A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1958-1959 (Debrecen, 1960)
L. Sápi: Die grosse Brücke von Debrecen
Die grosse Brücke von Debrecen L. Sápi Der Kampf des Debrecener Menschen mit dem Kot ist gleichzeitig mit der Entstehung der Stadt. Die Lage der ersten Siedlungsplätze beweist es, dass man erhöhte, etwas hügelige Stellen suchte und die tieferen Lagen der natürlichen Wasserflüsse mied. Die spätere Entwicklung der Stadt führte dann zur Auffüllung und Besiedlung auch dieser tiefergelegenen Stellen. Als Auffüllungsmaterial dienten meistens jene Trümmer, die nach den oft vorkommenden verheerenden Stadtbränden übrig blieben, das heisst, die Überreste der als Lehmoder Reiswerkbauten errichteten Gebäude. Die Grösse dieser Brände ersehen wir z. B. an dem ersten Stadtplan von Debrecen, aus dem Jahre 1771. Hier werden alle jene Schutt- und Trümmergebiete angegeben, die eine Spur der Grossbrände der vorhergegangenen neun Jahre waren. Durch die Auffüllung der tieferen Stellen ist die Stadtgrundfläche heute fast wagrecht, mit einer bloss kleinen Fallrichtung NO —SW, die höchstens an die zehn Meter beträgt. Dieser Fallrichtung entsprechend, durchquerten früher mehrere ständige Wasserläufe die Stadt. An jenen Strassen, welche von diesen Wasserläufen nicht berührt worden sind, grub man Gräben zwecks Ahleitung der Niederschläge. Sowohl die natürlichen Wasserläufe, als auch die Abflussgräben mussten natürlich instande gehalten werden. Die Sicherung der Böschungen bereitete der Stadt viele Sorgen. Den Durchgang der Fussgänger und die Durchfahrt der Wagen sicherte man durch den Bau von Brücken. Schon das städtische Ratsprotokoll vom 18. Juli 1629. erwähnt die „Brücke bei der Kirche". Zwei Jahre später, am 21. August 1631 wird ebenda die Reparatur dieser Bücke erwähnt. Der Beschreibung nach ist diese Brücke wahrscheinlich mit jener Brücke indentisch, die man über dam Kotmeer der Marktstrasse (Piac utca) errichtenliess. In den Jahren 1666, 1669 und 1685 befohl der Stadtrat den Einwohnern die Reparatur der Brücken und Fussgängerstege: indessen schienen diese Verordnungen keinen Erfolg gehabt zu haben, denn die Aufzeichnungen des Ratsprotokolls aus den Jahren 1698, 1699 und 1703 beklagen sich, dass der Kot die Stadt fast überschwemmte. Als Grund dafür wird die Vernachlässigung der Brücken und Stege angegeben und ihre Instandsetzung strengstens befohlen. Die Reperaturarbeiten waren nun laufend im Gange. Sie wurden teils vom Magistrat, teils von den Bürgern finanziert. Die Stadtrechnung von 1732 gibt z. B. eine grosse Summe an, die zur Ausbesserung der Brücke verwendet wurde. Die ersten autentischen Daten über die „grosse Brücke" bringt der erwähnte, hier reproduzierte Stadtplan von 1771. Sie war durchschnittlich 3—3,2 Klafter breit. Als „kleine Brücke" bezeichnete man jene, etwa 1 Klafter breite Brücke, die vom Haupteingang der Kirche bis zum Fussgängersteg vor dem Rathaus führte. Die Richtung der Brücke war keine ständige. Nach dem grossen Brande von 1802 wurde die Grosse Kirche nach neuem Grundriss neu aufgebaut und auch die Umgebung umgestaltet. Damals erhielt auch die „grosse Brücke" eine neue Richtung. Sie ist am Stadtplan von 1882 zu finden. Die „kleine Brücke" wurde nicht mehr errichtet. Von der Notwendigkeit der Brücke kündet am eindringlichsten die Verordnung des königlichen Komissars von 1799. Laut beigelegtem Protokoll bereitete die „grosse Brücke" dem Stadtmagistrat grosse Sorgen. Man arbeitete Verordnungen zur Entwässerung der Strassen und zur Pflege der Brücken und Stege aus. Von den 71