K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

ERTEL, CHRISTINE - STUPPNER, ALOIS: Der Oberleiserberg bei Ernstbrunn, Niederösterreich - Zur Rekonstruktion eines germanischen Herrschaftssitzes des 5. Jhs

Das Vorbild für den derart architektonisch gestalteten Herrenhof sind die spätantike Palast- und Repräsentationsarchitektur. Als Beispiel sei der Palast des Ostgotenkönigs Theoderich zu Ravenna erwähnt, der den großen Palast in Konstantinopel zum Vorbild hatte und östlich der Kirche San Apollinare Nuovo in derViaAlberoni freigelegt wurde 16 . Er besitzt einen zentralen Peri sty lhof, an den im Norden der axial gelegene Apsidensaal als Hauptraum anschließt. Der südlich ansetzende Eingangstrakt ist nur mehr zum Teil erhalten und könnte in dem schon oben erwähnten Mosaik dargestellt sein. Mit den Elementen: Torbau, zentraler Hof und Empfangssaal mit Vorraum folgt auch der Herrenhof am Oberleiserberg in seiner jüngsten Ausbauphase um die Mitte des 5. Jahrhunderts dem Schema palatialer Anlagen, das N. Duval am Beispiel spätantiker Paläste dargelegt hat 17 . Die Grundrisse und die architektonische Gestaltung der beiden Bauphasen des Herrenhofes also knüpfen an die Architektur spätantiker Paläste und feudaler Villen im spätrömischen Reich an und kennzeichnen den Oberleiserberg als ein Zentrum mit besonderer politischer Bedeutung am Rande des spätrömischen Reiches. B. Rekonstruktion und Aufriss (Christine Ertel) Die weit fortgeschrittenen archäologischen Forschungen auf dem Oberleiserberg und die aus den historischen Parallelen ersichtliche Interpretation der Anlage als Fürsten­oder Königssitz ließen es wünschenswert erscheinen, das Aussehen der Bauwerke auch in der dritten Dimension zu rekonstruieren. Obwohl wie bei allen derartigen Bemühungen keine Garantie für die Richtigkeit der Höhenmaße übernommen werden kann, so läßt sich doch das Wesen der dort geschaffenen Architekturformen in einer isometrischen Darstellung weit besser beurteilen als es nur anhand der Grundrisse möglich wäre. Wie erwähnt, bestand zu Beginn des 5. Jhs. n. Chr. der Herrenhof aus einem großen Wohn- und Repräsentationsgebäude, dem sog. Steinbau I, der sich am Westrand eines von einer Mauer umfriedeten Hofareals erhob, und einem kleineren Nebengebäude außerhalb der Hofmauer (Abb. 3). Das Hauptgebäude besaß mit einer Grundfläche von ca. 600 m 218 stattliche Ausmaße. Im Bereich des Repräsentationsraumes in der Südhälfte des Hauses stieg das Gelände stark nach Westen an, so daß der über der Kanalheizung rekonstruierbare Fußboden um ca. 1 m höher lag als das Bodenniveau des Vorraumes, der an der Ostseite des Gebäudes verlief 9 . Der ca. 100 m 2 große Repräsentationsraum 20 , zu dem also einige Stufen vom Vorraum hinaufführten, erstreckte sich über die Höhe von zwei Geschossen, während sich die Wohnräume in der Nordhälffe des Hauses auf zwei übereinander liegende Normalgeschosse verteilten (Abb. 14). Alle aufgehenden Mauern wurden als verputztes Steinfachwerk angenommen, das sich aus dem verbliebenen Schuttmaterial erschließen läßt. Das Gebäude erhielt ein Satteldach mit Neigungen der Dachflächen von 30 Grad, das nach der Aussage des Fundmaterials mit römischen Tegulae und Imbrices gedeckt war (Abb. 15). Der Vorbau schloss mit einem Pultdach an den zentralen Gebäudeteil an, das der Mittelrisalit und

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