Struktúra és városkép. A polgári társadalom a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1997. október 16-17-én (Veszprém, 2002)

Elit - Oliver Kühschelm: Sparsamkeit oder Fortschritt? – Die bürgerliche Elite des Kurortes Vöslau und das Problem der Schaffung einer modernen Infrastruktur

Vermögensverwaltung erreicht. An eine Ausdehnung des kom­munalen Wirkungskreises war schon deshalb nicht zu denken. Das änderte sich mit Robert Schlumberger, der 1864 zum Bür­germeister gewählt wurde. Er war von einem ganz anderen Format als seine Vorgänger. Aus Südwestdeutschland stammend, hatte es ihn auf Grund seiner Heirat mit der Tochter eines Wiener Knopf fab­rikanten nach Österreich verschlagen. Hier verwertete er die Kennt­nisse, die er als leitender Angestellter eines französischen Cham­pagnererzeugers gewonnen hatte, indem er eine Schaumweinpro­duktion aufbaute. Dank seines unternehmerischen Geschicks ge­langte er bald zu Reichtum, der ihm den Anschluß an die Wiener Ringstraßen-gesellschaft erlaubte. Bürgermeister Schlumberger zur Seite stand Carl Ludwig Falk, der an die Spitze der Finanz­sektion des Gemeindeausschusses trat. Falk leitete als Direktor die 1833 gegründete Vöslauer Kammgarnfabrik, einen Industriebe­trieb von ansehnlicher Größe. Auch er war selbstredend ein Mann von großbürgerlichem Zuschnitt. Schlumberger und Falk, die bis 1870 die Geschicke der Ge­meinde lenkten, kannten wohl die gesetzlichen Grundlagen der Selbstverwaltung sehr genau. Sie setzten einen Standard durch, den Zwierschütz und Graf in ihrer kleinbürgerlichen Beschränktheit nicht hatten erreichen können. Großen Wert legten die beiden Unter­nehmer auf strengste Rechenhaftigkeit - eine Anforderung, die ih­nen aus ihrem Berufsleben vertraut war. Der disziplinierte Umgang mit den kommunalen Finanzen war fraglos ein Fortschritt und brach­te eine Konsolidierung der Gemeindewirtschaft. Jene Art von Spar­samkeit, für die Schlumberger und Falk plädierten, geriet aller­dings auch bald zum Hemmschuh für die Modernisierung. Da die kommunalen Zuschläge zu den staatlichen Steuern möglichst nied­rig ausfallen sollten und Schulden tunlichst zu vermeiden waren, hatte die Gemeinde wenig Spielraum, um die Hebung der Infra­struktur des Ortes voranzutreiben. Freilich entsprach es ohnehin der wirtschaftsliberalen Ideologie, die damals ihre Blütezeit er­lebte, unternehmerische Initiative den Privaten zu überlassen. Die Gemeinde sollte allenfalls dafür sorgen, daß Projekte von öf­fentlichem Interesse auf keine administrativen Hindernisse stießen. 119

Next

/
Oldalképek
Tartalom