K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)
CZYSZ, WOLFGANG - SCHOLZ, MARKUS: Ein Opferdepot in der Römervilla am Kühstallweiher bei Marktoberdorf-Kohlhunden
tragen lediglich eingeritzte V-Zeichen, die im Gegensatz zu den Sakralinschriften an verborgener Stelle angebracht sind, nämlich unterhalb des Gefaßbauchs bzw. unter dem Stengelfuß. Sie sind charakteristisch für einfache Besitzermarkierungen im (vormals) profanen Gebrauch. Die Männemamen Sueros, Liacus und Stur Mes sind bisher noch nicht belegt, Duc(ci)us indes schon. Alle vier weisen gallische Sprachwurzeln auf und dürften einheimischen Ursprungs sein, was besonders durch die gallische Endung -os anstelle des lateinischen -us deutlich wird. Rückgriffe auf solch ursprüngliche Formen lassen sich im zeitgleichen Namengut häufig beobachten. Sueros könnte auch als eine dialektsprachliche Variante des lateinischen Severus verstanden werden. Das gallische Namensuffix -iacos, latinisiert -iacus, bedeutet soviel wie „geboren in". Aufgrund des Fehlens des eigentlichen Wortstammes (L...?) besteht der Verdacht, dass hier ein familiärer Kurz- oder Rufname vorliegt. Den namentlich ausgewiesenen Stiftern entsprechend unterscheiden sich die handschriftlichen Züge der Graffiti deutlich voneinander, wie im übrigen auch die typgleichen Becher nicht aus einer Serie oder von einer Töpferhand stammen. Trotz unterschiedlichen Geschicks im Umgang mit dem harten Schreibuntergrund zeugen alle drei Weihungen anhand der Verwendung kursiver Elemente und Ligaturen von geübten Schreibern. Sueros, der mutmaßliche Schreiber der Hercules-Weihung, bemühte sich sogar, den Schriftzug mittels betonter Unterlängen zu verzieren, die für den kalligraphischen Zeitgeschmack des 3. Jahrhunderts typisch sind. Es entsteht der Eindruck, als habe jedes Mitglied der Kultgemeinschaft seinen Trinkbecher im Verlauf der Zeremonie selbst beschriftet. Offensichtlich handelt es sich also um die sorgfältig „beigesetzte" Hinterlassenschaft einer privaten Opferzeremonie, die hier, in der ländlichen Abgeschiedenheit der freien Natur oder in einem Tempelchen am Rand des Landguts stattgefunden hatte. Betrachtet man noch einmal die einzelnen Teile des Depots in seinem kultischen Zusammenhang: Die Sigillata-Teller eignen sich aufgrund ihrer Größe kaum als Servier- oder Essteller, sondern kommen als Spendegefäß (phiala, patera) in Betracht, aus dem die Opferspeise ins Feuer gegeben wurde. Die Reibschüsseln wird man dagegen zum Anrichten der Opferspeise verwendet haben. Welcher Art sie im einzelnen waren, wissen wir freilich nicht, nur dass damit auch ein Blutopfer einer Schaf/Ziege und eines Schweins verbunden war, was die verbrannten Schweinerippen und der Schaf- oder Ziegenbraten zeigen, die in der Irdenware-Reibschüssel abgelegt waren (frdl. Bestimmung H. Manhart, Staatsslg. für Anthropologie und Paläoanatomie, München). Zwei noch nicht erwähnte Gläser ergänzen das Opfergerät: eine im Feuer geborstene zylindrische Tasse Isings 85 und ein mit umlaufenden Faden verziertes Kännchen aus entfärbtem Glas (Isings 88/124). Dieses Kännchen dürfte ebenso wie der weißbemalte Sigillatakrug als guttus (Tropfgefäß) zu deuten sein, aus dem man tropfenweise Öl, Wein oder Honiggetränke rituell ausgegossen (libationem fundere) und geopfert hat. Außer dem Geschirr kamen noch folgende Kleinobjekte zum Vorschein, die aber durchaus auch im Sakralmilieu erklärbar sind: Das Schreibzeug in Gestalt eines verzinnten Tintenfasses aus Bronze, ein eiserner Spatel, wie er üblicherweise zum