Struktúra és városkép. A polgári társadalom a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1997. október 16-17-én (Veszprém, 2002)

Elit - Oliver Kühschelm: Sparsamkeit oder Fortschritt? – Die bürgerliche Elite des Kurortes Vöslau und das Problem der Schaffung einer modernen Infrastruktur

In diesem Sinne entschloß man sich 1874 auf Bitte eines Konsor­tiums, das den Bau einer Wasserleitung betrieb, bei den Behörden für das Vorhaben einzutreten. Daß man nicht daran dachte, die Ver­besserung der Wasserversorgung selbst in die Hand zu nehmen, kann nicht überraschen. Selbst die wesentlich kapitalkräftigere Ge­meinde Wien tendierte Anfang der sechziger Jahre dazu, die drin­gend notwendige Wasserleitung von einem Privatunternehmen er­richten zu lassen. 4 Begünstigt wurde die dem Zeitgeist entsprechende Passivität der Gemeinde durch das Engagement des ehemaligen Patrimonial­herren Graf Moritz Fries, dem Begründer des Kurbetriebes in Vös­lau. Der Enkelsohn des legendären Unternehmers Johann Fries er­lebte als junger Mann den Niedergang des familiären Bankhauses, das 1826 in Konkurs ging. Durch die Heirat mit Flora Freiin von Pereira-Arnstein kam Moritz aber wieder zu beträchtlichem Ver­mögen und investierte dieses in die Zukunft der Herrschaft Vöslau, indem er das Bad und die ersten Mietvillen baute. Als Vöslau 1842 durch den Bau der Südbahn sehr nahe an die Hauptstadt Wien rückte, stand einem raschen Aufschwung nichts mehr im Wege. Der Graf ließ in der Folge unter anderem von Ludwig Förster einen Bazar am Hauptplatz errichten, stiftete die katholische Kirche und gab Theophil Hansen den Auftrag für eine großzügige Erweiterung des Bades. 1880 bezahlte er schließlich auch den Bau des Kursa­lons. Dieser war ein später Schlußpunkt der privaten Infrastruk­turpolitik, die das gräfliche Kapital allmählich aufgezehrt hatte. Obwohl die Verdienste des Grafen kaum zu bezweifeln waren, ver­hielt sich die Gemeinde ihm gegenüber durchaus ambivalent. Einerseits überließ man es ihm soweit wie möglich, in die Zukunft des Ortes zu investieren. Andererseits versuchte man nichtsdesto­weniger, die Einflußsphäre der Kommune auf seine Kosten zu er­weitern. Erst in den achtziger Jahren befleißigte sich die Gemeinde all­mählich einer aktiveren Infrastrukturpolitik. Die Gründe sind in Besonderheiten des lokalen Rahmens ebenso wie in gesamtgesell­schaftlichen Entwicklungen zu suchen: so konnten die Grafen Fries nicht mehr den Ausbau der Infrastruktur finanzieren, und August 120

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