A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 11. - 1968 (Nyíregyháza, 1969)
Sz. Muraközi Ágota: Die Beziehungen zwischen den Bauernmalern und der Volkskunst
DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN DEN BAUERNMALERN UND DER VOLKSKUNST Representative Monographien interpretieren die Meister der naiven Kunst aus allen Landschaften der Welt. Ungarn fehlt leider aus den meisten, obwohl in den dreißiger Jahren das auf Sensationen hungernde Zeitalter sie auch hier entdeckt hat und ihnen Erfolg versprach. Sie kamen als Naturtalente' (= őstehetségek) in das allgemeine Bewußtsein, und waren meistens Schöpfer bäuerlichen Ursprungs. Die Kunst und Kritik dieses Zeitalters konnten sie nicht auf ihren geeigneten Platz stellen. Unsere Kunsthistoriker widmen auch seither den naiven Künstlern einen Nachruf, es kam aber noch keine bewertende, zusammenfassende Arbeit in Druck. Die Analyse dieses bäuerlichen, dörflichen Zweiges der naiven Kunst ist der Aufmerksamkeit der ungarischen Ethnographen entgangen, obwohl ihr Existieren eher eine kulturhistorische und ethnographische Analyse braucht, als eine Zergliederung nach Normen der hohen Kultur. Als wir auf unseren Wegen Material suchten, lernten wir die Werke naiver Meister in Museen kennen, und wir besuchten die noch lebenden Künstler. Zahlreiche ihrer bisher verborgenen Gemälde gelang uns während unserer ethnographischen Sammlungswege in den Dörfern zu entdecken. Die Datengeber bezeugten über das Leben der Schöpfer, über die bei ihnen aufbewahrten Gemälde mit einer erlebnisreichen Glaubwürdigkeit. Man hat interessante Daten zur Analyse der Gestaltung des bäuerlichen Geschmackes geliefert. Bei den Gesprächen mit den naiven Künstlern haben wir schaffungspsychologische Beobachtungen gemacht, die zu den in unserer Heimat laufenden Individuumanalysen neuere Angaben geliefert haben. * Die am Ende des 19-ten und am Anfang des 20-sten Jahrhunderts auftretenden naiven Künstler sind die Nachfolger jener namenlosen Meister, die in früheren Zeiten die Statuen des Kreuzweges schnitzten, die Gemälde der provinzialen Kirchen anfertigten, die auf Schäferstöcke schnitzten oder am Markt eventuell am Kirchtag ihre Bilder anboten. Es waren unter ihnen echte Talente, aber auch Pfuscher. Im Zeitalter der Handfertigkeit fanden diese Leute ihre Wirkungsmöglichkeiten in den Zünften, als Gewerbetreibende, oder in den Bauerngemeinschaften als Tausendkünstler, gewandte Bastler. Das Handwerk wurde durch die sich entwickelnde Großindustrie verkümmert, die traditionelle bäuerliche Kultur fiel auseinander und die moderne Zivilisation der Stadt formte das Leben um. Natürlich gab es auch später solche künstlerisch begabte Leute, die mit der Sprache des Bildschaffens ihre Gefühle ausdrücken wollten. Aus ihren Reihen entstanden die naiven Künstler. Die Schöpfer sind in den mehr entwickelten kapitalistischen Ländern die in der Stadt wohnenden Kleinbürger, in den zurückgebliebenen Agrarländern kommen sie aus dem Bauerntum. Zuletzt veranstaltete man 1966 in Preßburg im Haus der Kultur die internationale Ausstellung der naiven Künstler ; hierher kamen auch ungarische Werke. Als Wirkung dieser Ausstellung veranstaltete man im Jahre 1967 in Ungarn in Székesfehérvár die Ausstellung der ungarischen naiven Künstler, und in Nyíregyháza die postumus Ausstellung des Bauermalers Elek Győri. * * * 198