K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)
ERTEL, CHRISTINE - STUPPNER, ALOIS: Der Oberleiserberg bei Ernstbrunn, Niederösterreich - Zur Rekonstruktion eines germanischen Herrschaftssitzes des 5. Jhs
Der gesamte Baukomplex lässt auf ein hohes Niveau der Holzarchitektur schließen und erinnert an die Aufzeichnungen des Priscus, der als oströmischer Gesandter im Jahre 449 n. Chr. die Residenz des Hunnenkönigs Attila in der ungarischen Tiefebene aufsucht 14 . Das ansprechenste Vergleichsbeispiel für den Torbau mit den seitlichen Hallen auf dem Oberleiserberg ist ein Mosaik am südlichen Wandfeld in San Apollinare Nuovo in Ravenna (Abb. 73) 15 . Es stellt die Eingangsfassade eines spätantiken Palastes mit überhöhtem Torbau (Propylon) mit seitlichen Flügelbauten in leichter Linksansicht dar. Quer über dem Giebel befindet sich die Inschrift „PALATIUM". Im Giebelfeld dürfte ursprünglich ein Reiterbild des Theoderich in Mosaik angebracht gewesen sein. Der Ständerbau an der Nordseite des Platzes (Holzbau C/D/E) Bei dem nordöstlich des Hauptgebäudes befindlichen Ständerbau, der den Platz im Norden begrenzt und noch nicht zur Gänze ausgegraben ist, handelt es sich um einen Schwellriegelbau, der aus einem Ost-West ausgerichteten Westtrakt, einem dazwischen liegenden Nord-Süd orientierten Gebäudeteil und dem noch nicht freigelegten Ostteil besteht (Abb. 9). Der Baukomplex weist mindestens eine Länge von ca. 20 m und eine Breite von 6 m bzw. 9,30 m auf. Die Außenwände sind teilweise durch in den Felsen eingetiefte Gräben und Pfostengruben gekennzeichnet. Die Breite der Wandgräben schwankt zwischen 30 bis 60 cm. Die Pfostengruben im Wandgraben sind 15 bis 20 cm tiefer als die Sohle des Wandgrabens. Die Abstände zwischen den einzelnen Pfostengruben variieren. Beim westlichen Gebäudetrakt befand sich vermutlich an der Nord- und Westseite eine Portikus, die durch die frühmittelalterlichen Gräber stark gestört ist. Über die Wandgräben erstreckte sich teilweise eine bis 15 cm starke Hüttenlehmschicht, die auf eine Brandzerstörung hinweist. Der Ständerbau an der Südseite des Platzes (Holzbau K) Der Ständerbau an der Südseite des Platzes ist ebenso wie Holzbau C/D/E durch Pfostengruben und in den Felsen abgesenkte Wandgräben charakterisiert und weist eine Größe von 14,80 x 10,80 m im Grundriss auf (Abb. 9). Der Bau ist in zwei ungleich große, rechteckige, durch Wandgräben abgegrenzte Räume aufgeteilt. An der Südseite schließt eine Portikus an. Entlang der Nordseite und der halben Ostseite verläuft ebenfalls eine Portikus, die im Westen auf der Höhe des Nordsüd laufenden Wandgrabens endet. Im Nordwesten wurde ein fast quadratischer eingetiefter Gebäudeteil freigelegt, deren Hauptträger zwei Pfosten sein dürften. Dieser Raum hat dieselben Dimensionen wie der Eckrisalit des Hauptwohngebäudes. Daher wurde er im Aufriss als Turm wiedergegeben und entspricht dem gegenüberliegenden Turm der Pfosten wand. Die weite Stellung der beiden Außenpfosten der Portikus an der Südseite des Gebäudes weist auf ein Querdach mit nach Süden gerichtetem Giebel hin.