Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)
Die awarischer Kultur - Zlata Čilinská: Die awarenzeitlichen Frauengräber mit Pfederbestattung in der Slowakei
Vereinzelt kommen Pferdeteile auch in Gräben der Lomovatovo-Kultur vor, die sich im 7.-8. Jh. im Kama-Gebiet erstreckte. Eine wichtige Quelle ist für uns das Gräberfeld in Nevolino (ERDÉLYI - OJTOZI - GENING 1969), auf welchem sich die bedeutende Rolle der Frau in der Gesellschaft widerspiegelt (dortselbst 1969, 56). Die reich verzierten Gürtel (mehr als die der Männer), zahlreicher Zierat, die relativ niedrige Zahl von unbegüterten Frauen (dortselbst 1969,57,71,80) belegen dies zweifellos. Bei manchen Frauen fand man Pferdeteile und bei ihnen nur die Trense, zum Unterschied von den Männerreitergräbern, in denen der Sattel und die Steigbügel lagen (dortselbst 1969,70). Der Unterschied in dieser Ausstattung ist gewiß nicht zufällig und hängt mit dem unterschiedlichen Nutzungszweck des Pferdes zusammen. Die zweite Gruppe bilden Frauenreitergräber, in denen sich neben der Frau ein ganzes gesatteltes Pferd befindet. Ihr Vorkommen erstreckt sich vor allem auf Mittel- und Zentralasien. Repräsentanten dieser Gräberfelder sind die Hügelgräberfelder im Altai (GAVRILOVÁ1965). Sie sind mit genügender Dokumentation publiziert, so daß auch die Frauenreitergräber verfolgt werden können. Die Reiterinnen besaßen Bronze- und Silberschmuck, Halsbänder, Nadelbehälter, eine Trense, Messer und unverzierte Gürtel. An ihrer linken Seite lag in umgekehrter Orientierung ein gesatteltes Pferd mit bescheiden verzierter Schirrung. Gewöhnlich erhielten sich Sattelreste, Steigbügel und Trense. Die angeführten Frauenreitergräber aus Osteuropa und Asien sind mit den Gräbern aus dem Gebiet nördlich der Donau zeitgleich, sie gehören jedoch mit ihnen weder zum gleichen kulturellen, noch ethnischen Bereich. Es handelt sich um eine in verschiedenen Gebieten voneinander unabhängige Erscheinung, und ihre Erklärung liegt im ideologischen Bereich, in welchem sich die soziale Stellung der Reiterinnen niedergeschlagen hat. Im Hinblick auf ihre kleine Zahl ist ihre außergewöhnliche Stellung anzunehmen, die heute noch nicht präzis spezifiziert werden kann. Die archäologischen Quellen sind nicht ausreichend. Das Fehlen von Waffen spricht ausdrucksvoll gegen eine direkte Beziehung dieser Frauen zu Militäreinheiten. Sie sind auch nicht als Opfer zum Gedenken des umgekommenen Kriegers zu verstehen. So charakterisiert S. A. Pletneva das Frauenreitergrab in Dimitrivka, in welchem eine getötete Frau mit Pferd, Ausrüstung und Bewaffnung bestattet war (PLETNEVA 1967, 94). Die Tracht der Reiterinnen wich in ihrer Zusammensetzung nicht von der Tracht der übrigen Frauen ab. Der Unterschied zwischen ihnen beruhte etwa in der ungleichen Beschäftigung. Hypothetisch kann vorausgesetzt werden, daß sich die Reiterinnen nicht mit der charakteristischen Frauenarbeit befaßt haben (Spinnen, Nähen, Weben), aus diesem Grunde waren sie auch nicht mit solchen Beigaben, wie Spinnwirtel, Nadelbehälter, Nadeln, in das Jenseits ausgestattet. Ihre Tätigkeit überschritt sicherlich den Rahmen der Hausarbeiten, wenn auch nur in einer bestimmten Zeit, z. B. während der Abwesenheit des Mannes (ERDÉLYI 1982, 195). Die archäologischen Quellen ermöglichen einstweilen keine Lösung dieses Problems. Einen gewissen Beitrag werden die Gräberfelder in Kosice-Sebastovce und Valaliky-Vsechsvätych nach ihrer Veröffentlichung bedeuten, auf denen anthropologisch auch Frauenreitergräber festgestellt wurden. Es handelt sich nämlich um Gräberfelder aus einer anderen geographischen Gegend, die, wie es die bisherigen Erkenntnisse zeigen (BUDINSKY-KRICKA 1978, 57-58; BÉRES 1984, 40, 41), eine komplizierte soziale Gesellschaftsordnung belegen. Es 139