Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die awarischer Kultur - Falko Daim: Das Gräberfeld von Zillingtal. Die Grabungen 1985–89

ursprünglich um Gürtelbeschläge. Auch die feinen Lochungen an den Ecken hän­gen wohl mit dem Wiedergebrauch zusammen. An der linken Hand trug die Frau einen Bronzering mit blauem Stein und silberner Fassung. Beim linken Ellbogen fand sich ein roter, scheibenförmiger Spinnwirtel, beim rechten Oberschenkel ein grauer, doppelkonischer. Eine kleine, fragmentierte Eisenschnalle wurde in der Beckenmitte freigelegt, Eisenreste bei der rechten Handwurzel und unter dem rechten Unterschenkel. Bei den Füßen war ein kleines Tongefaß abgelegt worden sowie offenbar ein Rindfleischstück, von dem der Knochen, ein Femurschaft (Grefen-Peters 1985/86) erhalten geblieben ist. Eine kombinationsstatistische und belegungschronologische Analyse des Friedhofes nach dem Abschluß der Gra­bungsarbeiten wird vielleicht eine genaue zeitliche Bestimmung des mittleren Alters der Objekte und der Grablegung ermöglichen. Vorläufig läßt sich ver­muten, daß es der Mittelawarenzeit II angehört, wobei die beiden Greifenbleche etwas älter sind, wohl in der Mittelawarenzeit I erstmals verwendet wurden. Die beiden Stücke entsprechen jedenfalls gut den bereits bekannten Gürtelbeschlä­gen, die in Preßblechtechnik mit Vierfüßern oder Greifen verziert sind. Eine der Bedeutungen des Inventars liegt in der Vergesellschaftung mit den sekundär verwendeten Greifenbeschlägen (Daim 1989). Der Verdacht liegt nahe ­und eine Anzahl von byzantinischen Schnallen stützt die These -, daß die Awaren den Greif und ähnliche Tiere als Folge der byzantinischen Anregung zu Dekora­tionszwecken heranzogen. Die byzantinischen Vorbilder werden sehr rasch adap­tiert, dem lokalen Geschmack und dem awarischen Harmonieempfinden ange­paßt. Die Tierkampfszene der Spätawarenzeit II, in der zwei Greifen und das Beu­tetier entsprechend einer Blattranke angeordnet, also einem Kompositionsprinzip folgend in einer „unorganisch"-lebensfremden Haltung dargestellt sind, ist bei­spielsweise eine Eigenschöpfung der Awaren. Bei der Übertragung des Greifen­motivs könnten byzantinische Gürtelschnallen und -beschläge eine wichtige Rolle gespielt haben, insbesondere kamen gegossene Schnallen mit Vierfüßern und wohl auch mit Greifen dekoriert in das Awarenland. Zwei Generationen lang stellte dann der Greif das Lieblingsmotiv der Awaren dar. Vermutlich als Folge einer Entwicklung der Wirtschaftsstruktur, von Bergbau, Handwerk und Handel, kam es am Beginn der Spätawarenzeit zur Durchsetzung des Bronzegusses für die Herstellung awarischer Gürtelbeschläge und es scheint nicht unwahrscheinlich, daß dabei der byzantinische Import zumindest einen zusätzlichen Impuls gegeben hat. Als letztes soll das vielleicht späteste Grab der Kampagnen 1985-88 kurz erwähnt werden: Grab 124 enthielt ebenfalls das Skelett einer Frau. Sie trug unter anderem Blechbommelohrgehänge, eine Kette aus gelben und schwarzen Hirse­kornperlen sowie einer schwarzen Perle mit gelben Fadenauflagen und gelben Augen und zwei rundstabige Bronzearmreifen. An den Fingern fanden sich insge­samt vier Fingerringe: zwei längsgeriefte Blechfingerringe, davon einer mit einer kleinen, ovalen Platte, ein massiver, wohl kaiserzeitlicher, mit ovaler, aufgebörtel­ter Platte, die ursprünglich wohl einen Stein getragen hat, und ein schmaler Schildchenfingerring mit eingeschlagener Zier. Das Inventar ist insoferne von siedlungshistorischer Bedeutung, als es zeigt, daß die schmalen, rhombischen Schildchenfingerringe spätestens am Ausklang der Mittelawarenzeit in Gebrauch gekommen sind. Die Vordatierung mancher slawischer Fundkomplexe, die Erik Szameit vorschlägt, wird so auf willkommene Weise untermauert. Nach der Vor­lage seiner beiden wichtigen Arbeiten zu den karolingischen Waffen in Österreich 158

Next

/
Oldalképek
Tartalom