Gecse Annabella et al. (szerk.): Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 18. (Szolnok, 2009)

Irodalom- és művészettörténet - Egri Mária: Sváby Lajos: Genezis

Irodalom- és művészettörténet Mária Egri Sváby Lajos: Schöpfung ln den Geschichten der Bibel begegnen wir nahezu allen für den Menschen typischen Eigenschaften, Emotionen, gu­ten und schlechten Handlungen. Das Textbuch des Bundes zwischen Gott und Mensch ist eine Fundgrube menschli­cher Verhaltensweisen. Nicht zufällig hat sich die Kunst in zahlreichen Fällen der Bibel bedient. Die in der universalen Kunstgeschichte mit Christi Geburt und seinen Handlungen verbundenen Werke oder die vom Alten Testament, insbe­sondere der Schöpfungsgeschichte, inspirierten Bildserien sind allgemein bekannt. Die Mythologien und die Bibel haben es Lajos Sváby schon immer angetan, die Fragen des Seins, wie er es formuliert: die Geheimnisse unserer Abstammung, unserer Zugehörig­keit, die Geheimnisse unserer Gefühle. 1988 machte er sich an das Zeichnen der Schöpfungsgeschichte. Die Rötelzeich­nung Genesis 22 entstand 1989 und wurde zusammen mit früheren Zeichnungen sowie einigen neueren Gemälden an der Hochschule für bildende Kunst im gleichen Jahr vorge­stellt. Noch im selben Jahr entstand an der Hochschule die aus 25 Exemplaren bestehende Seriographiemappe einer Serie, die gelegentlich der zwischen 16. und 25. November 1989 im Csontväry Saal veranstalteten Ausstellung zusam­men mit Originalzeichnungen dem Publikum zugänglich ge­macht wurde. Auf den ersten sechs Blättern befaßt sich Sváby mit dem Herrn, der Himmel und Erde erschuf, Sonne und Mond, Was­ser und Land, und jene mit Pflanzen und allen möglichen Tieren bevölkerte. Auf dem siebenten Blatt schuf Gott den Menschen nach seinem Bild, auf dem achten schuf er Mann und Frau, um sie dann auf dem neunten im Garten Eden an­zusiedeln. Von der achten bis zur achtzehnten Graphik beschäftigt den Künstler das Drama der ersten Menschenpaars: an­gefangen von ihrer Erschaffung und paradiesischen Unbe­rührtheit bis hin zum Sündenfall, ihrer Vertreibung aus dem Paradies, bis zur mit der Erleuchtung einhergehenden Ver­elendung. Als Auflösung zeigt die letzte Zeichnung aus jener Zeit, als „Gottes Söhne sich vereinen mit den Töchtern der Menschen,,, ein mythisches Bild. Sväbys Ziel, die Zeilen der Genesis mit ihren Lehren und ihrer Dichtung zu vergegenwärtigen. Neben den dramati­scheren Teilen genießt er spürbar auch die von ihm selbst erschaffene organische Welt. Sein Schöpfer ist nicht der angsteinflößende und zürnende Gott, sondern ein freundli­cher, bärtiger alter Herr, der liebenswürdig in seinem Para­dies spielt, der Teil seiner eigenen Idylle ist, solange er nicht zu einer richtenden Rolle gezwungen wird. Auf den letzten Blättern vergegenwärtigt Sváby in aller Dra­matik seines Expressionismus die Flucht des Mannes mit sei­ner Frau auf dem Rücken vor den mit zweischneidigen leuch­tenden Waffen umherfuchtelnden „Cherubim“. Die von Num­mer fünfzehn bis achtzehn numerierten vier Zeichnungen bil­den in Sväbys Genesis einen Höhepunkt. Hier wird deutlich, wie eindeutig er männliche und weibliche Körper konzipiert und wie fähig er ist, mit seinen Figuren komplizierte mensch­liche Verhältnisse zu vermitteln, wenn das Wesen tatsächlich in der Komposition der menschlichen Beziehung besteht. Kristallklar macht er auf den einander folgenden Blättern die von Haß geprägte Spannung der beiden Hauptfiguren spürbar und dann schließlich deren zärtliche und liebevolle Vereini­gung. Das aufeinander angewiesene Paar, das für jede Bitter­nis den anderen verantwortlich macht und weder miteinander noch allein zu leben imstande ist. Diese Blätter vermitteln fast buchstäblich die erschütternden Zeilen der Bibel. Auf den beiden ersten Blättern der drei Zeichnungen, auf denen die Geschichte von Kain und Abel dargestellt wird, kehrt sozusagen die Stimmung des Gartens Eden zurück. Mit den im Kreis der Eltern sitzenden beiden Kindern, dem reifen Getreide, der Sichel, die das eine Kind in der Hand hält, dem Lamm, das sich an das andere Kind schmiegt, tritt das gemeinsame Symbol der Viehhaltung und der glückli­chen Familie auf. Auf dem folgenden Blatt das Gott als Opfer dargebrachte Lamm, die ihm dargebotene Obstschale und die Ähren kommen bei Sváby als „Schale des Überflusses“ mehrfach vor. Gott indes wendet sich von Kains Geschenk ab, womit er bei diesem blinden Zorn hervorruft. Das einund­zwanzigste Blatt, der biblische Brudermord, verdichtet alle Beweglichkeit und schwungvolle Dramatik in Sväbys Kunst. Die dramatische Bewegtheit wird ja gerade durch den Au­genblick vor dem festgehaltenen Höhepunkt gegeben. In den Anfängen ist die Zeichnung der Weg, der zur Malerei führt. Daraus resultiert die Phrase, wonach die Zeichnung das wichtigste sei. So äußerte er sich einmal, als er von einem Schüler nach der Wichtigkeit der Zeichnung befragt worden ist. Sväbys Kunst basiert auf inhaltlicher Mitteilung, was zwei­fellos eine anthropomorphe Vergegenwärtigung verlangt. Deshalb wird die präzise Zeichnung wichtig. Die Farbaus- wahl hebt die Mitteilung hervor, die faktische Auftragung, die Art des Auftragens auf die Leinwand, der spürbare Körper der Farbe unterstreicht den Inhalt; neben all dem, daß er auch starke emotionale Assoziationen hervorruft. Es finden sich darunter szenische Bilder mit mehreren Figuren, Akte, Bewegungs- und Gestikstudien. 655

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