K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - POCHMARSKI, ERWIN: Die Villa von Grünau im Rahmen der römerzeitlichen Villenanlagen in der Steiermark
und W wurde im Jahre 1991" auch ein kleineres Nebengebäude entdeckt (Abb. 10). Dieses wurde in geringer Entfernung zu der ursprünglich für die SO-Ecke des Hauptgebäudes der Villa gehaltenen SO-Ecke des Anbaues auf der Suche nach dem symmetrisch zur SW-Ecke angelegten Eckturm gefunden 39 . Von dem in südöstlicher Richtung orientierten Nebengebäude wurde bisher nur der nördliche Teil mit einer Breite von 8,50 m und einer Länge von derzeit 14 m freigelegt. Der Bau gliedert sich in einen großen quadratischen Raum von 8,50 x 8,50 m Außenmaß im N und zwei kleinere, gleichfalls quadratische Räume von 3,50 x 3,50 m Innenmaß im S; beiden Einheiten ist jeweils ein schmaler, rechteckiger Raum vorgelagert, dessen Fundamente an der N-Seite allerdings schlecht erhalten sind 40 . Zusammenfassend läßt sich zu den bisher ergrabenen Teilen der Villa von Grünau folgendes sagen. Der westliche Baukomplex dürfte das Hauptgebäude der Villa darstellen. Seine Mitte wird von einem Innen-(Peristyl)hof eingenommen, dessen Breite sich mit 20,5 m exakt ermitteln läßt, während die Länge je nach Vorhandensein einer hofseitigen Halle an der N-Seite, die bisher noch nicht nachgewiesen werden konnte, zwischen 35 m und 39 m liegt. An drei Seiten - im S, W und O wird der Hof mit Sicherheit von gedeckten, zum Hof hin offenen Hallen eingefaßt. Damit vertritt das Hauptgebäude der Villa den Typus der Peristylvilla, der in Italien ausgebildet 41 und in die Provinzen, so auch nach Noricum und Pannonién übernommen wurde 42 . Der Grundriß wurde an der S-Seite durch eine sich nach außen öffnende Halle (Porticus) und einen an die SW-Ecke angebauten Eckturm (Eckrisalit) zu einer Peristyl-Porticus-Eckrisalit-Villa erweitert. An der N-Seite des Innenhofes dürften die Wohnräume gelegen sein, die aber bislang noch nicht ausgegraben worden sind. Nördlich davon liegen anscheinend bereits außerhalb des Hauptgebäudes Anbauten, die vermutungsweise mit einer Badeanlage in Verbindung gebracht werden können 43 . Die Außenmaße des Hauptgebäudes der Villa betragen nach dem derzeitigen Forschungsstand 28 m Breite und 61m Länge (unter Einschluß des Eckrisalits im S und der Anbauten im N). An das S-Ende der ostseitigen Halle schließt nach O der östliche Baukomplex an, bei dem es sich wohl um Anbauten bzw. Nebengebäude handelt. Dazu gehört zunächst ein langrechteckiger, hallenähnlicher Raum von 32,20 x 9,50 m, bei dem es sich um einen Anbau handeln muß und nicht um die Fortsetzung des Hauptgebäudes nach O, wie bisher angenommen worden war. Daran schließt im N die monumentale Toranlage mit der Einfahrt an, die vermutungsweise als Wagenremise angesprochen wurde. Südöstlich von der langen Halle liegt ein weiteres, isoliert für sich stehendes Nebengebäude, das noch nicht vollständig freigelegt ist 44 . Die Anfänge der Villa von Grünau gehen nach den Keramikfunden bis in die Mitte des 1 Jh.n.Chr. zurück, wobei sich die frühe Keramik aber ausschließlich im O-Teil der Anlage gefunden hat, was vielleicht den Gedanken an einen Vorläufer in diesem Bereich nahelegen würde. Dazu könnte auch die Tatsache passen, daß die Fundamente des hallenartigen Anbaues weitgehend ausgeräumt sind 45 . In diese Zeit ist auch der schönste Fund aus der Villa zu datieren, der in der Nähe der NW-Ecke des Innenhofes des Hauptgebäudes gefunden wurde: ein reliefierter Silberbecher (Skyphos) mit Szenen aus dem römischen Circus (Start und Sturz eines Viergespannes, Abb. 11) . Ihre größte Blüte dürfte die Villa nach der Fundstatistik im 2. und in der 1. Hälfte des 3.Jh.n.Chr. erlebt haben. Für die relative Chronologie des Hauptgebäudes erhalten wir aus zwei Befunden Anhaltspunkte. Der eine geht in das Jahr 1989 zurück, als nördlich des SW-Eckrisalits innerhalb der westseitigen Halle des Innenhofes in den Planquadraten I VII und J VII der Nachweis für drei aufeinanderfolgende Bauphasen in diesem Bereich erbracht werden konnte (Abb. 3). Die Situation ist dabei folgende: eine im Vergleich zum Fundament der Außenmauer und zum hofseitigen Fundament deutlich höher fundamentierte Grundmauer aus Flußkieseln und Schotter mit gut erhaltenen Mörtelresten für den Aufsatz einer steinernen Fundamentkrone