K. Palágyi Sylvia szerk.: Balácai Közlemények 1994/3. (Veszprém, 1994)

Vorträge - FILGIS, MEINRAD N.: Ausgrabung und Restaurierung römischer Villen in Baden-Württemberg

Die römische Villa von Hirschberg-Großsachsen , die Frau A. Hagendorn in ihrem Bei­trag bereits vorgestellt hat, liegt ca. 15 km nördlich von Heidelberg und ist als Fundstelle seit Ende des letzten Jahrhunderts bekannt. Sie war durch intensive landwirtschaftliche Nut­zung akut gefährdet und wurde daher vom Landesdenkmalamt unter Leitung von E. Schall­mayer und A. Hagendorn in den Jahren 1984—87 untersucht. Aufgedeckt wurden das Haupt­gebäude ein davorliegendes Wasserbecken, ein Badegebäude sowie zwei quadratische, wohl kultisch genutzte Bauten. Das Hauptgebäude, Teile des Wasserbeckens und die beiden Kult­gebäude wurden anschließend restauriert (Abb. 7). Der langrechteckige Raum neben dem südlichen Eckrisalit besaß eine Hypokaustheizung, die heute in einer Teilrekonstruktion zu sehen ist. In sehr anschaulicher Weise wird damit dem interessierten Besucher das System des auf Ziegelpfeilern ruhenden Fußbodens und der tubulierten Wand für den Durch- und Abzug des heißen Rauches verdeutlicht. Bedauerlicherweise steht diese sehr ansprechende Rekonstruktion im Freien und ist somit der Witterung, in besonderem Maße aber dem Van­dalisms ausgesetzt, wie ein bereits losgetretener Ziegelpfeiler zeigt (Abb. 8). Nahe der römischen Verbindungsstraße von Basel nach Heidelberg wurde Ende 1991 in Karlsruhe-Durlach beim Bau der neuen Gewerbeschule von H. Rosmanitz, einem ehren­amtlichen Mitarbeiter der Archäologischen Denkmalpflege, ein bisher nicht bekannter römi­scher Gutshof entdeckt und anschließend vom Landesdenkmalamt unter Leitung von R.-H. Behrends untersucht. 5 Trotz starker Zerstörungen durch die Bauarbeiten konnten Teile der Umfassungsmauer einer Portikusvilla mit zwei Eckrisaliten und zwei Kellern erfaßt und die Größe des Gebäudes rekonstruiert werden (Abb. 9). Unter dem nordwestlichen Risalit kam ein Keller mit sechs Wandnischen und ehemals bemalten Nischenbögen sowie bemalten Rautensteinen zum Vorschein. Nach einem Brand in römischer Zeit ist der Keller verfüllt und auf der Verfüllung ein Mörtelfußboden verlegt worden. Zuvor hatte man jedoch die po­lychrom bemalten Keilsteine der Nischenbögen ausgebrochen (Abb. 10). Die Farbgebung der Rautensteine, die mittig zwischen zwei Nischen im Mauerwerk sitzen, war grün und gelb, die der Keilsteine wohl grün, rot und gelb, wie dies an drei in situ befindlichen recht­eckigen Decksteinen, welche die Stoßfugen der Keilsteine überdeckten, noch zu erkennen war oder an besser erhaltenen bemalten Nischenbögen im römischen Vicus von Wimpfen 6 (Abb. 11) oder im römischen Gutshof von Mundelsheim (siehe unten) belegt ist. Die Stadt Karlsruhe entschloß sich, die römischen Baureste zu erhalten und in eine Grün­anlage des Schulhofes zu integrieren. Der geplante und im Fundamentbereich bereits begon­nene Schulbau wurde dafür um ca. 40 m weiter nach Nordosten versetzt. Die erhaltenen rö­mischen Baubefunde sind inzwischen restauriert, Fehlstellen kenntlich gemacht, die Wände des Kellers ergänzt und die Nischenbögen rekonstruiert. Bei Tengen-Büßlingen drohte modernes Tiefpflügen römische Gebäudereste, die in allen Karten als römische Siedlung angesprochen waren, zu zerstören, deshalb wurde diese Anla­ge im Rahmen einer Flurbereinigung von 1977-83 untersucht. Es kam ein von einer poly­gonalen Mauer eingefaßter, mit ca. 5,5 ha beachtlich großer römischer Gutshof zum Vor­schein, der neben Hauptgebäude, Tempel und Bad mindestens sechs weitere Bauten besaß, die bis auf zwei in ihren Grundmauern für ein Freilichtmuseum restauriert wurden (Abb 12). Das Hauptgebäude, ein schlichter Rechteckbau mit 10 Räumen, von denen zwei hypokau­stiert waren, nimmt die Mitte der Gutsanlage ein, südöstlich davon liegt ein großer Tempel mit Kultraum und Vorhalle, etwa 30 m weiter folgt das Bad mit zwei Kalt- und zwei Warm­baderäumen sowie einem Heizraum. Die übrigen Gebäude dienten handwerklicher und landwirtschaftlicher Nutzung. Der Gutshof von Tengen-Büßlingen ist mit seinen sieben Gebäudegrundrissen die bisher größte restaurierte römische Gutsanlage in Baden-Würt­temberg.

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