K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2005/9. (Veszprém, 2005)

TEICHNER, FELIX: Neue Forschungen zur ländlichen Besiedlung im Süden der römischen Provinz Lusitanien

handelt es sich um die größte zusammenhängend erforschte Anlage Lusitaniens, so daß man eine direkte Einbindung des südlusitanischen Agrargewerbes in die reichsweiten Vertriebsstrukturen der benachbarten Baetica annehmen möchte. Die nachmalige Nutzung des im 4. Jahrhundert entstandenen heidnischen Kultbaus (Baueinheit G) als christliche Kirche mit Baptisterium und Begräbnisstätte stellt im spätantiken Hispanien keinen Einzelfall dar. Die siedlungsgünstigen Bedingungen der heute verlandeten Lagune der Riberia von Quarteira, rund 12 km westlich der bereits erwähnten Hafenstadt Faro, führten schon in vorgeschichtlicher Zeit zu einer deutlichen Verdichtung menschlicher Aktivitäten. Anhand der hier gelegenen Küstensiedlung auf dem Cerro da Vila (Abb. 1,4) ließ sich - in Verbindung mit der benachbarten Station von Marmeleiros (Abb. 1,3) - die Entstehung und wirtschaftliche Entwicklung der auf die Ausbeutung und Verarbeitung der maritimen Ressourcen ausgerichteten Ansiedlungen der lusitanischen Atlantikküste von der frühen Kaiserzeit bis in den islamischen Abschnitt des Mittelalters verfolgen 8 . Die Gründung beider Siedlungen ist noch für die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts, wohl im Zuge der mit der augusteischen Provinzeinrichtung einhergehenden Neuordnung des Territoriums, anzunehmen. Die wirtschaftliche Basis beider Stationen stellte die als Fischereigrund und Ankerplatz vortrefflich geeignete Lagunenlandschaft dar. Eine Änderung an diesen naturräumlichen Voraussetzungen, namentlich die voranschreitende Verlandung der Lagune in ihrem vom Meer abgelegenen, nordwestlichen Teil, führte zur Aufgabe der Anlage von Marmeleiros noch vor dem Ende des 1. Jahrhunderts. In der Folge kam es zu einer Konzentration der Bevölkerung auf dem benachbarten Cerro da Vila. Die weiterhin von See her zugängliche Ansiedlung nahm in der nachfolgenden mittelkaiserzeitlichen Siedlungsphase einen beachtlichen Aufschwung. Die mit hohem Aufwand betriebene Einrichtung einer geregelten Wasserversorgung aus einem Staudamm und einer mehrere Kilometer langen Wasserleitung bildete die Voraussetzung für eine ganze Reihe mit der Verarbeitung von Meeres fruchten (bes. Baueinheiten H und J) befaßter fabricae sowie einer imposanten Thermenanlage (Baueinheit C). Im einzelnen lassen sich auf dem Siedlungsgelände die folgenden Baueinheiten unterscheiden (Abb. 5): A Hauptgebäude („villa urbana'). Die symmetrisch um einen Peristylhof angeordnete Anlage verfügt neben den üblichen Wolinräumen über ein Vestibyl, ein biclinium, kleine balnea und einen hexagonalen Repräsentationssaal. B Korridor mit Latrine, der das Hauptgebäude (A) mit den Thermen (C) verband. C Große, öffentliche Badeanlage (thermae maiores) mit eigenständigem Wasserspeicher und weiteren Latrinen. D Kleines Gartentriclinium (triclini all'aperto) am antiken Lagunenufer. E Einstige fabrica im Nordviertel, die später zu einem zweistöckigen Wohngebäude umgestaltet wurde.

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