K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)

Vorträge - GABLER, DÉNES-REDŐ, FERENC: Eine kaiserzeitliche Villa in Mittelitalien beiSan Potito

DÉNES GABLER -FERENC REDŐ EINE KAISERLICHE VILLA IN MITTELITALIEN BEI SAN POTITO DI OVINDOLI Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen der Soprintendenza archeologica dell'Abruz­zo in Chieti und dem Institut für Archäologie der Ungarischen Akademie der Wissenschaf­ten führen wir seit 1983 in der mittelitalienischen Gemeinde San Potito di Ovindoli (Provinz L'Aquila) Ausgrabungen an einer großen römischen Villa durch 1 . Der Fundort liegt in einer Höhe von 1053 m über dem Meeresspiegel in einem der in Nord-Süd Richtung verlaufen­den Täler der Appenninen südöstlich des Monte Magniola zwischen Pidocchio und Pizzo di Ovindoli (1510 m), am rechten Ufer des Rivo di San Potito, südöstlich der heutigen Gemei­de an der Gemarkung Piano dei Santi. Das Gebiet wird erst seit anderthalb Jahrzehnten in­tensiver erforscht-abgesehen von den Untersuchungen der Belgier in Alba Fucens 2 -, wes­halb sich unsere Arbeiten erst jetzt in einem Stadium befinden, das es uns ermöglicht, die römerzeitliche Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte, die Grundbesitzverhältnisse sowie die in ihnen zu entdeckenden strukturellen Veränderungen dieser Gebirgsregion zu skizzieren. Im 8^1. Jh.v.Chr. wurde dieses Gebiet von den Marsi besiedelt, die sich in den Albaer Bergen hauptsächlich mit dem Hirtenwesen befaßten . Westlich von ihnen ist das Sied­lungsgebiet der Aequi zu finden und nicht weit entfernt auch das des dritten Stammes, der Volsci 4 . Angaben aus der Kaiserzeit zufolge waren den Marsern Hunderte von Heiligräsern bekannt, aus denen sie die verschiedensten „Heilmittel" herstellten-nach Aulus Gellius 5 . Da es zwischen den Nachbarstämmen - verhältnismäßig häufig - zu Streitigkeiten kam, hatten sie ihre Siedlungen mehr oder weniger befestigt 6 . Diese kleinen befestigten Siedlun­gen waren gleichzeitig die Zentren des primitiven Handwerks. Die Reste einer kleinen ei­senzeitlichen Siedlung konnten wir auch im Zuge unserer Ausgrabungen in San Potito regi­strieren, hauptsächlich im mittleren und südlichen Trakt der Villa. Wir beobachteten eine kleinere Grube und eine Brandschicht, in denen wir handgemachte Keramik, geschliffene Steinwerkzeuge und Strohlehm fanden. Eine Kontinuität besteht zwischen der früheisenzeit­lichen Siedlung und der römischen Villa nicht; nach Verlassen durch die ersten Ansiedler blieb das Gebiet einige Jahrhunderte lang unbewohnt. Die Villa ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt: laut Febonius stand hier die Sommerresi­denz des Lucius Verus, die der Kaiser auf Anraten seiner Ärzte deshalb aufsuchte, um Hei­lung für sein Augenleiden zu finden 7 . Der Überlieferung zufolge erlitten an diesem Ort-ge­rade Dank der Anwesenheit des Kaisers- zur Zeit des Marcus Aurelius die Christen S. Sim­plicius, Constantius und Victorianus den Märtyerrtod 8 . In Anbetracht dessen, daß vom Ge­lände der Villa schon seit dem 18. Jahrhundert Funde registriert wurden, vor allem aber aufgrund der Darstellungen auf der Rückseite einer Münze eben des Marcus Aurelius (drei gefesselte Gefangene, vermutlich Barbaren) 9 , brachte man die Villa mit dem Martyrium der drei heiligen Männer in Verbindung (Piano dei Santi). Zur „authentifizierenden Grabung" (Nachgrabung) zwecks Beweisführung dessen kam es in diesem Grenzgebiet des Königrei­ches Neapel bereits einige Jahre vor Beginn der Ausgrabungen in Pompeji Untersuchung. Umgeben ist die Villa von riesigen Waldgebieten und weiten grünen Wiesen, die sich zwischen Ovindoli und Celano hinziehen, dort wo das Tal breiter wird (Abb. 1). Unmittel­bar über ihr auf einem Felsvorsprung hatte man im Mittelalter - die Steine der Villa sekun­där verwendend - ein kleineres Castellum errichtet, das vom Regesta di Farfa des Jahres

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