K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)
CZYSZ, WOLFGANG - SCHOLZ, MARKUS: Ein Opferdepot in der Römervilla am Kühstallweiher bei Marktoberdorf-Kohlhunden
(=Niederbieber 24c) mit Fischen zwischen Blattranken. Außerdem gehörten mindestens zwei Reliefschüsseln des Typs Drag. 37 zu diesem Ensemble. Sehr attraktiv ist schließlich einer der überaus seltenen Sigillatakrüge mit weißer Rankenmalerei, handwerklich perfekt, wenn auch, wie mancher Artikel des römischen Kunstgewerbes, vom Kitsch nicht allzu weit entfernt. Alle Gefäße sind Importe und stammen, teils durch die Töpferstempel Gratus F(ecit) und Regulinus F(ecit) auf den Tellern nachweisbar, teils durch ihre Machart erschlossen, aus dem obergermanischen Manufakturzentrum rű6er«ae-Rheinzabern am Rhein. Wenige regionaltypische raetische Irdenwareformen (ein rotgestrichener Teller, zwei Reibschüsseln vom Typ Schwabmünchen) runden den Keramikbestand ab. Der einzigartige Schlüssel zum Verständnis des Depotfunds aber sind mindestens sechs glatte, kaum 10 cm hohe Sigillata-Kugelbecher des Typs Ludowici Vd (=Niederbieber 24a), von denen drei - ungewöhnlich genug - mit feinen Ritzinschriften auf dem Bauch beschriftet sind (Abb. 5). Sie beleuchten schlaglichtartig den religiöskultischen Hintergrund wie überhaupt die Form des Kugelbechers gerne im sakralen Milieu verwendet wurde. Zwei göttliche Adressaten sowie die Namen dreier Adoranten lernen wir durch die Graffiti auf drei der Kugelbecher kennen. Die auf den ersten Blick gut lesbaren Kurztexte geben jedoch Rätsel auf. Die am sorgfältigsten ausgeführte Inschrift kann trotz der Abkürzungen leicht aufgelöst werden: HIIR C(uli) . V(ictori) SVIIROS LIACI (filius votum) SOLfvit) - „Hercules Victor geweiht. Sveros, Sohn des Liacus, (hat sein Gelübde) erfüllt». Der Göttername - H, E und R sind durch eine Ligatur verbunden - ist durch die Interpunktion eindeutig aufzulösen und findet gerade in dieser Form zahlreiche Vergleiche unter Weihedenkmälern aller Art, nicht selten wurde er sogar auf die Initialen H V reduziert. Den „siegreichen Hercules", den Vollbringer der berühmten zwölf scheinbar unlösbaren Aufgaben des sagenhaften Königs von Argos, Eurystheus, durch die Hercules seine Zeitgenossen von Plagen und Räubern befreit und dafür Unsterblichkeit erlangt haben soll, pflegte man insbesondere in persönlichen Notlagen gerne um Beistand und Hilfe anzurufen. Weiheinschriften aus seinem Hauptheiligtum in Tibur-Tivoh weisen Hercules Victor zudem als Schutzgottheit für Haus und Hof aus. Die zweite Inschrift kann STVRILLIIS NVM(in)IBVS CIINABIONIS gelesen werden - „Sturilles (weiht diesen Trinkbecher bzw. seinen Inhalt) den göttlichen Numen von Cenabio". Unter numen wird im klassischen Sinne die wirkende Kraft, der Wille eines göttlichen oder gottähnlichen Wesens verstanden. Im Sprachgebrauch des 3. Jahrhunderts trat jedoch auch eine Verselbständigung des «wmew-Begriffs quasi als Synonym für deus ein, die gelegentlich selbst Orten und Objekten innewohnende numina zuschrieb, z. B. numinibus loci (Weihungen aus Altrip und Birten bei Moers). In Analogie zu diesen Beispielen ist es daher gut möglich, dass sich hinter Cenabio ein Ortsname verbirgt, vielleicht sogar der des Kohlhundener Landguts. Die überaus zart geritzten Buchstaben des dritten Bechers ergeben DVCVS VOT(u)M (solvit) - „Ducus (hat sein) Gelübde (erfüllt)". Die betreffende Gottheit wird diesmal verschwiegen. Eine abseits davon angebrachte ebenso zierliche Ritzung CAR (?) könnte von demselben Schreiber stammen, bleibt aber kryptisch. Zwei weitere Becher