Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Max Martin: Awarische und germanische Funde in Männergräbern von Linz-Zizlau und Környe. Ein Beitrag zur Chronologie der Awarenzeit

auf das zweite Viertel des 7. Jahrhunderts. Da sich eine derartige Konzentration ­zeitlich wie mengenmäßig - im Westen und auf nichtawarischem Gebiet weder vorher noch nachher wiederholt, wird man sie am ehesten mit den Unruhezeiten und Umwälzungen nach 626, nach der erfolglosen Belagerung Konstantinopels und dem Ausbleiben der byzantinischen Goldzahlungen, erklären können. „In der Zeit nach 626 machte das Awarenreich eine Phase grundlegender Wandlun­gen durch, die sich schubweise in schweren inneren Krisen äußerten" (POHL 1988, 286). Kurz vor oder nach 626 konnte sich auch, nach einem Aufstand, das sog. Reich des Samo, dessen Zentrum man in Böhmen und Mähren sucht, eine gute Generation lang zwischen den Awaren und dem fränkischen Reich behaup­ten; der Aufstand gegen die Awaren dürfte „weite Gebiete zwischen Karpaten und Alpen" erfaßt haben (POHL 1988,256ff. Zitat: 260). Am ehesten werden awarische Gegenstände, vielleicht sogar Awaren selbst in dieser unruhigen Zeit um und nach 630 an der Traunmündung eingetroffen sein. Der in Linz-Zizlau Grab 74 mit awarischer Lanze, awarischem Köcher und Pfeilsatz beigesetzte Mann war nach erster anthropologischer Untersuchung „wahrscheinlich fremdrassig". Falls diese Bestimmung weiterhin gültig sein sollte (vgl. dazu ZELLER 1977, 80), besäße er gute 120 km donauaufwärts in dem in Moos-Burgstall Grab 35 (Niederbayern) bestatteten Reiter, der wegen seiner „osteu­ropidmongolischen Komponente" ein Aware gewesen sein dürfte, einen Landsmann und zugleich auch Zeitgenossen, gehört doch dessen vielteiliger Gürtel mit Tierstil II­Dekor ins zweite Viertel oder in die Mitte des 7. Jahrhunderts (von FREEDEN 1985, 16ff. DIES. 1987, 523ff. 536ff. 586. 589f 594 und Taf. 30; 31,1-5). Vom „byzantinisch-awarischen" Gürtel in Grab 97 abgesehen (Abb. 4) liegen aus Linz-Zizlau leider keine weiteren vielteiligen Garnituren awarischer Herkunft vor. Der in Moos-Burgstall bestattete Aware hatte interessanterweise einen Gürtel westlicher oder italischer Herkunft getragen. GERMANISCHE UND AWARISCHE GÜRTEL UND WAFFEN IN KÖRNYE Zum Gräberfeld von Környe, dessen westliche und awarische Komponenten im folgenden besprochen werden sollen, schlägt wenigstens der im Zizlauer Grab 74 gefundene rosettengeschmückte Köcher (LADENBAUER-OREL 1960, Taf. 21. 31. 47) eine Brücke. Derartige Köcher sind in Könye gleich neunmal bezeugt (SALAMON u. ERDÉLYI 1971, 52; hinzu kommt Grab 99). Gegenüber dem ohne Metallbesatz auskommenden Köcher scheint der rosettenverzierte im Laufe der frühen Awarenzeit an Beliebtheit zu gewinnen, wie unsere Tabelle der in Kör­nye entdeckten Waffengräber (Abb. 9) 15 vielleicht andeutet. Größeres Interesse dürfen die in dieser Tabelle angeführten, in Környe vertretenen Männergürtel beanspruchen: Dreiteilige Gürtelgarnituren (Formengruppe A) und ihre Träger Aus den Waffengräbern 18,66 und 97 sowie aus den waffenlosen Männergrä­bern 70 und 77 16 liegen tauschierte dreiteilige Gürtelgarnituren - hier als Formen­gruppe A bezeichnet - vor, die wegen der mitgefundenen Waffen (breites zwei­schneidiges Schwert, Sax, Schild) zweifellos von Männern germanischer Abstam­69

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