Gulyás Katalin et al. (szerk.): Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 23. (Szolnok, 2014)
Régészet - Prohászka Péter: Nyugat- és keletrómai V. századi aranypénzek a Kárpát-medencéből
PROHÁSZKA PÉTER: NYUGAT- ÉS KELETRÓMAI V. SZÁZADI ARANYPÉNZEK A KÁRPÁT-MEDENCÉBŐL Péter Prohászka Ost- und weströmische Goldmünzen des 5. Jahrhunderts aus dem Karpatenbecken Das 5. Jh. n. Chr. brachte für das Karpatenbecken einen vorher nie dagewesenen Goldreichtum mit sich, was sich im archäologischen und numismatischen Befund widerspiegelt. Die Quelle dieses Reichtums wurzelte in den politischen Kontakten zwischen dem Römischen Reich und dem Barbarikum. Am Ende des 4. Jhs. traten die Hunnen als neue Akteure im Beziehungsgeflecht zwischen Römischem Reich und Barbarikum auf. Zahlreiche antike Quellen berichten in mehr oder minder großer Ausfühlichkeit über die Hunnen bzw. über die Ereignisse dieser Zeit. Diese Nachrichten gewähren jedoch nur in geringem Maße Einblick in die Funktionsweise der römischen Außenpolitik; so berichten nur wenige Quellen über die Geschenke, Jahresgelder, Tribute und anderen Leistungen, die den Hunnen und anderen Barbarenvölkern zugeteilt worden sind. Ebenso wie die westliche Reichshälfte hatte auch die östliche Bedarf an nichtrömischen Soldaten, die für ihre Dienste Sold erhielten. Zunächst wurden die Hunnen sowohl von der ost- als auch von der weströmischen Regierung eingesetzt, aber nach dem Tod des Kaisers Arcadius veränderte sich die Lage. Während die weströmische Regierung immer mehr hunnische Hilfstruppen brauchte, begannen die Hunnen mit Angriffen gegen die oströmischen Gebiete. Zu einem ersten Vertragsabschluss zwischen Oströmern und Hunnen kam es noch unter Kaiser Arcadius (400), worüber Zozimos berichtet. Die Einigung kam zustande, als der aus Konstantinopel verjagte gotische Feldherr Gaina mit seinen Truppen das Reichsgebiet verließ und eine Schlacht gegen die Hunnen schlagen musste. Er verlor dabei nicht nur den Kampf, sondern auch seinen Kopf, der dem oströmischen Kaiser als Geschenk des hunnischen Feldherrn Uldin geschickt wurde. Dieser erhielt daraufhin Geschenke und auch einen Friedensvertrag mit den Römern. Der Tod des oströmischen Kaisers 408 brachte aber eine Veränderung. Die Hunnen griffen die römischen Festungen an der unteren Donau an und fielen ins Reichsgebiet ein. Die Kämpfe endeten 412 mit einem Friedensschluss, den die oströmischen Gesandten bei dem hunnischen Großkönig Karaton mit Hilfe von Geschenken erreichen konnten. Kaum ein Jahrzehnt nach dem Friedensschluss mit Karaton (412) fielen die Hunnen unter der Führung des Ruga in Thrakien ein und konnten Frieden mit Konstantinopel schließen (424). Sie erhielten nicht nur Geschenke, sondern auch ein Jahresgeld von 350 Pfund Gold (25.200 Solidi). Nach einem neuen Krieg konnten sie diese Summe im Friedensvertrag von Margus (435) auf 700 Pfund erhöhen (Pricsus, Fr. 2). Der hunnische König dachte auch an seine Soldaten, indem er dafür sorgte, dass laut Vertrag die römischen Kriegsgefangenen mit 8 Solidi pro Kopf ausgelöst werden konnten (Priscus, Fr. 2). Neben Konstantinopel zahlte auch Rom in Gold, und zwar für militärische Unterstützung, während die Oströmer sich die Verschonung des Reichsgebietes von hunnischen Angriffen erkauften, wenn ihre Truppen in anderen Kriegen gebunden wären. Über die hunnisch-oströmischen Vertragsabschlüsse und deren Bedingungen berichtet nur Priscus in seinem fragmentiert erhaltenen Werk. Hier sei darauf hingewiesen, dass sich über die Zeitpunkte der Friedensverträge der 440er Jahre und ihre jeweiligen Bedingungen in der Fachliteratur verschiedene Angaben finden lassen. Diese gründen sich auf das Fragment 5 von Priscus. Danach musste Ostrom durch den Gesandten Anatolius zu sehr ungünstigen Bedingungen Frieden schliessen. Das Jahresgeld wurde auf 2100 Pfund erhöht, dazu kam eine einmalige Zahlung von 6000 Pfund, das Lösegeld für entflohene Gefangene wurde auf 12 Solidi heraufgesetzt, und die Römer mussten sich verpflichten, künftig alle Überläufer aus dem Hunnenreich zurückweisen (Priscus, Fr. 5). Einige Forscher setzen den Zeitpunkt der Schlacht bei 442 und den Vertragabschluss im Jahre 443 an. Nach anderen ereignete sich die Schlacht im Jahre 447, worauf dann der Friede geschlossen wurde. Noch bessere Bedingungen hätte der nach dem Krieg 447 geschlossene sogenannte „zweite Friede des Anatolius” bringen können, der jedoch wegen der hinausgezögerten Verhandlungen und des Todes von Theodosius II. 450 nicht unterzeichnet wurde. Der neue Kaiser Marcian stoppte die Auszahlungen am Ende des Jahres 450. Vergeblich griffen die Hunnen Gallien und dann Italien an. Attila konnte seine Ziele nicht erreichen. Nach seinem Tod erhoben sich die unterworfenen Völker unter der Führung der Gépidén gegen Attilas Söhne. Die Schlacht am Nedao (455) brachte das Ende der hunnischen Herrschaft im Karpatenbecken und in Mitteleuropa. Die siegreichen Gépidén wollten, wie Jordanes berichtet, in einem Friedensvertrag mit dem Reich nichts anderes als Frieden und ein Jahresgeld festsetzen (lordanes, Getica L 264). Natürlich waren sie nicht die einzigen, die an der „Unterstützung” der oströmischen Regierung teilhatten, sondern andere Germanenvölker spielten eine ebensolche Rolle. Jordanes berichtet zum Beispiel darüber, dass die Ostgoten von Kaiser Marcian Neujahrsgeschenke bekamen (Jordanes LII.270.). Dem Text zufolge kann man annehmen, dass die Regierung den Ostgoten regelmäßig eine finanzielle Unterstützung zukommen ließ (Jordanes LII.271., Uli.272), die zunächst 100, dann, nach 457,300 Pfund pro Jahr betrug. Diese Unterstützung wurde auch nach der Abwanderung der Ostgoten fortgesetzt. Diese Geschenke und Jahresgelder waren aber deutlich geringer als die den Hunnen gezahlten Summen. Leider besitzen wir keine Kenntnis über die Summen der von seiten der weströmischen Regierung gezahlten Solde, Geschenke und Jahresgelder sowie über die Art und Weise der Auszahlung. Allein die von Ostrom zwischen 424 und 447 gezahlten Jahresgelder und andere Geschenke betrugen über eine Millionen Solidi. Ein Teil des Goldes konnte durch den Handel wieder ins Reich zurückfließen. Die gezahlten Jahresgelder waren in Anbetracht der Einnahmen des Reiches verschwindend gering, obwohl der Solidus im täglichen Leben einen hohen Wert besaß. Andere Teile des Goldes wurden eingeschmolzen und dienten als Rohstoff bei der Herstellung von Schmuck und Trachtgegenständen, wie sie beispielsweise in den mitteleuropäischen hunnenzeitlichen Bestattungen zum Vorschein gekommen sind Die Solidi des 5. Jhs. aus dem Karpatenbecken wurden bisher noch nicht im ganzen gesammelt und analysiert. Bei der Fertigstellung des Katalogs habe ich versucht, neben den literarischen und archivarischen Angaben auch die in 71