Struktúra és városkép. A polgári társadalom a Dunántúlon a dualizmus korában. Konferencia Veszprémben, 1997. október 16-17-én (Veszprém, 2002)

Elit - Sigrid Freisleben: Politische Eliten – der Gemeinderat von Wiener Neustadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert

Der neue Bürgermeister Franz Kammann (jun.) war der Sohn des Kartenfabrikanten Alois Aulich. 29 Er wuchs bei seiner Tante Josefine auf, die mit dem Fuhrwerks- und Realitätenbesitzer Franz Kammann (sen.) verheiratet war. Dieser fungierte 1868 bis 1877 als Gemeinde- und Stadtrat. Franz Aulich absolvierte die Volks­und Unterrealschule in Wiener Neustadt, lernte bei einer Wiener Firma das Kaufmannsgewerbe und besuchte die Handelsschule. 1876 kehrte er nach Wiener Neustadt zurück. Als sein Onkel 1877 starb, übernahm er dessen Fuhrwerksbetrieb und die Landwirt­schaft. Im gleichen Jahr wurde er von seiner Tante adoptiert und trug seither den Namen Kammann. Sein reiches Erbe ermöglichte es ihm, sich in der Stadt zu etablieren und eine Familie zu grün­den. 30 1889 wurde Franz Kammann (jun.) erstmals in den Gemein­derat gewählt, 1890 in den Stadtrat. Er gab daraufhin die Land­wirtschaft auf, „um als Rentier seine ganze Kraft in den Dienst der Gemeindeverwaltung stellen zu können". 31 Kammann war Mit­glied, Revisor-Ersatzmann, Direktions-Ersatzmann und Ausschuß der Wiener Neustädter Sparkasse. 1904 erhielt er den Orden Eiser­ner Krone III. Klasse, 1908-1912 wurde er in den niederöster­reichischen Landtag gewählt. 1913 verzichtete Franz Kammann (jun.) aus gesundheitlichen Gründen auf eine weitere Kandidatur. 1918 wurde er mit dem Prädikat „Edler von" in den Adelsstand erhoben. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie zog er sich gänzlich aus dem öffentlichen Leben zurück und starb 1926 in Wie­ner Neustadt. Kammanns Wechsel von den Liberalen zu den Deutschnatio­nalen und die Leugnung seiner liberalen Vergangenheit im Jahr 1896 lassen ihn kaum als Ideologen, sondern eher als karierre­bewußten Pragmatiker und klugen Taktiker erscheinen, der beden­kenlos traditionelle Loyalitäten hintanstellte. Nach der Interpreta­tion Zelenkas war sein politischer Rücktritt 1913 daher auch nur ein Vorwand, um einer auf Grund des neuen Wahlrechts drohenden Niederlage der Deutschnationalen bei den nächsten Wahlen zu ent­gehen und als der große Bürgermeister von Wiener Neustadt abzu­treten: „So wie er an die Macht gekommen war, ebenso überlegt trat er auch wieder im richtigen Augenblick ab." 32 108

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