Gulyás Katalin et al. (szerk.): Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 23. (Szolnok, 2014)

Régészet - Prohászka Péter: Nyugat- és keletrómai V. századi aranypénzek a Kárpát-medencéből

TISICUM XXIII. - REGESZET ungarischen Museen verwahrten Solidi aufzunehmen. Viel zahlreichere Goldmünzen befinden sich in verschiedenen Sammlungen, über deren Fundorte aber - obwohl sie sicher im Karpatenbecken zum Vorschein gekommen sind - keine Angaben zur Verfügung stehen; daher habe ich sie nicht in den Katalog aufgenommen. Der Prozentsatz der Goldmünzen von Arcadius und Honorius zeigt, dass das Karpatenbecken im ersten Viertel des 5. Jhs. zum weströmischen Einflussbereich gehörte. 26 Solidi des Honorius stehen nur 8 Stück des Arcadius gegenüber. Von den 26 kann man 19 Münzen bestimmen, deren Verteilung nach Prägestätten folgende ist: Drei wurden in Konstantinopel, eine in Thessalonike, sieben in Ravenna, vier in Mediolanum und eine in Araiete geprägt. Von den 8 Solidi des Arcadius kann man 6 bestimmen, von denen einer in Konstantinopel, einer in Thessalonike, drei in Mediolanum und einer in Siscia geprägt wurde. Bei den Solidi der Kaiser dominieren die weströmischen Prägungen. Die meisten Münzen - 12 Stück - des Honorius sowie die Solidi des Arcadius wurden vor 410 geprägt. In zwei Gebieten erscheinen sie häufiger: im oberen Theißgebiet bis zu den Körös-Flüssen und im Gebiet der römischen Provinz Valeria. Ihre Verbreitung in der Tiefebene kann man zum Teil mit den Kontakten zwischen dem Reich und den hier lebenden Völkern erklären. Zu ihrem Auftreten in Transdanubien gibt es die Überlegung, wonach sie nach der Übergabe der Provinz als Zeugnisse der an die Hunnen gezahlten Jahresgelder in die Erde gelangten. Die Untersuchung der Solidi brachte nun ein anderes Ergebnis. Die bestimmten Münzen des Honorius und Arcadius gehören nach ihrer Prägezeit größtenteils zum vorhunnenzeitlichen Münzverkehr - also in die Jahre vor 420, wenngleich sie sporadisch auch in hunnezeitlichen Schatzfunden Vorkommen. Die vor 420 geprägten Münzen aus dem Karpatenbecken gehören zum größten Teil zum vorhunnischen Münzverkehr. Diese Solidi können auf verschiedene Weise (Sold, Geschenk, Handel usw.) zu den hier lebenden Völkern gelangt sein. Vielleicht gehören einige frühe, zwischen 408 und 420 geprägte Solidi des Theodosius II. ebenfalls hierher. Der größte Teil der aus Transdanubien und besonders aus Valeria bekannten Goldmünzen gehört nach Typ und Prägezeit zum vorhunnischen Münzverkehr, was darauf hinweist, dass die weströmische Regierung die Provinz nicht aufgegeben hat und sogar für den Grenzschutz sorgen wollte. Dabei muss man bedenken, dass das Barbarikum des Karpatenbeckens in die hunnischen Machtsphäre geraten ist. Die Hunnen aber waren Verbündete des weströmischen Reiches, und ohne ihre Zustimmung wagten die hier lebenden Sueben, Sarmaten und Gépidén kaum größere Angriffe gegen die Provinzen. Nach dem Tod des Honorius ist - wie die Münzen von Valentinján 111. und Theodosius II. zeigen - eine Veränderung in der Verbreitung der Solidi bemerkbar. In der Tiefebene, im Dreieck der Flüsse Körös, Theiß und Szamos, sowie neben dem Fluss Maros bzw. in der Südwestslowakei kommen Solidi in größerer Zahl vor. Diese Veränderung kann man einerseits mit dem Auftreten der hunnischen Machtzentrale im Karpatenbecken, andererseits mit der militärischen Aufwertung der hier lebenden Völker erklären. In Transdanubien ist eine Münzkonzentration in den größeren römischen Städten bemerkbar, was die Übernahme der römischen Strukturen im Hunnenreich bezeugt. Die meisten Solidi kamen gerade in Carnuntum sowie in Savaria zum Vorschein. Den Anfang des „goldenen Zeitalters” im Karpatenbecken markieren die zu den späteren Typen gehörenden Solidi des Theodosius II. aus der Zeit nach dem Frieden von 424, wozu dann in Form von Geschenken, Sold usw. die weströmischen Prägungen des Honorius, loannes und Valentinian III. gekommen sind. Von den 17 Solidi des Valentinian III. kann man nur 9 bestimmen, wobei einer in Konstantinopel, die anderen in Ravenna und Rom geprägt wurden. Ein Teil dieser Münzen kam, ähnlich wie im Fall von Theodosius II., im Dreieck der Flüsse Theiß, Maros und Kraszna zum Vorschein. Besonders wichtig ist der Solidus aus Märiapöcs, der nach dem Niedergang des Hunnenreiches ins Barbarikum gelangte. Höchstwahrscheinlich gehörte er, wie auch die anderen nach 455 geprägten Goldmünzen, zu dem Sold, der den Germanen gezahlt wurde. Sehr selten treten im Münzmaterial des Karpatenbeckens Solidi des weströmischen Kaisers loannes (423-425) auf. Die in Källö gefundene Münze und der Solidus aus Grab 734 des spätrömisch­frühvölkerwanderungszeitlichen Gräberfeldes sind Zeugnisse der hunnischen Militärhiife. Mit Hilfe hunnischer Einheiten hat Aetius die römische Herrschaft in Gallien und Raetien ab der zweiten Hälfte der 420er Jahre wieder hergestellt. Die Hunnen erhielten für ihre Dienste Geschenke, Sold und vielleicht auch Jahresgelder. Attila hatte sogar ab 445/446 den Rang eines magister militum und die dazu gehörenden Bezüge. Von der weströmischen Regierung bekamen die Hunnen weniger Gold als aus Konstantinopel, trotzdem waren die Summen beträchlich, was sich in der Zahl der weströmischen Solidi widerspiegelt. In den 420er Jahren zog das hunnische Machtzentrum ins Karpatenbecken. Um ihre Zentrale zu sichern, erlangten die Hunnen von Rom schrittweise die römischen Nachbarprovinzen. So kamen Valeria, Pannónia Prima und Secunda sowie Savia in den 430er und 440er Jahren unter ihre Herrschaft. In größter Zahl und Verbreitung kommen Solidi des Theodosius II. vor, von denen sich 86 im Katalog finden. 65 kann man bestimmen, unter diesen wurden zwei in weströmischen Prägestätten, eine Thessalonike und alle anderen in Konstantinopel geprägt. Die meisten Münzen gehören zu jenen Typen, die zwischen 430 und 450 geprägt wurden. Bei der Verbreitung der Solidi von Theodosius II. müssen wir in Betracht ziehen, dass sie mehrere Jahrzehnte lang im Umlauf waren. Ähnlich wie die Goldmünzen anderer Kaiser kommen sie häufiger und in größerer Zahl im nordöstlichen Teil des Karpatenbeckens vor. Diese Region war Teil des gepidischen Siedlungsgebietes. Die Quelle dieser Münzen waren die vertraglich geregelten oströmischen Jahresgelder. Dieses goldene Zeitalter dauerte bis 450, als nach dem Tod von Theodosius II. sein Nachfolger Marcian die Zahlungen stoppte. Nach der Schlacht am Nedao treten die Solidi des Marcian auf, die als Sold, Geschenk oder Jahresgeld zu den Siegern gelangt sein können. Von den vier Münzen kann man nur zwei bestimmen, die in Konstantinopel geprägt wurden. Die weströmischen Münzen nach Valentinian III., drei Solidi des Libius Severus und einer des Anthemius, sind wohl eher als Sold hierher gelangt. 72

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