K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2004/8. (Veszprém, 2004)
ALFÖLDY, GÉZA: Die Inschriften des Hügelgrabes von Baláca - A balacai halomsír feliratai
gehörten. 91 Vereinzelte Beispiele gibt es u. a. in der Gegend des Plattensees. 92 Angesichts des weitgehenden Mangels an Grabaltären in Pannonién griff Ertel auf die in dieser Provinz häufigen Votivaltäre als Vergleichsmaterial zurück. Dank ihres eindrucksvollen Überblickes über die Dekoration pannonischer Votivaltäre fand sie in der Tat ähnliche Profilformen der stark gegliederten Coronae und Crepidines auf solchen Altären vor allem aus der zweiten Hälfte des 2. und der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts auf der einen und auf den Grabaltären von Baláca auf der anderen Seite. Sie schreibt: „Wie das frühe Beispiel [des Altars] des Rubrius Martialis aus Carnuntum zeigt, kam die Doppelform der Profilierung bereits im 1. Jh. vor. Häufiger belegt ist sie aber im 2. Jh., am genauesten ... zwischen 178 und 212," 93 woraus sich dann auch die Zeitstellung der Grabaltäre von Baláca ergebe. Auf den ersten Blick scheint diese Argumentation schlüssig zu sein. Allerdings: Die Votivaltäre Pannoniens (und der nördlichen Provinzen überhaupt) gehören insgesamt größtenteils in den Zeitraum zwischen etwa 150/160 und 240/250, vor allem in die Jahrzehnte zwischen 180 und 230. Vor der Mitte des 2. Jahrhunderts wurden dort - im Gegensatz zu den vielen frühen Grabinschriften - noch kaum solche Weihedenkmäler gesetzt. 94 Somit eignen sich die pannonischen Votivaltäre als Vergleichsmaterial für die Grabaltäre des Tumulus von Baláca kaum, denn ihre Form kann von vornherein fast nur Eigenheiten aufweisen, die für die Weihaltäre Pannoniens in dem genannten Zeitraum charakteristisch waren ohne dass damit auch nur im geringsten ausgeschlossen werden könnte, dass die Grabaltäre von Baláca bereits in einer früheren Zeit ähnlich gearbeitet wurden. Als Vergleichsmaterial für die Grabaltäre von Baláca sollten vor allem italische Grabaltäre herangezogen werden, insbesondere im Hinblick auf die von Ertel sicher richtig herausgestellte Tatsache, dass der Tumulus nach italischen Vorbildern errichtet wurde - was freilich auch für seine Ausstattung mit den in Pannonién sonst nur wenig bekannten Grabaltären gilt. 95 Die für die Altäre von Baláca kennzeichnende starke Gliederung der Aufsatz- und Sockelprofile mit einer doppelten Profilfolge ist uns z. B. auf den Grabaltären in Aquileia, einer Stadt auf dem Weg von Pannonién nach Rom, die auf die künstlerische Entwicklung in Westpannonien einen großen Einfluss ausübte, nicht erst nach etwa 150, sondern gerade bereits im 1. Jahrhundert und vor allem in der ersten Hälfte und um die Mitte des 2. Jahrhunderts zu beobachten. 96 In Rom kennen wir vergleichbare Exemplare aus der zweiten Hälfte des 1. und der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. 97 Berücksichtigt werden muss in diesem Zusammenhang übrigens auch, dass viele pannonische Votivaltäre ein längliches Mittelteil haben, während die beschriftete Vorderseite des Mittelteils der Grabaltäre von Baláca offensichtlich eine quadratische oder fast quadratische Form aufwies (siehe Abschnitt 5). Auch hierfür waren anscheinend italische Vorbilder richtungsweisend. 98 Nicht einmal der von Palágyi erschlossene Terminus post quem für die Bauzeit des Tumulus aufgrund der diesem vorausgehenden Pferdebestattung scheint mir zwingend zu sein. Palágyi selbst meint, dass ein Teil des Pferdegeschirrs um die Wende von 1. zum 2. Jahrhundert angefertigt worden sein dürfte. Warum die Bronzebeschläge, die sie frühestens in die Zeit Hadrians setzte, nicht einige Jahrzehnte älter sein könnten, leuchtet mir nicht ein. Palágyi beruft sich auf einige wenige Parallelen aus Brigetio und aus dem römischen Germanien, die sich durch