K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2004/8. (Veszprém, 2004)
ALFÖLDY, GÉZA: Die Inschriften des Hügelgrabes von Baláca - A balacai halomsír feliratai
regelmäßig gemeißelte litterae quadratae, die für die Inschriften von Baláca charakteristisch sind, oder die Vorliebe für Ligaturen, die es in diesen Inschriften nicht gibt, lassen sich in den in Stein gemeißelten Inschriften - stark verallgemeinernd gesagt ungefähr seit der Mitte des 2. Jahrhunderts so gut wie überall gleichermaßen beobachten. Die Paläographie der Altarinschriften von Baláca, vor allem die konsequente Vermeidung von Ligaturen, lässt sich mit ihrer bisher vorgeschlagenen Datierung keinesfalls in Einklang bringen. Zumindest die frühesten Altarinschriften und erst recht die Inschrift auf der Marmortafel, die in die Bauzeit des Tumulus gehört - müssen in einer Zeit entstanden sein, in welcher in Pannonién zumindest die anspruchsvollen Inschriften ähnlich wie diese sorgfältig gemeißelt und ohne Ligaturen (oder allenfalls mit ganz wenigen Ligaturen) geschrieben wurden. Jede epigraphische Erfahrung, durchaus nicht nur in Pannonién, sondern auch in anderen Teilen des Imperium Romanum, spricht dafür, dass die Paläographie der Inschriften des Tumulus keine Datierung in eine spätere Zeit als in die erste Hälfte, spätestens in die Mitte des 2. Jahrhunderts erlaubt. Damit stehen auch die Nomenklaturform der in den Inschriften genannten Personen mit Angabe der Filiation und das Formular der Texte im Einklang. Die Namengebung mit der Filiationsangabe innerhalb der Tria Nomina schließt eine Datierung der Altarinschriften in eine Zeit nach der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Auch das ist eine allgemeine Erfahrung in der Epigraphik des Römischen Reiches. 87 Was das Formular anbelangt, hat selbst Fitz zurecht darauf hingewiesen, dass die Altarinschriften von Baláca, neben anderen häufigen Elementen der Texte von Grabinschriften, weder die Eingangsformel D(is) M(anibus) noch die Lobpreisung der Verstorbenen durch Epitheta wie piissimus o. ä. enthalten. 88 Diese und andere Formeln, die in den Inschriften von Baláca ebenfalls fehlen, breiteten sich bekanntlich - nach früheren Anfängen vor allem in Rom - seit dem Ende des 1. oder dem Beginn des 2. Jahrhunderts im Reich rasch aus; sie sind für die Grabinschriften aus dem 2. und erst recht aus dem 3. Jahrhundert in Pannonién ebenso allgemein charakteristisch wie überall. 89 Fazit: Es ist zwar durchaus denkbar, dass die Paläographie, die Onomastik und das Formular der Grabinschriften von Baláca auch noch in einer späteren Zeit, als sich die epigraphischen Normen sonst bereits allgemein geändert haben, dem Vorbild der frühesten Inschriften am Tumulus folgte, um den Altären, die um das Hügelgrab herum im Laufe mehrerer Generationen allmählich aufgereiht wurden, ein einheitliches Erscheinungsbild zu geben. Aber zumindest die frühesten Altäre, die für die späteren als Muster dienten, müssen in einer früheren Zeit als bisher angenommen, d. h. spätestens am Anfang des 2. Jahrhunderts, der damals vorherrschenden epigraphischen Praxis folgend angefertigt worden sein. Ein archaisierender Rückgriff auf überholte Vorbilder in späterer Zeit wäre nicht nur singular, sondern auch unerklärbar. Auch die Argumentation Ertels mit der Form der Dekoration der Altäre überzeugt nicht. Die Errichtung von Grabaltären war in Pannonién kaum üblich. Häufiger kommen sie nur in Emona und Umgebung vor, 90 die allerdings in dem Zeitraum, aus dem die dort gefundenen Grabaltäre stammen, nämlich in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts und im 2. Jahrhundert, nicht zu Pannonién, sondern zu Italien