Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die awarischer Kultur - Falko Daim: Das Gräberfeld von Zillingtal. Die Grabungen 1985–89

beschäftigt sich Szameit nun mit der Datierung der donauslawischen Gräberfelder in Österreich (Szameit 1991). Er berücksichtigt die gesicherten Datierungsansätze insbesondere für die blauen Mosaikaugenperlen sowie die Verzahnung der slawi­schen Frauengrabinventare mit dem awarischen Material und zeigt, daß in unse­rem Raum etwa mit dem Beginn der Spätawarenzeit (gegen 700) zunächst spär­lich, wohl im letzten Drittel des 8. Jahrhunderts bereits flächendeckend, außer­halb des awarischen Siedlungsgebietes Friedhöfe entstehen, die den Donausla­wen zugerechnet werden können. Das früheste derartige Gräberfeld in unserem Raum ist das aus Pitten, das offenbar bald nach 700 angelegt wird (Friesinger 1975­1977). Die Situation in den Randbereichen des Wiener Beckens dürfte daher der in Oberösterreich vergleichbar sein, wo mit dem Friedhof von Gusen ein guter Beleg für eine frühe slawische Siedlung vorliegt (Tovornik 1985). Die zeitgleichen karan­tanischen Fundkomplexe stellen sich hingegen insoferne substanziell anders dar, als hier die besser ausgestatteten Männergräber die Repräsentation mit komplet­ten und offenbar neuen awarischen Gürtelgarnituren zeigen, was im donauslawi­schen Bereich bislang nicht beobachtet wurde. Für die Bestimmung und Auswertung der Skelettmaterialien und Tierkno­chen konnte Frau Dr. Silke Grefen-Peters (TU Braunschweig) gewonnen werden, die ihre Dissertation über das Gräberfeld von Leobersdorf, Niederösterreich, ver­faßt hat (Grefen-Peters 1987). Eine Provisorische Bestimmung der 1985 geborge­nen Knochenmaterialien ergab auffallende Ähnlichkeiten der Population mit der von Leobersdorf, was mitnichten selbstverständlich ist, da gerade in dieser Zeit die Bewohner verschiedener Siedlungen auffällige Unterschiede zeigen. Zusammenfassend kann die archäologische Untersuchung des Awarengrä­berfeldes von Zillingtal schon heute als Erfolg bezeichnet werden, wenngleich endgültige Ergebnisse erst im Zuge der Auswertung nach dem Abschluß der Gra­bungen erzielt werden können: 1. Es handelt sich wohl um den größten Awarenfriedhof Österreichs. Bislang sind rund 440 Gräber erschlossen. Nach einer Hochrechung auf der Basis des aktuel­len Grabungsplans könnte das Gräberfeld gut 700 Gräber umfassen und wäre damit etwa so groß wie der Friedhof von Wien 11 - Csokorgasse. Für kombina­tionsstatistische Untersuchungen ist eine breite Datenbasis Grundvorausset­zung. 2. Das Gräberfeld enthält die ältesten ungestörten Awarengräber Österreichs. Es ist zu vermuten, daß in Zillingtal eine Siedlungskontinuität von etwa 600 zumin­dest bis zu den Awarenkriegen gegen 800 besteht. 3. Die Bestattungssitten zeigen auffallende Veränderungen am Ende der Frühawa­renzeit oder im Verlauf der Mittelawarenzeit. Die möglichen kulturhistorischen Interpretationen sind noch herauszuarbeiten. 4. Es handelt sich um das bislang einzige awarische Gräberfeld mit bekannter zugehörender Siedlung im heutigen Österreich. Vor allem der Vergleich von Fundmaterialien aus Friedhof und Siedlung wird sozial- und wirtschaftshisto­rische Aussagen möglich machen. LITERATUR Margit Bachner (1985): Das awarische Gräberfeld von Münchendorf, Niederösterreich. In: Herwig Friesinger-Falko Daim, Die Bayern und ihre Nachbarn II (Veröffentlichungen der Kommission für 159

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