Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 12. (Szekszárd, 1984)

Zalai-Gaál István: Neolithische Schädelbestattungs- und Menschenopfer-Funde im Komitat Tolna, SW–Ungarn

ISTVÁN ZALAI-GAÁL: Neolithische Schädelbestattungs-und Menschenopfer-Funde aus dem Komitat Tolna, SW-Ungarn Zur Erforschung der neolitischen kultischen Vorstellungen und der damit verbundenen Kulthandlungen und Riten haben wir im Laufe der Ausgrabungen der letzteren Jahren im Komitat Tolna neuere Funde gewonnen. In Mórágy-Tűzkődomb (Mórágy-Feuersteinhügel) gehören 50 Gräber der aufgedeckten Bestattungen zu einer Grabgruppe (die etwa 70% aufgelegt wurde). Die Grabkeramik stammt aus der letzten Periode der Frühphase der spätneolithi­schen Lengyel-Kultur. Am südwestlichen Rand der Grabgruppe, in der Nähe des Grabes 11. (Abb. 1.) stand ein Fusschüssel mit Rotbemalung, deren Schüsselteil zwar vom Druck der Erde zerstört, sonst aber in einem Stück geblieben war. Auf der rechten Seite des Schüsselteiles lag ein, vom Erddruck zerbrochener Schädel eines Kindes, das­nach der Feststellung von Zs. ZOFFMANN-allerhöchstens 1 Jahr alt war. Nach den Untersuchungen von I. LENGYEL gehörte der Schädel zu einem weiblichen Individuum. Nach den Fundumständen ist die Fuschüssel mit dem Säuglings­schädel ein selbstständiges Objekt der Grabgruppe. Sie weicht von den anderen Bestattungen darin ab, dass hier nur ein Schädel, bzw. ein Kopf bestattet wurde, oh­ne andere Körperteile. Es wird angenommen, dass man hier mit einer Schädelbes­tattung zu tun hat, und zwar eine solche Teilbestattung, die auf ein Menschenopfer bzw. Kinderopfer hindeutet. Der zweite Fund im Komitat Tolna kam in Szakály-Rétifóldekzutage, wo unter anderen auch einige lengyelzeitliche Gruben gefunden wurden. In einem kleinen, grauen, dünnwandigen Topf mit Buckelverzierung lagen angebrannte Schädel­stücke eines Kindes, das-nach ZOFFMANN' s Bestimmung -1-6 Jahre alt war. Im Gefäss wurden nur die Hirnschädelstücke deponiert. In unserer Arbeit beschäftigen wir uns mit diesen sonderbaren, aber keines­wegs alleinstehenden Erscheinungen und mit den damit verbundenen Kulthand­lungen: Die Funde werfen solche Fragen auf, die einerseits mit dem Scädelkult, bzw. mit den Kopf-und Teilbestattungen in Beziehung stehen, anderseits die Fra­gen des Menschenopfers, der Aufopferung von Kindern. Das Thema gehört im breiteren Sinn zu den Gefass-bzw. Pithosbestattungen. Chronologisch sind Anga­ben und Funde aus mehreren Perioden bekannt. In dieser Arbeit werden die mittel­europäischen Funde, bzw. die aus dem Karpatenbecken betont, es müssen aber auch die Befunde der dem Neolithikum vorangehenden und danach folgenden 37

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