A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 11. - 1968 (Nyíregyháza, 1969)

Sz. Muraközi Ágota: Die Beziehungen zwischen den Bauernmalern und der Volkskunst

In der Zwischenzeit der zwei Weltkriege verkündigten in Ungarn die — als Naturtalente jóstehetségek') benannten —- Bauermaler gemeinsam mit den Bauern Schriftstellern die Notwendigkeit der Umgestaltung der zerfallenden unga­rischen Bauerngesellschaft. Die Naturtalente trieb der unbewußte oder der weniger bewußte Wunsch des Emporsteigens. Als Gegenteil der namenlosen Meister der Volkskunst, meldeten sie sich als persönliche Schöpfer. Statt gezierter Gebrauchs­gegenstände, verwirklichten sie schon selbstständige Kunststücke. In der traditionellen bäuerlichen Kultur drückte die schöpferische Persönlich­lichkeit den Gesamtgeschmack und den Anspruch der ganzen Kollektive aus. Die individuellen Einfälle beugten sich im Rahmen des Geschmackes der Gemein­schaft, es bedeutete die Ehre und Strenge Aufbewahrung der Traditionen. Mit der Auflösung der bäuerlichen Kultur zerfiel die Gemeinschaft auf einzelne Indi­viduen. Das Individuum schmolz schon nichtmehr in die Gemeinschaft. Wenn in ihm der Wille des Schaffens genug stark war, so konnte er Künstler werden, aber direkt inspirierte ihn die zerfallende Gemeinschaft nichtmehr. Wie die Volkskunst ihren inneren Inhalt verliert und eine dekorative Hülle veralterter Formen wird, so entsteht im Gegenteil in den Werken der Bauernmaler der unwillkürliche Schaffensdrang. Die traditionellen Ausdrucksformen, Motive, binden den Schöpfer nicht. Zum Ausdrücken verwendet er schon die Mittel der hohen Kunst (Leinwand, Holzfaserplatte, Pinsel, Ölfarbe, u.s.w.). In den Werken der Bauernmaler entstanden wieder die Gedächtnisbilder der Kinderzeit, die Alltage des Dorflebens, die sich jahreszeitlich ändernde landwirt­schaftliche Arbeit, die festlichen Gebräuche, die charakteristischen Figuren des Dorfes. Die Natur wird mit dem in der Natur handelnden Menschen in inniger Einheit dargestellt. Man folgt den kollektiven ästhetischen Normen, als man auf dem Bild den ästhetischen Wert nicht an und für sich und nicht das Abstrakte darstellt, sondern das Natürliche. Schön sind: die kräftige weibliche Figur und das bearbeitete Feld, weil sie nützlich sind. Im traditionellen bäuerlichen Leben existieren die Menschen nicht als Individuen. In den Darstellungen der Bauern­maler zerteilt sich die Masse ebenso nicht auf Individuen, sie sondern sich nach Alter und Geschlecht als entsprechende Typen ab. Auf die bäuerliche Anschauung ist die Projektion der Zeit in den Raum charakteristisch. Diese Anschauung zeigt sich bei dem Bauernmaler, als er alle Phasen der Weinlese oder der Jagd auf einem einzigen Bild darstellt (Elek Győri: „Tokaji szüret" — tokajer Weinlese; János Gajdos: „Téli vadászat" — Jagd im Winter). In dem engbegrenzten Leben hätten die Bauern außer ihren Gebrauchsgegenständen kaum echte künstlerische Werke kennenlernen können. Vor dem Bauernmaler standen wenig nutzbare Vor­bilder, sie mußten sich ihre Formenwelt selbst ausbauen (Provinziale Werke der bildenden Kunst in Dorfkirchen, Kalender, Öldrucke die man im Markt verkauft, Kitschgemälde —• bedeuteten für sie ein ästhetisches Erlebnis). Auf das an der traditionellen Volkskunst geschliffene Schönheitsgefühl des Bauerntums wirkten die Produkte der städtischen Kultur mit ihrem seichten Geschmack schädlich. * Den Kollektivgeist des traditionellen bäuerlichen Lebens bewahrten die Bauernzeichner am vollendeten, obwohl ihr Schaffen aus selbständigen Zeichnun­gen besteht, die den Ausdrucksformen der Volkskunst abweichen. Ihre Darstellungs­weise ist primitiv, sie tragen solche allgemeine elementare Eigentümlichkeiten an sich, welche formell mit zahlreichen frühen Etappen der Kunstgeschichte und 199

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