Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Die awarischer Kultur - Zlata Čilinská: Die awarenzeitlichen Frauengräber mit Pfederbestattung in der Slowakei
Frauen-Reiterinnen aus diesem Gräberfeld gehörten. Ihre Grabausstattung war relativ durchschnittlich, eher ärmlich, nach welcher man sie nicht auf die gleiche Gesellschaftsstufe stellen kann, wie die Männer auf dem Gräberfeld in Holiare mit verziertem Gürtel und Hiebwaffe. Die soziale Stellung der Frauen-Reiterinnen zu präzisieren, ermöglichte die Verfolgung der Unterbringung ihrer Gräber auf dem Gräberfeld nicht. Die wenigen Gräberfelder, auf denen diese Gräber entdeckt wurden, von denen drei in Komárno nur teilweise untersucht wurden, erlauben keine Realisierung einer horizontal-stratigraphischen Analyse, aus der reale Schlüsse gezogen werden könnten. Allgemein kann konstatiert werden, daß sich auch allen drei Gräberfeldern in Komárno die Frauen-Reiterinnen in den Gruppen mit Männerreitergräbern befinden (CILINSKÁ1982, Abb. 5-6; TRUGLY 1987, Abb. 14). Anders verhält es sich auf dem vierten Gräberfeld, in Holiare, wo sich in der Gruppe der Reitergräber nur das Frauengrab 98 befindet (TOCÍK 1968, Gräberfeldplan). Die anderen beiden Gräber liegen alleinstehend zwischen Nichtreitergräbern (TOCÍK 1968, Gräberfeldplan). Beim Frauenreitergrab 710 sind zwei Frauen mit Silberohrringen bestattet, die auch das Grab 710 datieren, in welchem sich kein datierbares Inventar befindet. Neben diesem Frauenreitergrab liegt das Frauengrab 666 (TOCÍK 1968, Taf. 81: 10), in welchem ähnliche Kopf- oder Haubenzier wie im Reitergrab 710 gefunden wurde. Diese im pertraktierten Gebiet in zwei nebeneinander situierten Gräbern gefundene seltene Kopfzier verweist sicherlich auf die Zusammengehörigkeit oder Verwandtschaft beider Frauen, von denen eine mit Pferd, die andere ohne, bestattet ist. Das Vorkommen von Frauenreitergräbern in der Südslowakei läßt sich seit dem Belegungsbeginn der Gräberfelder aus der Zeit des awarischen Kaganats verfolgen. Am ältesten ist das Grab 710 aus Holiare, das in die Mitte des 7. Jh. gereiht werden kann. Weitere zwei Gräber dieses Gräberfeldes gehören in das beginnende 8. Jh. (TOCÍK 1968,7). In die Mitte und in die zweite Hälfte des 8. Jh. sind alle Frauenreitergräber der Gräberfelder in Komárno einfugbar (CILINSKÁ 1982, 368; TRUGLY 1987, 294-297). Das heißt, daß während der ganzen Belegungszeit sporadisch auch Frauen mit Pferd bestattet wurden. Aus dieser Zeit kommen Frauenreitergräber auf Gräberfeldern Osteuropas und Asiens vor, überall dort, wo Männerreitergräber gebräuchlich waren. Die Unterbringung des Pferdes oder seiner Teile (Schädel, Extremitäten) in das Grab war im ersten Jahrtausend für viele Stämme und Völker Osteuropas und Asiens charakteristisch (GENING - CHALIKOV 1964,80). Doch auch aus diesem Gebiet werden Frauenreitergräber nur vereinzelt angeführt, und das gewiß infolge nichtentsprechender Grabungen in den vorangehenden Jahrzehnten, einer oberflächlichen Dokumentation und nur sporadischer anthropologischer Analysen, die sicherlich keine günstigen Bedingungen für die Untersuchung von Frauenreitergräbern schufen. Die bisherigen bruchstückhaften Erkenntnisse erlauben es, die Frauenreitergräber aus dem Osten in zwei Gruppen einzuteilen. In der ersten legte man nur einen Teil des Pferdes in das Grab, und zwar das Fell mit Schädel und Extremitäten, resp. nur den Schädel und die Extremitäten. Räumlich ist diese Gruppe namentlich in Osteuropa verbreitet. Auf dem Gräberfeld der weide-bäuerlichen Bevölkerung in Mydlan-saj (Südrand der Waldzone des europäischen Nordens der UdSSR) deckte man nur in Gräbern reicher Individuen, also auch der Frauen, Pferde-Teilbestattungen ab (GENING 1962, 82). 138