Bíró Szilvia - Molnár Attila: Fogadó a határon. Római kori útállomás Gönyün - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 4. (Győr, 2009)

Gyulai Ferenc: Növénymaradványok a gőnyűi feltárásból

Neben den Nutzpflanzen fanden wir auch Überreste von Unkrautpflanzen. Die Schmalblättrige Wicke, das Ackertäschelkraut (Hasenklee), Borsten- bzw. Klettenhirse können Unkräuter der erfassten Kulturpflanzen, Krauser Ampfer und Weißer Gänsefuß pflanzliche Reste der Siedlungsumgebung gewesen sein. Die meisten botanischen Makroreste lieferte ein Brunnen von Mitte-Ende 2. Jh., mit der Forschungseinheitsnummer 19. In diesen etwa 700 m von der Donau entfernten Brunnen hatte man auch die Wasserableitungsgräben des Gebiets geleitet. Schon bei seiner Freilegung war sichtbar, dass er von der Donau mehrmals überflutet worden war. Aus dem 2007 freigelegten Brunnen bekamen wir 8 Proben zur Analyse. Bei der Aufarbeitung fanden wir darin in 102 Pflanzentaxa 2336 Stück Samen und Früchte, davon haben wir 90 auch auf Artenniveau identifiziert, weiterhin haben wir 39 nicht identifizierbare Samenfragmente und 5 Speisereste nachgewiesen. Die Mehrheit der Diasporen machen unverkohlte Reste aus, insgesamt 2203 Samen und Früchte. Die Zahl der verkohlten ist gering. Hierher gehören die Anbaupflanzen: Getreide, Hülsenfrüchte, deren Unkräuter und von bestimmten Wiesen und Weiden stammende Pflanzen. Ihre Verkohlung kann mit der Verarbeitung des Getreides, z. B. Verbrennung von Dreschrückständen in Zusammenhang stehen. Die Wasseranfüllung konservierte Samen und Früchte zahlreicher, aus ihrer natürlichen Umgebung hierher geratenen Pflanzenarten. Mit ihrer Hilfe kann die ehemalige Umgebung des Brunnens rekonstruiert werden. Die Zahl der Rückstände von Anbaupflanzen ist nicht allzu hoch, erreicht kaum 150. Trotzdem sind sie sehr wichtig, weil sie einen Einblick in die Ernährungs­gewohnheiten der damaligen Bevölkerung gewähren. Obwohl diese Küchenabfälle durch Zufall, vielleicht durch Hochwasseranschwämmung in den Brunnen gelangt sind, repräsentieren sie gut die ehemals vorherrschenden Alltagsverhältnisse. Neben dem Getreide gibt es hier auch Samen von Gartenpflanzen wie Hülsenfrüchte (Kleinkornlinse, Saatwicke), Ölpflanzen (Mohn) und Faserpflanzen (Flachs), Gewürzpflanzen (Dill, Pastinaken), sogar Zierpflanzen (Gartennelke), meistens in verkohltem Zustand. Für das Getreide ist die Vielfältigkeit kennzeichnend. Wir fanden hier mehrere Gersten (Spelzgerste, Saatgerste u. a.) mehrere Weizen (Speizweizen, Einkorn und Emmerweizen u. a.), Hirse und Saat- Hafer, es kann sogar auch Roggen angenommen werden. Diese Getreidearten sind Produkte einer entwickelten Landwirtschaft und auch an anderen römischen Fundorten anzutreffen. Von den Getreidearten sind nur einige Körner ohne Spreu, also Nacktkorn. Vorkommende Dresch- und Verarbeitungsreste und die unten aufgeführten Getreideunkräuter verweisen darauf, dass die Getreide viel eher aus dem Anbau vor Ort als aus dem Import stammen. 83

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