K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)
Vorträge - POCHMARSKI, ERWIN: Die Villa von Grünau im Rahmen der römerzeitlichen Villenanlagen in der Steiermark
ERWIN POCHMARSKI DIE VILLA VON GRÜNAU IM RAHMEN DER RÖMERZEITLICHEN VILLENANLAGEN IN DER STEIERMARK Die bisher in sechs Grabungskampagnen in den Jahren 1988-1993 durchgeführten Ausgrabungen einer römischen Villa in der KG Grünau (MG Groß St. Florian, VB Deutschlandsberg) 1 (Abb. 1) haben sich zum Ziel gesetzt, eine römische Villa zur Gänze freizulegen und monographisch zu dokumentieren". Bei den auf den Parzellen 621 und 622 der KG Grünau systematisch durchgeführten Untersuchungen handelt es sich grundsätzlich um vom Bundesdenkmalamt unterstützte Notgrabungen, da durch die intensiven landwirtschaftlichen Anbaumethoden die völlige Zerstörung der knapp unter der Erdoberfläche liegenden Reste der Villa zu befürchten ist. Aus diesem Grund wurden auch die beiden genannten Parzellen, sowie die östlich angrenzende Parz.444 der KG Nassau (OG Unterbergla, VB Deutschlandsberg) unter Denkmalschutz gestellt. Der Grabungsplatz erschien aus mehreren Gründen erfolgversprechend. Erstens waren auf dem Areal bei Begehungen in der Vergangenheit immer wieder Steinmaterial, Ziegelbruchstücke und Keramikfragmente aus römischer Zeit festgestellt worden 3 . Diese Funde lassen sich vielleicht mit einem Fundbericht aus dem Jahre 1843 verbinden, durch den für Groß St. Florian eine Fundstelle „nicht ferne der Laßnitz und dem Markt" bezeugt ist, wo Mauertrümmer, Spuren eines Mosaikbodens und die Hand einer Statue gefunden worden seien 4 . Zweitens läßt der für die drei betreffenden Parzellen der KG Grünau bzw. der KG Nassau geläufige Flurname „Versunkenes Schloß" ähnlich wie in anderen Fällen (z.B. bei der römischen Villa von Löffelbach 5 ) auf die Ruinen einer größeren römischen Anlage, am ehesten einer Villa schließen. Damit ist die in Groß St. Florian - wie auch an anderen Orten — beheimatete Sage von einem versunkenen Schloß 6 zu verknüpfen, das wegen des Übermutes des Schloßherrn bei einem großen Unwetter untergegangen sei. Es handelt sich dabei um eine Sage aitiologischen Charakters, die Reste aus einer früheren Zeit zu erklären versucht 7 . An dieser Stelle war also mit einer römischen Villa, d.h. einem größeren landwirtschaftlichem Betrieb mit einem repräsentativen Haupt- oder Wohngebäude, Neben- oder Wirtschaftsgebäuden, sowie Begräbnisstätten zu rechnen. Mit diesen im lokalen Bereich gemachten Beobachtungen stimmt auch der aus Fundberichten für das Lassnitztal in der Weststeiermark bekannte Befund überein, daß muraufwärts in beinahe regelmäßigen Abständen von 3-5 km römische Villen aufeinander folgen: entsprechende Berichte liegen für die Orte Lang, Hengsberg (mit zwei Fundstellen), Preding, Wettmannstätten, Groß St. Florian und Deutschlandsberg vor 8 . Zur Ergänzung und Verfeinerung der aus den Begehungen über den Grabungsplatz gewonnenen Informationen wurden von G. Walach parallel zu den Grabungskampagnen geoelektrische und geomagnetische Widerstandsmessungen durchgeführt, um nähere Anhaltspunkte über Mauerfundamente zu erhalten' . Trotz der Schwierigkeiten aufgrund der örtlichen Gegebenheiten 9 ' konnten aus den bei den geoelektrischen Messungen ermittelten Widerstandswerten brauchbare Anhaltspunkte für den Verlauf von Mauern gewonnen werden. Die sechs Grabungskampagnen haben zur Aufdeckung zweier großer, zusammenhängender Baukomplexe und eines kleineren, von ihnen leicht abgesetzten Baues geführt. Die an der SW-Ecke des westlichen Baukomplexes in den beiden ersten Grabungskampagnen der Jahre 1988 und 1989 10 freigelegten Fundamente eines quadratischen Bauteiles (Abb. 2) 11 lassen sich unschwer als Eckturm (Eckrisalit) interpretieren. Die Fundamente haben sich an