wissenschaftliches Werk, so be­sticht nicht allein der Umfang, sondern vor allem die Vielfalt. Natürlich gibt es besondere Schwerpunkte, wie sie ein jedes Gelehrtenleben begleiten, so auch in Ihrem Fall. Bestimmend für Ihre ganze weitere Inte­ressenrichtung war sicher der erfolgreiche Start mit den Ausgrabungen der Hügel von Inota, deren Brand­bestattungen nicht nur reiches und charakteristisches Beigabenmaterial lokaler Principes erbrachten, son­dern vor allem ein Spezifikum pannonischer Gräber, die Beigabe von Pferden und Wagen. Ein geradezu klassisches ungarisches Thema, das bereits eng mit den großen ungarischen Forschern wie K. Gaul (1889) und A. Alföldi in seiner Budapester Zeit (1935 ff.) verbun­den war und bis heute seinen ausgewiesenen Stellenwert im Rahmen der Landesarchäologie besitzt, ablesbar in der neuen Ausstellung des Ungarischen Nationalmuseums in Budapest. Der Rekonstruktion des Geschirrs der Reitpferde, der Bespannung der Zugtiere galt fürderhin Ihre besonderes Interesse und forscherisches Engagement, wie die vielen und profun­den aus dem Befund von Inota erwachsenen Publikationen zeigen. Ein zweiter großer, wenn nicht der eigentliche Schwerpunkt Ihrer archäologischen Interessen gilt ohne Zweifel der berühmten Villa von Baláca. Zwar waren Sie hier nicht die Entdeckerin, sonst läge das wunderbare Hauptmosaik der Villa heute nicht in Budapest, sondern Sie haben mit gutem Instinkt für Qualität die brachliegende Forschung am Ort wieder aufgenommen und in ganz neue Richtungen geführt. Durch Ihre intensive Arbeit und dem daraus resul­tierenden Erfolg wird der Name Palágyi mit diesem Projekt immer verbunden sein oder besser gesagt, die Villa wird mit Ihnen identifiziert. War doch unter Ihrer Leitung nicht nur eine gelungene Rekonstruktion der zentralen Villengebäudes entstanden, die zugleich als örtliches Museum eingerichtet, heute einen viel besuchten touristischen Anziehungspunkt bildet. Zahllose Fachtagungen haben hier vor Ort stattgefun­den oder zumindest in einem Empfang gegipfelt. Jährliche „Events", wie das jetzt heißt, beziehen auch das breite Publikum in steigender Zahl mit ein, ob auf anspruchsvoller Konzertebene oder auf Volksfestdar­bietungen. Zugleich dient der rekonstruierte Villen­bereich als örtlicher Stützpunkt für die weitere Erforschung der Anlage selbst, die zu den größten und best ausgestatteten der bekannten Landgüter Panno­niens zählt. Die zahlreichen internationalen Begegnun­gen, die mit grundsätzlichen Themenbereichen zu römischen Villen, zu ihrer Innenausstattung mit Wandmalerei und Mosaikfußböden sowie äußeren architektonischen Elementen, ihrer Funktion und sozialen Komponente von hier aus ihren Anfang nah­men, sind nur schwer, am besten aber aus Ihren zahlrei­chen Veröffentlichungen zu überblicken. Auf diese Weise ist es Ihnen stets gelungen, Ihre Forschungs­ergebnisse in Baláca nicht nur der internationalen Fachwelt näher zu bringen, sondern auch die Gra­bungsergebnisse in der Villa selbst in den größeren, über Pannonién hinaus reichenden Rahmen des Impe­rium Romanum zu stellen. Ich möchte an dieser Stelle nicht verschweigen, dass wir für unser Villenprojekt in Heitersheim viel von den Erfahrungen verwerten kon­nten, die in Baláca gewonnen worden sind, bis hin zum „Pannonbier", das der Heitersheimer Bürgermeister dann aber aufgrund örtlicher, oberrheinischer Gege­benheiten in „Römerwein" ummünzte. Aber auch der römerzeitliche Grabhügel sollte in Baláca nicht zu kurz kommen. In Sichtweite der Villa erhebt sich am Horizont gegen Nord der „Likas­domb", ein auf italische Vorbilder zurückgehender Tumulus von ca. 36 m Durchmesser mit steinerner, architektonisch gegliederter Begrenzungsmauer, Eingang und Grabkammer. Wir, d.h. meine Mitarbeiter und eine Gruppe ausgesuchter Studenten, sind Ihnen bis heute für Ihre freundliche Einladung dankbar, dass wir an der Aufdeckung dieses in vieler Hinsicht höchst interessanten Hügels teilnehmen durften. Zwar gibt es derartige Grabhügel in bestimmten Gebieten Deutsch­lands auch, sie stehen aber aufgrund ihrer Seltenheit für Lehrgrabungen in aller Regel nicht zur Verfügung. Von der Konstruktion des Hügels bis hin zu den Spuren seiner Beraubungsversuche konnte man in dem Befund wie in einem Buch lesen. Die Teilnahme an der Erforschung dieser Grabstätte, die zuletzt mit ihren Inschriften auch noch konkrete Hinweise auf die Familie der Villenbewohner gab, geriet für alle Beteiligten zu einem unvergessenen Erlebnis, das bei den Hügelgrabungen 1990 in Kemenesszentpéter seine Fortsetzung fand. Das Zustandekommen und der Verlauf dieser gemeinsamen Grabungen gibt Gelegenheit, auf eine weitere, sehr ausgeprägte Charaktereigenschaft Ihrer­23

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