Kaposvári Gyula szerk.: Szolnok Megyei Múzeumi Évkönyv (1978)

László Szabó: WORTGESCHICHTLICHER HINTERGRUND EINES GEGENSTANDES

Das so „angespannte Pferd" kann das Geschirr nicht loswerden, es drückt auf die Schulter. Deshalb ist es mit unangenehmen Assoziationen verbunden, nicht be­sonders beliebt bei den Kindern. Wir möchten noch eine Analogie diesbezüglich erwähnen. Neben dem einfachen Pfredegebiss kannte das landnehmende Ungartum schon das Spanngebiss, das also unserer Kultur organisch angehörte. Trotzdem wird es nach József Szinnyei 1840 im Komitat Heves német zabla (deutsches Gebiss) ge­nannt.' Wegen seiner strukturellen Kompliziertheit wäre dieser seit langem gebrauchter Typ des Pferde­gebisses so genannt worden. Bei Charakterisierung der Holzgabeln bezeichneten die Informatoren die Variante mit gespaltenen Zinken als ein stärkeres, deuerhaftes, zwar schwereres, aber massiveres Gerät, indem der Typ mit angebauten Zin­ken schwächer, kurzlebiger, aber bei der Arbeit viel­mehr leichter ist. Ferner wurden die Eingenschaften geeigneter, vielseitig brauchbar und weniger geeignet, beschränkt verwendbar entgegengestellt. Da wir unser vergleichendes Material, unsere Analogien auch bisher aus der Literatur, teils aus selbst gesalmmeltem Stoff zitierten — ohne ausgesprochen solche Analogien im ganzen Lande gesammelt zu haben — können' wir dies­bezüglich keine prägnanten Beispiele aufführen. So wer­den wir diese Bedeutungen nicht einzelweise, sondern ihrem Wesen nach entgegenstellen. Diese Eigenschaften sind in den Begriffen besser- schlechter, geeigneter —­weniger geeignet zu summieren. Auf diese Weise finden wir schon literarische und selbst gesammelte Angaben zur Erläuterung des Begriffinhalts. Wie erwähnt, sind bei den Kindern mit dem „német hám" (deutschen Geschirr) unangenehme Assoziationen verbunden. Es wird als eine schlechte Anspännungs­weise beurteilt. Die Ausdrücke német nóta, német tánc (deutsches Lied, deutscher Tanz) im Komitat Szatmár haben ähnlicherweise einen pejorativen Sinn, bezeich­nen etwas qualitataiv Schwächeres, Wertloses. Das Wort német nadrág (deutsche Hose) hat eine ähnliche Bedeutung, wie das der zitierte Beispielsatz eindeutig beweist : „Ich würde diese deutsche Hose nicht anziehen, weil sie die Flöhe aufnimmt." 0 „Auf Unga­risch sprechen" heisst auf dem Gebiet jenseits der Theiss, aber auch in anderen Teilen des Landes: auf­richtig sprechen, offen in die Augen sprechen. Es drückt eine moralische Überlegenheit aus. Wir haben dagegen eine Angabe aus dem Komitat Sopron, wo es heisst: „németül van" (es ist auf Deutsch), nicht wahr. 7 Das Ungarische Dialektwörtebuch (MTSZ) bringt ferner den Ausdruck német bor (deutscher Wein) aus Három­szék in der Bedeutung Bier, was unbedingt den Deut­r~hen Gehörendes, für sie Charakteristisches bezeichnet, obwohl es dem Wörterbuch gemäss auch scherzhaft gebraucht wird. So kann das den Gegensatz zum stär­keren Wein bilden, den die Ungarn getrunken hatten. Im Szeklerland heisst „die zunderartige Hautschicht der Buche" német bőr (deutsche Haut.) 8 Dass alles hängt allem Anschein nach mit der Anschauung zusammen, die unsere Kurutzenlieder und andere Nationalitäten­spottlieder ins Leben rief. Wir könnten auch weitere Beispiele aufzählen, aber unserer Meinung nach ist es gelungen, den letzteren Bedeutungsinhalt zu beweisen. Zausammenfassend und zur doppelten und gegen­sätzlichen Bedeutung der Holzgabel zurückkehrend kön­nen wir behaupten, dass die Bezeichnungen magyarvil­la — németvilla (Ungarngabel — deutsche Gabel) wie es auch von manchen Analogien unterstützt wurde, nicht auf den Ursprung hinweisen, sondern die Adjektive einen Bedeutungsinhalt jenseits des konkreten Begrif­fes ausdrücken. Dieser Bedeutungsinhalt kann in drei Teile getrennt werden. Alle drei Motive spielten eine Rolle in der Namensgebung als psychologische Faktoren. Als Unga­risch wird das Traditionelle, Einfachere, Bessere, als Deutsch das Neue, Komplizertere, weniger Gute bet­rachtet. So müssen wir in der Zukunft bei der Bedeu­tung dieser Wörter auch diese Schattierungen beachten. 6. Wir sind noch die Erläuterung schuldig, warum unsere Wörter német und magyar (deutsch und unga­risch) in die Adjektivzusammensetzungen die erwähn­ten, einander gegenübergestellten Bedeutungsnuancen erhielten. Wie oben gesagt, zwischen den gegensätzlichen Be­zeichnungspaaren tótvilla — favilla (Slowakengabel — Holzgabel) und magyarvilla — németvilla (Ungarngabel — deutsche Gabel) bildet die Theiss die Grenzlinie im Komitat Szolnok. Auch unsere anderen Beispiele wei­sen diese Verbreitung auf. Obgleich unsere Sammelar­beit sich nur auf Gebiet jenseits der Theiss bezog, stam­men das Material von József Szinnyei und die weiteren zitierten literarischen Beispiele aus der Sammlung vom ganzen Gebiet des Landes. Wir zitierten eine Angabe aus dem Komitat Sopron: nimetül van in der Bedeu­tung nicht wahr. Das kann aber auch als Spott gegen die deutsche Nationalität zwischen den nebeneinanderle­benden Nationalitäten betrachtet werden. So hat es andere Anschauungsgründe als im Fakle unserer Beis­piele. Ferner zitierten wir zwei Angaben aus dem Ko­mitat Heves: német villa, német zabla (deutsche Gabel, 177

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