Vadas Ferenc (szerk.): A Wosinszky Mór Múzeum Évkönyve 15. (Szekszárd, 1990)

Die awarischer Kultur - Zlata Čilinská: Die awarenzeitlichen Frauengräber mit Pfederbestattung in der Slowakei

Grabräuber wertlos waren. Anders verhielt es sich mit dem Schmuck und weite­ren Metallgegenständen, welche entweder als fertiges Erzeugnis oder als Rohstoff von Wert waren. Schmuck und Zierat wurde in fünf Gräbern gefunden. Zwei Goldohrringe verblieben im ausgeraubten Grab 7 in Komárno-J. Váradi-Gasse, je zwei Bronzeohrringe in Holiare in den Gräbern 98 und 647. Aus zwei Gräbern (Komárno-Schiffswerft, Grab 81, Holiare Grab 710) stammen Perlen. In der Komárno-Schiffswerft (Grab 81) wurde eine ungewöhnlich wirkungsvolle zweitei­lige vergoldete Bronzeagraffe, mit Halbedelsteinen verziert, gefunden. In Holiare, im Grab 710 fand man röhrchenförmige Kopfzier, resp. eine Haubenzier, die auf zeitgleichen Gräberfeldern eine Ausnahme darstellt. Drei einfache Bronzefinger­ringe ergänzten den Frauenschmuck im angeführten Grab. Zwei Messer in den Gräbern in Komárno-J. Varádi-Gasse (Gräber 7 und 28) und eine eiserne und bronzene Gürtelschnalle aus Grab 7 derselben Fundstelle, ergänzen die Fundkol­lektion der mit Pferd bestatteten Frauen. Beachtenswert ist das Fehlen solch typischer Attribute in Frauengräbern, wie Spinnwirtel und Nadelbehälter. Nur in Holiare, im Grab 98, fand sich das Frag­ment eines doppelkonischen Spinnwirteis (TOCÍK1968,26). In den übrigen Rei­tergräbern fehlten sie, bestimmt nicht infolge des Ausraubens, denn es ist unwahr­scheinlich, daß diese Gegenstände Grabräubern zum Opfer gefallen wären. Durch Ausrauben ist jedoch das Pferdegeschirr gekennzeichnet. Die erhalte­nen Teile, die wahrscheinlich der Aufmerksamkeit der Grabräuber entgangen waren, und die nicht zerstörten Gräber zeugen davon, daß die mit Frauen bestat­teten Pferde gesattelt waren, ihre Schirrung gerade so verziert war wie in den Män­nergräbern. Der vergoldete Bronzezierat des Typs, den man in den reichsten Män­nergräbern vorfindet ist gewiß keine zu übergehende Tatsache beim Studium der Position dieser Frauen in der Gesellschaft. Leider müssen wir konstatieren, daß es nur hypothetisch möglich ist, die Stel­lung der Frauen-Reiterinnen zu bestimmen. Die Aussagefähigkeit des Inventars in den bisher gefundenen Gräbern ist niedrig und unsere Forschung ist auch durch das vorausgesetzte Fehlen des ausgeraubten Inventars in den zerstörten Gräbern bedingt. Ein gewisser Ausweg könnte einstweilen die Tatsache sein, daß sich die Frauenreitergräber auf Gräberfeldern befinden, die sozial abweichende Typen darstellen (TOCÍK1963, 602). Die Gräberfelder in Komárno gehörten zweifellos Angehörigen der militärischen Eliteeinheiten (CILINSKÁ1978,125-135) aus den Reihen des niederen Adels, welchem Rang auch die mit Pferd bestatteten Frauen angehörten. Das Inventar aus diesen Gräbern bestätigt dies vollauf. Die Goldohr­ringe und sechs Phaleren auf der Pferdeschirrung in einem Grab, oder prächtiger vergoldeter Zierat auf der Pferdeschirrung in einem anderen Grab von Komárno, weiter die mit Halbedelsteinen verzierte vergoldete Agraffe, aber auch das Pferd selbst, dessen Preis nicht niedrig war, sind genügende Beweise über die Zugehö­rigkeit der Frauen zur höheren Gesellschaftsschicht. Einen anderen Typ vertritt das Gräberfeld in Holiare. Hier hatte weide-bäuer­liche Bevölkerung ihre letzte Ruhestätte. Einige Männergräber mit Gürtelgarnitu­ren und Hiebwaffen deuten auf eine fortschreitende soziale Aufschichtung, die auch Frauen betraf. Ohrringe, Armringe, Fingerringe, Agraffen, Nadelbehälter, Spinnwirtel und weiteres Inventar in den Gräbern mancher Frauen zeugen von ihrer Zugehörigkeit zur höheren sozialen Schicht, zu welcher aber nicht die drei 137

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