Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 12. (Szekszárd, 1984)
Zalai-Gaál István: Neolithische Schädelbestattungs- und Menschenopfer-Funde im Komitat Tolna, SW–Ungarn
36 Zeitperioden untersucht werden, nicht nur chronologisch, sondern auch im Raum. Deshalb werden die Analogien der südosteuropäischen, ostmediterranischen und kleinasiatischen Gebiete nicht ausser Acht gelassen. Im erster Teil werden die paläolithischen und mesolithischen, mit den besprochenen Fragen in Beziehung stehenden Funde aus Europa behandelt und analysiert. Nachdem die bekannten und publizierten neolitische und kupferzeitliche Funde aus West-, Mittel-, Südost-Europa, aus dem Ost-Mediterraneum und Kleinasien im zweiten Teil vorgefürt worden sind, werden die folgenden festgestellt: Die besprochenen Menschenreste schliessen die Möglichkeit gewöhnlicher Bestattungen aus. Die Erscheinung der Deponierung von Schädeln tritt schon am Anfang des auropäischen Frühneolithikums auf. Abgesehen von den Schädelbestattungen von Prodromos (Erscheinungen von kleinasiatischem Charakter) können wir diesen Brauch, zuerst in der Starcevo- und der Körös-Kultur beobachten: Die Funde von Obre I, Kopancs-Zsoldos-Gehöfte und Óbessenyő bewiesen das. Diese Funde kamen als selbstständige, isolierte Objekte aus Gräbern, also nicht neben Skeletten, zum Vorschein. Die besprochenen Funde der Starcevo- und der Körös-Kultur können wir als Schädelbestattungen bestimmen. Die Frühneolithischen Schädelteilfunde aus Zelina Pecina und Vinca (Starcevo-Kultur) und aus Grumazi§te (Cri§-Kultur) machen keine genaueren Folgerungen möglich. Im Fall des Fundes von Gorzsa (Körös-Kultur) meinen auch wir, dass es hier nicht um eine gewöhnliche Bestattung geht; das anthropomorphe Gefass mit den angebrannten Schädelteilen eines kleinen Kindes deutet klar auf den Opfer-Charakter des Befundes hin. Angebrannte Kinderknochen kamen auch aus dem frühneolithischen Niveau von Teil Azmak (Karanovo-I-Kultur) zum Vorschein; einen ähnlichen Fund kennen wir aus den frühneolithischen Schichten von Vinca: In diesen Fällen kann man nicht über Brandbestattung sprechen, weil sie zu jener Zeit noch nicht gebräuchlich war. Die Knochenreste in Teil Azmak, Vinca und Gorzsa lagen in Tongefassen. Pithosgefässe wurden auch in den, im Vergleich zum Körös-Kultur etwas älteren südosteuropäischen Fundstellen gefunden, so in Nea Nikomedeia, Tsangli, bzw. an der Fundstelle der Starcevo-Kultur von Anza. In diesen Fällen wurden in den Gefässen meistens Kinder deponiert. Die Verwendung der Tongefässe für solchen Zweck gelangte ins Karpatenbecken, dann weiter nach Mitteleuropa aller Wahrscheinlichkeit nach aus SO-Europa (bzw. aus dem Nah-Osten), mit der Übertragung der Starcevo-und der Körös-Kulturen, die zur Ausbildung des Neolithikums in Mitteleuropa den schlaggebenden Impuls gegeben hatten. Die Pithosbestattungen sind nicht einmal in der griechischen neolithischen Fundstellen oft vorkommend, dieser Brauch ist nur in der frühhelladischen Periode im griechischen Festland und auf den Inseln, in Kleinasien und manchmal auch im Nah-Osten allgemein geworden. Im Frühneolithikum des Karpatenbeckens ist es ebenfalls merkwürdig, dass sowohl angebrannte Menschenknochen aus Tongefassen, als auch unmazerierte Schädel aus Gräbern zum Vorschein gelangten. So nehmen wir hinter den zweierlei Erscheinungen in den Fällen der Befunde der Starcevo-und der Körös-Kultur zweierlei Herkunft an. Die Deponierung menschlicher Schädel in Tongefassen war auch beim Volk der mitteleuropäischen Linearkeramik gebräuchlich, dafür haben wir eine Angabe aus Quedlinburg. In Zauschwitz, Hanau, Lösskuppe bei Lobositz, Dresden-Cotta und Frankfurt-Praunheim wurden die Schädel nicht in Gefässen, sondern einfach 38