Gizella és kora (Veszprémi Múzeumi Konferenciák 4. 1993)

Praznovszky, Mihály: Königin Gizella in den ungarischen historischen Dramen

Und dieses dumme Weibsbild läßt schließlich Koppány umbringen. Sie versteht wohl nichts, sie hasst dieses Volk: „keine Leichtigkeit, keine Gra­zie, keine Eleganz, nur das Fluchen, die schmutzigen Wörter, dieser uner­trägliche Geruch! Und am Ende immer wieder diese Nationaltrauer..., ich bin dieses Gesellschaftspiels schon müde..." Und vielleicht will sie auch nicht in diesem blutig ernsten Gesellschaftspiel weiter mitmachen, wenn in ihr die mörderische Bestie nicht erwacht wäre, als sie ihre Rivalin, die schöne Réka gesehen hatte. Die bayersiche Bestie entscheidet: Koppány muß vernichtet werden! Von den neueren Dramen hat vielleicht das Drama von Ratkó József die meisten lyrischen Züge. Es wurde von einem guten Dichter geschrieben. Er vursucht auch die Sprache des Werkes dem Zeitalter anzupassen. Wir erin­neren uns dabei an die archaisierende Bestrebungen von Kodolányi János, aber wir fühlen dabei, daß der Dichter auch die Ergebnisse der neuesten Forschungen von Györffy György, Kristó Gyula, Fügedi Erik kannte. Gi­zella erscheint in diesem Stück wieder am Ende ihres Lebens, jetzt hat sie den Prinzen Imre begraben. Es blieb ihr nicht anderes, als der Schmerz. Wie ein blaßes, weißes Gespenst, eine irre Ofelia erscheint sie einige Male auf der Bühne und in ihrem Monolog bricht der Schmerz der Mutter, die ihr Kind verloren hat, mit elementarer Kraft aus ihr hervor. Der Dichter zeigt nur dieses gebrochene Mutterherz und die gebrochene Seele, aber er läßt fühlen, daß es mal auch anders war. Gizella hatte näm­lich sehr hart an den politischen Streitigkeiten teilgenommen und eben auf ihren Befehl wurde Vászoly geblendet und sie war, die den Sieg der Hei­den verhindert hatte. Nicht vergebens beschulden sie die ungarischen Her­ren des Verderbens des Landes: „Alles wegen der Königin! Wegen ihr müssen wir uns schämen! Über den stolzen Ungarn herrscht ein Weibsbild und sie ist deren Herr!... Aus dem Lande wurde ein Weinkeller, ein Wirts­haus, wo hungrige Fremde aus aller Welt nur saufen und fressen und erzeu­gen ihre Bastarde, wie die Kuckukke: verschmutzen den Schoß unserer Töchter." Mit dem Drama von Ratkó József ist nun - vorläufig - dieser Kreis ab­geschlossen. Die Gestalt von Gizella ist in unserer ungarischen historischen Dramenliteratur der Träger aktueller Probleme, wie sie auch in den Dramen erscheinen mag: als junge Gemahlin oder alte Königin. Das Stärkeste Motiv ist immer: sie symbolisiert die jeweiligen Fremden, die gegen die Freiheit unseres Vaterlandes verstoßen. Im allgemeinen - könnte man sagen - ver­tritt sie die Macht, die die ursprünglichen ungarischen Werte: den unendli­chen Freiheitswunsch, den Virtus, die Aktivität, die Ehre des Morals und der Tradition durch Ideologien, die sich nicht einmal all zu sehr bewährt haben, auszurotten versucht. Zugleich aber ist sie auch Träger gewisser allgemeinen Frauenpersön­108

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