A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1976 (Debrecen, 1977)
Természettudomány - Ötvös János–Lovas Márton: Koprophage Lamellicorniae in natronhaltigen Grasland von Mikepércs und ihre Bedeutung für die Weidewirtschaft
Die zweite Frage: Sind die gesammelten koprophagen Lamellicorniae typische Halophyten? Aufgrund ihrer bisherigen Untersuchungen vermochten die Verfasser diese Frage nicht eindeutig zu beantworten. Sie stellten diesbezügliche Vergleiche mit früheren Mistkäfersammlungen von János Ötvös aus dem Hortobágy-Gebiet sowie aus Haláp und Bátorliget an und konnten in Erfahrung bringen, daß die bei Mikepércs gesammelten Käfer der Arten Aphodius, Caccobius und Ontophagus auch in anderen Gebieten heimisch sind und häufig vorkommen. Laut einschlägiger Hypothese der Verfasser kommen die koprophagen Lamellicorniae hauptsächlich auf qualitativ hochwertigem Grasland vor, wo eine intensivere Weide stattfindet und infolgedessen mehr Dung erzeugt wird. Auf den Sodaböden der IV. Klasse wird gerade in Ermangelung einer Vegetation (nur die Camphorosma annua gedeiht hier) kein Vieh geweidet und so gibt es eben auch keine Mistkäfer. Diese Hypothese enthält zugleich eine schlüssige Antwort auf die erste Frage: Die Weide von Mikepércs gehört größtenteils der III. und IV. Klasse der Sodaböden an, und das ist der Grund, warum hier die großgewachsenen Arten nicht vorkommen, die in den besseren Böden leben. Bezeichnend für die Assoziation sind die sog. assoziationstreuen Arten: Aphodius fimetarius L., Aphodius granarius L., Aphodius variáns Duft., Caccobius schreberi L., Onthophagus fracticornis Preyssl. Im dritten Teil des Aufsatzes wird die Lebensweise der koprophagen Lamellicorniae beschrieben. Die Verfasser erörtern eingehend die verschiedenen Etappen, wie der Dünger von den Koprophagen „besetzt" bzw. genutzt wird. Zuerst von den erscheinen die Vertreter der Hydrophilidae, dann die Mitglieder der Familie der Staphylinidae und erst nach ihnen die kleingewachsenen Scarabeidae; zuallerletzt folgen schließlich die großgewachsenen Geotrupes und Copris. Beobachtungen der Verfasser zufolge wird der Dünger bei Nacht „besetzt", als die Mistkäfer am lebhaftesten sind und sogar fliegen. Diese Beobachtung stimmt mit den einschlägigen Feststellungen der Fachliteratur sowie mit den Erfahrungen von János Ötvös im Hortobágy-Gebiet überein. An Hand ihrer Untersuchungen gelangten die Verfasser zur Schlußfolgerung, daß die koprophagen Lamellicorniae von kleinem Wuchs für die Weidewirtschaft weit bedeutender sind als die Arten von größerem Wuchs. Diese Bedeutung wird nun im vierten Teil des Aufsatzes zahlenmäßig belegt. Die Weide von Mikepércs erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von 15 Katastraljoch gleich 8,66 Hektar. Vom 24. April bis zum 1. August (auch an Sonntagen) weiden hier täglich 94 St. Rindvieh. Die Tage des Austriebs und des Heimtriebs mitgerechnet beträgt also die Weideperiode rund 100 Tage. Gesetzt, der tägliche Durchschnittswert des von einem Stück Vieh erzeugten Düngers beträgt laut Angaben der Fachliteratur 22 kg, so erzeugen die 94 Tiere während der besagten Weideperiode insgesamt 2068 dt Dünger (dt = Dezitonne =100 kg). Die im Boden gefundenen Mistpillen wogen im Schnitt 2,1 gr. Die Verfasser nehmen an, daß die Herstellung einer solchen Pille, deren Gewicht das 38,8 fache des Körpergewichts des im Durchschnitt 5,4 cgr wiegenden Mistkäfers darstellt, eine Tagesarbeit eines Käfers in Anspruch nimmt. Die Mistkäfer erschienen im Monat Mai in erheblicher Anzahl; während der ganzen Sammlungsperiode konnten zu dieser Zeit die meisten Käfer gesammelt werden: 128 Stück pro Kilo Dünger. In Kenntnis dieser primären Angaben führten die Verfasser Berechnungen über die in den Boden eingeführten Düngermengen durch. Die im Mai gesammelten koprophagen Lamellicorniae schufen 268,8 gr Dünger in die Erde. Auf die ganze Weide bezogen, wo sich an diesem Tag 264 704 Lamellicorniae betätigten, bedeutet dies schon 555,878 kg Dünger. Diese Zahl wird erst recht beachtenswert, wenn man bedenkt, daß das Gesamtgewicht dieser überaus zahlreichen Mistkäfer laut Berechnungen nur 14,2 kg beträgt. Anschließend veröffentlichen die Verfasser die Angaben sämtlicher Sammlungstage. Auch auf die ganze Weidesaison bezügliche Berechnungen wurden durchgeführt, wobei freilich der Umstand zu berücksichtigen ist, daß die Sammlungen nicht während der ganzen Sammlungsperiode, also an jedem der 100 Tage, sondern nur monatlich einmal durchgeführt wurden, weshalb die gewonnenen Angaben gewissermaßen idealisiert sind. Jedenfalls ist die Tatsache, daß die Lamellicorniae 45,59 der vom hier weidenden Vieh erzeugten 206, 8 Tonnen Dünger in den Boden einführen, von größter Bedeutung und bestätigt sowohl die Notwendigkeit als auch die Wichtigkeit solcher und ähnlicher Untersuchungen. 34