Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Die Awaren und ihre Beziehungen zu anderen Völkern - Max Martin: Awarische und germanische Funde in Männergräbern von Linz-Zizlau und Környe. Ein Beitrag zur Chronologie der Awarenzeit
mung getragen und ins Grab mitgenommen worden sind, zumal diese Gürtelform, die im Westen Schicht 2 repräsentiert (s. o.), bei den Awaren nicht üblich war. Für drei der vier Gürtel ist gesichert, daß zu den drei Teilen als viertes Element eine relativ breite, ebenfalls tauschierte Riemenzunge hinzukam. An merowingischen dreiteiligen Garnituren sind Riemenzungen nur selten anzutreffen, so etwa im süddeutschen Raum in den Gräbern 446 und 878 von Altenerding (SAGE 1984,128f. 223f. und Taf. 59,21-24; 111,12-15) und in Grab 1 von Niederstotzingen (PAULSEN 1967,181 und Taf. 7,12; 33,1; 34; 84,6) 17 ; bei den italischen Bronzegarnituren dagegen bilden 1-2 Riemenzungen die Regel. Auch nach ihrem Tauschierdekor sind die Környer Gürtel der Form A mit Sicherheit nicht nördlich der Alpen entstanden, selbst wenn bei dieser Gelegenheit auf eine partiell ähnliche, im Norden bisher singulare dreiteilige Garnitur aus Bronze aus einem Männergrab bei Stein (Niederlande) hinzuweisen ist (Abb. 10) (YPEY 1974, Abb. 1-10): Nach seinem runden Schnallenbeschlag gehört dieser Gürtel in das spätere 6. Jahrhundert oder in die Zeit um 600. Noch mehr als Stil und Ausführung des Bandgeflechts erinnern die dazwischen gefaßten Almandinplättchen an die in den Gürtelbeschlägen des Grabes 66 von Környe eingelegten Plättchen aus grünem Glas und aus „Silber und Potin" (SALAMON u. ERDÉLYI 1971,46) 18 . Was den in Környe vorkommenden Tauschierstil betrifft, so sind weiterhin die in Vereçmort (früher Marosveresmart) in den Gräbern 12 und 13 angetroffenen tauschierten Beschlagfragmente (von ROSKA 1934, Abb. 3 D,4; 4 A,2.3; CSALLANY 1961,202f. und Taf. 236,30; 237,2.3), die von dreiteiligen Garnituren stammen werden, als die besten Vergleichsstücke zu bezeichnen. Im dortigen Grab 13, aus dem eine Spatha und ein (auch in Grab 12 vertretener) Schild geborgen wurden, fand sich eine eiserne Gürtelschnalle mit rundem Beschlag (von ROSKA 1934, Abb.4 A,14. CSALLANY 1961, Taf.237,14). Wiederum werden wir in die Zeit um 600 oder ins spätere 6. Jahrhundert verwiesen, wohin übrigens auch die im genannten Grab 77 von Környe mitgefundenen adlerfbrmigen Bronzebeschläge gehören (SALAMON u. ERDÉLYI 1971, Taf. 11,26.27; IX,8.10) 19 . Mir scheint nicht zweifelhaft zu sein, daß wir in Környe - und in Vere§mort Germanen vor uns haben, die in den Jahren vor und um 600 mit ihren germanischen Trutz- und Schutzwaffen bestattet wurden und die Gürtel und Gürteltaschen getragen hatten, wie sie in gleicher (Grund) form und Ausfuhrung zur gleichen Zeit auch im merowingischen Westen üblich waren. Vielteilige Gürtelgarnituren (Formengruppen 2-4 und B) und ihre Träger Im Anschluß an Befund und Analyse des derzeit umfangreichsten awarischen Fundensembles, der Inventare des über 700 Gräber zählenden Friedhofs von Alattyán, werden im folgenden drei Zeitabschnitte unterschieden, deren archäologische Materialien (Stufeninhalte) denen der drei „chronologischen Gruppen" entsprechen, die I. KOVRIG 1963 für Alattyán herausgearbeitet hat (Abb. 11.12) 20 : Die dortige 1. Gruppe gehört der (anderswo durch gleiche und verwandte Funde besser faßbaren) frühen Awarenzeit an (FA). Die erheblich reichhaltigere 2. Gruppe repräsentiert die mittlere (MA), die 3. Gruppe die späte Awarenzeit (SPA) 21 . Nicht vertreten unter den zahlreichen Männergürteln aus Környe sind einerseits Gürtel meiner Formengruppe 1, der ich sowohl die gegossenen sog. Masken70