Savaria - A Vas Megyei Múzeumok értesítője 3. (Szombathely, 1965)
István Szövényi: Die Bedeutung der Weinlese im Wirtschaftsleben des alten Kőszeg
DIE BEDEUTUNG DER WEINLESE IM WIRTSCHAFTSLEBEN DES ALTEN KŐSZEG ISTVÁN SZÖVÉNYI Im Wirtschaftsleben unserer alten Bürgerstädte, so auch in dem der Stadt Kőszeg spielte der Weinbau von Anfang her eine wichtige Rolle. Das aus dem Weinverkauf entstandene Einkommen sicherte nicht nur das Wohl des Bürgertums, sondern es bedeutete auch für die Stadtwirtschaft eine wichtige Einnahmequelle. Vertrauenswürdige Angaben über die Grösse der bebauten Weingartenfläche stehen uns erst seit dem 18. Jahrhundert zur Verfügung. Demnach wurde im Jahre 1738 etwa 820 ungarisches Joch grosses Gebiet bebaut, das unter den Inhabern ziemlich unregelmässig verteilt war. Der Grossteil der Produzenten wirtschaftete auf Zwergwirtschaften unter einem Joch. Dieser Kategorie gehörten auch die Nachfolger der Ureinwohner, die „Hauer" (vinicolae= kapások) an, die ausser der Bestellung ihrer eigenen — wenig Ertrag bringenden — Weinbergparzellen auch zur Lohnarbeit bezwungen waren. Selbst die bürgerliche Stadt verügte über ein bedeutsames Weingut, das sich im Laufe der Zeiten mit dem Aussterben mancher Familiern vermehrte. Darausfolgend ist es zu verstehen, dass sowohl die Weinbauer, als auch der Stadtmagistrat die Weinlese jedes Jahr mit grossen Hoffnungen erwartet hatte. Die Trauben wurden in Kőszeg nach hundertjährigen Erfahrungen de 21-sten Oktober, am Ursula-Tag gelesen. Da dieser Zeitpunkt später mit dem Datum des HerbstJahrmarktes zusammenfiel, bestimmte das Wetter und die Qualität der Ernte, ob die Lese vor oder nach dem herkömmlichen Termin begonnen werden sollte. Die Entscheidung beeinflusste im 18. Jahrhundert sogar die Meinung stark, dass der Mondwechsel mit der Veränderung des Wetters zusammenhängt. Deshalb wurde die Lese in der Hoffnung eines besseren Wetters lieber einige Tage verschoben. Andersmal musste die Weinlese infolge des frühen Regenwetters viel früher als gewöhnlich begonnen werden. In den Kriegszeiten war der vorzeitige Beginn der Weinlese im Interesse der Rettung der übriggebliebenen geringen Ernte — infolge der Vernichtungen von streifenden Truppen — sehr wichtig. Unter den Schädlingen erwähnen die Stadtakten die Vögel und die infolge des regnerischen Wetters entstandene Nassfäule. Wir können es trotzdem feststellen, wenn wir die Angaben der 160 Jahre zwischen 1649 und 1820 summieren, dass man von diesem herkömmlichen Termin nur in besonderen Fällen abwich. Die Weinlese fiel in 105 Jahren (65,6%) auf die zweite Hälfte des Oktobers, um den Ursula-Tag. Des Guten Wetters wegen wurde die Überreife in November in 30 Jahren (18,7%) abgewartet. Die Lese wurde dagegen insgesamt 22-mal (13,8%) in der ersten Hälfte Oktobers begonnen, bis die ganz frühe Lese in September nur dreimal (1,9 %) vorkam. Von den akklimatisierten Rebesorten wird der Zierfahndler in den Aufzeichnungen erwähnt (ungarisch: cirfandli = zöldszilváni), der frühzeitig zur Reife kam und vermöge seiner Natur der Ortsbeschaffenheit am besten entsprach. Kálmán Chernél behauptet dagegen, dass die Hauptanlage der Kőszeger Berge — vor dem Vernichtungswerk der Reblaus — der Zapfner war. Den Zeitpunkt des Lesebeginns bestimmten die Mitglieder des inneren und äusseren Rates unter dem Vorsitz des Stadtrichters. Vor dem Beschluss wurde der „electa communitas", einer hundertköpfigen, nach Stadtteilen gewählten Gemeinde Gehör geschenkt, die durch ihre „formunder" (tibuni plebis) ihren Wunsch dem Rat äusserte. 279