Székely Zoltán (szerk.): Arrabona - Múzeumi Közlemények 48/2. (Győr, 2010)
Tanulmányok - Mennyeiné Várszegi Judit: Dr. Kovács Pál (1808. július 1 - 1886. augusztus 13.) Válogatott bibliográfia
CLAUDIA WUNDERLICH EINE UNGARISCHE KARTENMALER' UND KUNSTLERFAMILIE... Diese wurden im Schuljahr 1873/74 von Mátyás Unger junior für die Sammlung des Benediktinergymnasiums gespendet und kamen so in den Besitz des Xántus Museums. (Válogatás 2009, 68.) Besonders gut dokumentiert sind die beiden vollständigen Kartensätze aus dem Technischen Museum Wien, die über das k. k. Fabrikproduktenkabinett in die dortige Sammlung gelangten. (Reisinger 2002-A) Die Produktion dieser in Schablonentechnik kolorierten deutschen Karten war Ausgangsbasis einer Untersuchung.59 Hierbei wurde untersucht, wie zur damaligen Zeit der Stand der Produktionstechnik bei im Holzschnittverfahren hergestellten Spielkarten war und der Prozess nachgebildet. Dies erfolgte durch Ermittlung von Prozesszeiten, Produktionsmenge und Layoutoptimierung der Werkstatt. Der komplexe Herstellungsprozess war außerordentlich material- und arbeitsintensiv, was wir aus der detaillierten Beschreibung der technisch-ökonomische Enzyklopädie von Krünitz mit Abbildungen sämtlicher Gerätschaften erfahren. Allerdings finden sich dort keine Zahlenangaben zum Platzbedarf einer Werkstatt, nur die typische Personalstruktur wird angegeben, die wir nach allen bisherigen Forschungsergebnissen etwa in dieser Form auch für die Ungersche Kartenherstellung annehmen müssen: Der Meister arbeitete mit „einem Kleber, zwei Druckern, einem Glätter, einem Ausmaler, und ein paar Lehrburschen, außer den Frauensleuten, welche das Papier reinigen und andere auf das Kleben der Karten sich beziehende Handarbeiten thun müssen.” (Krünitz 1773-1858, Spielkarten —Manufaktur) Die Ausbringung einer solchen Produktion, die optimal auf ca. 60 m2 stattfinden konnte, war sehr niedrig und konnte somit dem technologischen Wandel mit Einführung der Lithographie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht mehr standhalten. (Hofmann 2000, 8.; Wunderlich 2010) Das Risiko, in die neue Technik zu investieren, konnte oder wollte Mátyás junior nicht eingehen. Jedoch mag dies nicht der einzige Grund gewesen sein, warum er sich derartig schnell von der Spielkartenproduktion abwandte. Sicherlich spielten die Schulden der Familie, weswegen sie ihr Haus verkaufen musste, hierbei eine entscheidende Rolle. Dadurch konnte die Produktion möglicherweise nicht mehr unter optimalen Bedingungen stattfinden, da entsprechende Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung standen, was eine wirtschaftlichere Herstellung entscheidend beeinträchtigt haben mag. Als weitere Gründe für den schnellen Niedergang der Kartenherstellung der Ungers kommen der mit dem Tod des Bruders Alajos weggefallene wichtige künstlerische Beitrag zum Spielkartendesign (Wunderlich 2011), eigene Krankheit und die Auswirkungen der 1848er Revolution auf die Absatzmärkte und weitere Änderungen in Frage.60 Zweifelsohne dürfte es darüber hinaus wesentlich weniger anstrengend gewesen sein, einen Laden zu betreiben, als dem Kartenmacherhandwerk nachzugehen.61 Die genauen Umstände hierzu sind uns jedoch bislang weder aus Quellen noch aus der Familienüberlieferung bekannt. 149