K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

ERTEL, CHRISTINE - STUPPNER, ALOIS: Der Oberleiserberg bei Ernstbrunn, Niederösterreich - Zur Rekonstruktion eines germanischen Herrschaftssitzes des 5. Jhs

die beiden Seitenrisalite mit eigenen Giebeln durchbrachen. Der südliche Seitenrisalit betonte den Eingang zum Repräsentationsraum, der nördliche öffnete sich mit einem eigenen Eingang zu den Wohnräumen. Ein Sockelband aus Ziegeln begleitete die Ostfassade des Vorbaues in ihrem südlichen Abschnitt und hob diesen zusätzlich hervor. Der Turm an der Nordostecke des Gebäudes wurde ca. 9 m hoch angenommen und überragt mit seinem Walmdach den First des Steinbaus I um ca. 2 m. Zu dieser Ausbauphase des Anwesens gehörte auch der Steinbau II, der sich im Norden außerhalb der Ummauemng erhob und vermutlich als Metallwerkstätte genutzt wurde. Auch dieses Gebäude besaß ein Ziegeldach. Um die Mitte des 5. Jhs. n. Chr. wurden mehrere neue Holzgebäude errichtet (Abb. 9). Anstelle der Hoffnauer umgab jetzt eine Pfostenwand, die nach dem Vorbild der alamannischen Doppelpfostenbefesti'gung auf dem Runden Berg bei Urach 21 dargestellt wurde, eine kleinere Hoffläche (Abb. 16). Eine fortifikatorische Funktion besaß diese nicht lückenlos geschlossene Umfriedung auf dem Oberleiserberg jedoch vermutlich nicht. Nordöstlich des Steinbaus I bestand der Ständerbau C-E, vermutlich ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude. An einen mit einem Nord-Süd orientierten Satteldach überdeckten Mitteltrakt setzte im Westen ein Ost-West ausgerichteter Gebäudeteil an, dessen Nord- und Westseite von Portiken begleitet wurden. Ein sich möglicherweise symmetrisch nach Osten fortsetzender Flügelbau konnte noch nicht vollständig ergraben werden. Ein weiterer Ständerbau K wurde an der Südseite des Hofes errichtet, der eine Portikus an Süd- und Westseite sowie an der Nordseite und einen überdachten Eingang von Osten her besaß. Der große Abstand zwischen den Pfosten der Portikus an der Südseite ließ uns einen in das Ost-West gerichtete Satteldach eingeschalteten dritten Giebel annehmen, der die Südfassade des Hauses bereicherte. Die Konstruktionsweise der beiden Gebäude C-E und K wird von Wandgräbchen bezeichnet, in denen in regelmäßigen Abständen Pfostenlöcher bis zu 0,20 m tiefer reichen. Diese senkrechten Pfosten sind nach dem Vorbild der römischen Holzbauten auf dem Auerberg 22 als primäre Tragelemente zu verstehen, zwischen denen horizontale Wandriegel eingelassen wurden. Bei dem nördlichen Gebäudekomplex C-E läßt eine Hüttenlehmschicht auf eine Ausfachung der Wände mit Lehmflechtwerk schließen. An das Gebäude K schloß nach Westen eine nur aus Pfostenlöchem rekonstruierbare Toranlage mit zwei ungleich hohen, von Walmdächern bedeckten Türmen an, die eine ca. 3 m breite Toröffnung flankierten. Der östliche, in den Bau K integrierte Turm benötigt ca. 9 m Höhe, um diesen zu überragen. Der westliche, ca. 6,50 m hoch angenommene Turm besaß einen überdachten Eingang von Norden her, nach Westen setzte sich die Umzäunung des Hofes bis zum Steinbau I fort. Ein weiterer Turm nahm die Nordostecke der Hoffläche ein, an dessen Westseite ebenfalls der Zaun weiterführte. Dieser Seite des Hofes war eine Gruppe von Backöfen vorgelagert. Die Türme dienten wohl weniger fortifikatorischen Zwecken, sondern fungierten als Hoheitszeichen der Architektur. Über dem östlichen Zug der niedergelegten Umfassungsmauer errichtete man den Torbau I mit den Flügelbauten G und H. Der Tordurchgang war mit einem mächtigen

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