Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

András Uzsoki: Das Passauer Gizella-grab im Spiegel der neuen Forschungen

MAI zu sehen, was bedeuten soll, daß der Sterbetag der siebente Mai war. In den Kalendern begann man den Tag Gizella nach unserer Königin anzu­geben. In dem Nekrolog des Klosters trug man nur den Tag und den Monat des Todes ein, denn in der Liturgie hat man die Messe, das Requem für die Verstorbenen am Kalendertag zelebriert, also war es nicht nötig, auch das Jahr des Versterbens einzutragen. Übrigens war es im Mittelalter nicht ein­mal bei den Herrschern üblich, die Jahreszahlen anzugeben. Auf den zwei Seiten des Stielkreuzes kann man vertikal die Aufschrift GISYLA ABBA­TISSA, d.h. Äbtissin Gizella lesen. Viele Witwen gewesener Herrscher ha­ben ihre letzten Jahren in einem Kloster verbracht. Unsere Königin ist vie­leicht am besten mit ihrer Urgroßmutter, Matildé, der ersten deutschen Kö­nigin zu vergleichen, die in Quedlinburg mit ihrem Gemahlen Heinrich I. (dem Vogler) begraben wurde. Matildé führte auch nachdem sie verwit­wete, ein sehr aktives Leben im Kloster. Die Darstellung der zwei Adler war vom Altertum an sehr beliebt, vor allem in der weltlichen, aber später auch in der kirchlichen Ikonographie. Es ist das Symbol der kaiserlichen und königlichen Herkunft, aber dabei soll es auch den Vogel darstellen, der die Seele des Verstorbenen in das Jenseits befördert. Diese ikonographische Zeichnung auf der Passauer Grabplatte zeigt jedenfalls an, daß es sich hier um das Grab der ungari­schen Königin Gizella handelt. In ganz Europa ist nur eine einzige Analogie der Darstellung des Stiel­kreuzes auf einer Grabplatte bekannt und zwar auf der Grabplatte des unga­rischen Königs András I. in der königlichen Krypta unter dem Chor der Ti­hanyer Abteikirche. Auf die Grabplatte wurde in normaler Größe ein maß­proportionelles und auch in den Einzelheiten technisch sehr gut dargestell­tes tragbares und zersetzbares Vortragekreuz mit einem spiralförmigen Griff gemetzt. Das ist ein Kreuz, das die christlichen Herrscher zu festli­chen Anlässen mit sich trugen. Was dessen Gebrauch anbelangt, kann man viele zeitgenössische Beschreibungen finden, es genügt, wenn ich an die Herrscher der deutschen kaiserlichen Dynastie des 11-12-ten Jahrhunderts hinweise. Auf der Grabplatte des Königs András ist das Kreuz wahrschein­lich das Zeichen der kirchlichen Würde der ungarischen Könige im 11-ten Jahrhundert und ganz gewiß auch das des Königs István des Heiligen, des­sen Paralelle in Passau gefunden wurde, wohl von einem primitiveren Met­zer, doch zweifellos haben Beide denselben Ursprung. Die ungarischen Könige haben dieses Zeichen auch in den späteren Jahrhunderten ge­braucht. 76

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