K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 2004/8. (Veszprém, 2004)
ALFÖLDY, GÉZA: Die Inschriften des Hügelgrabes von Baláca - A balacai halomsír feliratai
Die Zeilen waren zumeist ungefähr gleich lang; kürzere Zeilen wurden offenbar symmetrisch, d. h. eingerückt und in der letzten Zeile gelegentlich mit größeren Abständen zwischen einzelnen teilweise stark abgekürzten Worten angeordnet. Kleine Abweichungen von der Symmetrie, beispielsweise mit der Endung einer etwas zu lang geratenen Zeile direkt am rechten Rand des Inschriftfeldes (so z. B. bei der Inschrift II), konnten die günstige ästhetische Wirkung des Schriftbildes wohl kaum beeinflussen. Ein derartig uneinheitliches Schriftbild mit unterschiedlich langen linksbündigen Zeilen, das von Fitz für mehrere der von ihm rekonstruierten Inschriften (siehe vor allem seine Nr. 3 und 4 = hier III und V) postuliert wurde, braucht nicht angenommen zu werden. Vollkommen geändert werden müssen auch die Vorstellungen über den Aufbau und den Inhalt der Texte. Diese weisen ein sehr einheitliches Formular auf. Jeder Altar wurde offensichtlich für die Bewahrung des Andenkens an jeweils einen Verstorbenen errichtet. Die Annahme von Fitz, dass wir es in zwei Fällen mit Grabaltären von Ehepaaren zu tun haben (siehe seine Inschriften Nr. 4 und 5 = hier V und II), ist m. E. unhaltbar. Unterschiedlich sein konnte nur die Zahl der Dedikanten, bedingt dadurch, dass u. a. - wie es scheint - etwa ein Sohn seinen Vater zusammen mit einer anderen Person (II), möglicherweise ein Sohn und seine Frau zusammen mit einer Enkelin den Vater bzw. Großvater (IV), ein Ehepaar und seine Tochter den Sohn bzw. Bruder (VII), einmal vielleicht zwei Enkelsöhne und ihr Cousin den gemeinsamen Großvater oder die gemeinsame Großmutter (G 46) mit einem Grabaltar ehrten. Unterschiede dieser Art sprechen keineswegs für eine wenig konsequente Verfahrensweise. Der Dedikantenkreis umfasste offenbar jeweils die Mitglieder der Familie, die zum Zeitpunkt der Errichtung eines Grabaltars am Leben waren. Die Bezeichnung des Verwandtschaftsgrades wurde nach dem Namen der Stifter durch Hinweise wie patri, matri, uxori, avo, aviae, fratri, filio, füiae o. ä. anscheinend immer angegeben. Wohl alle Texte endeten mit einer kurzen Schlussformel wie f(ieri) i(ussit) bzw. f(ieri) i(usserunt) (II und VII, vielleicht auch IV) oder f(ecit) (V). 53 Vor allen anderen Dingen kommt es freilich auf den Inhalt der Inschriften an. Wir brauchen weder bisher unbekannte Personennamen noch die Wiederherstellung der Rangtitulatur ritterständischer Offiziersposten noch die Rekonstruktion von Hinweisen auf mittelitalische Städte bzw. Regionen wie Falerio, Tölentinum, Urbs Salvia und Picenum oder auf die Tribusangabe Velina zu postulieren, um jenen Personenkreis bestimmen zu können, dessen Mitglieder in den Inschriften der Grabaltäre von Baláca genannt wurden. Keiner der uns bekannten Textteile mit erhaltenen Namen, Worten, Buchstabengruppen oder einzelnen Buchstaben bzw. Buchstabenresten spricht auch nur im geringsten dafür, dass wir es mit Zuwanderern aus Mittelitalien zu tun hätten. Vielmehr ist hier eine wohlhabende pannonische Familie zu erkennen, deren männliche Mitglieder allenfalls in den Städten ihres westpannonischen Heimatlandes Ämter bekleideten. Einer oder zumindest einer von ihnen wurde möglicheweise auch in den Ritterstand aufgenommen (siehe die Inschrift I), doch selbst dieser Mann dürfte höchstens zu jener „Masse" der Ritter gehört haben, die - im allgemeinen waren es reiche Grundbesitzer - keine Laufbahn im römischen Staatsdienst absolvierten. Fast die Hälfte der beschrifteten Fragmente