Arrabona - Múzeumi közlemények 13. (Győr, 1971)

Vörös K.: Städtebau in Győr im Zeitabschnitt des Dualismus

STÄDTEBAU IN GYŐR IM ZEITALTER DES DUALISMUS Vorliegende Studie berichtet über den Städtebau in Győr im Zeitraum zwischen 1867 und 1918. Diese Periode der ungarischen Geschichte wird das Zeitalter des Dua­lismus genannt. Die Bezeichnung bezieht sich auf das dualistische Staatsgefüge der Österreichisch —Ungarischen Monarchie, das nach dem Ausgleich des Jahres 1867 zustandekam. In diesem Zeitabschnitt bildete sich europaweit — so auch in Ungarn — der Kapitalismus heraus und erlebte einen rapiden Aufstieg. Diese Evolution zeitigte naturgemäß auch das schnelle Anwachsen der Städte. In der Stadt Győr vollzog sich in dieser Zeit ein bedeutsamer Wandel. Bis zu den siebziger Jahren war die Stadt der größte Exportmarkt des ungarischen Getrei­des: hier wurde nämlich das aus Südungarn stammende Getreide von den Donau­frachtern in Eisenbahnwaggons umgeladen und über Wien nach Triest beziehungs­weise nach West- und Nordeuropa befördert. Der landweite Ausbau der Eisen­bahnen mit Budapest als zentralem Knotenpunkt, die beachtenswerte Mühlenindust­rie, die sich daraufhin in Budapest herausbildete, hatten Győr bis zum Ende der siebziger Jahre als Umsatzstelle sozusagen ausgeschaltet. Die Bürger der Stadt, die ihren Wohlstand und Reichtum dem Getreidehandel verdankten, ließen nicht lange die Köpfe hängen und wechselten zur Großindustrie über, so daß Győr binnen we­nigen Jahren zu einer imposanten Industriestadt wurde. Sie war durch ihre günstige geographische Lage, guten Verkehrsmöglichkeiten, durch den Wasserreichtum des Donaustromes und seiner Nebenflüsse gleichsam für diese Rolle prädestiniert. Dazu trug noch die kluge Politik der städtischen Führungsspitze, die durch ein ent­sprechend mit Kommunalwerken versehenes Areal die Grundlagen für die Industria­lisierung geschaffen hatte, bei. Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Győr mit einer großen Waggonfabrik, einer Kanonenfabrik, die in der österreichisch —Unga­rischen Monarchie eine der größten war, mit einer vielseitigen Lebensmittelindustrie und einer hochentwickelten Textilindustrie bereits eine der größten Industriestädte des Landes. Diese wirtschaftliche Basis war es, die — verknüpft mit der Zentrali­sierung verschiedener Landes- und regionaler Verwaltungsämter, kultureller und technischer Einrichtungen und Anstalten — die städtebaulichen Aufgaben der Stadt beeinflußte. Unsere Studie behandelt folgende Momente des Städtebaues: 1. 1905 wurde Győr der schon Jahrzehnte mit der Stadt sowohl wirtschaftlich als auch topographisch eng zusammengewachsene, einstige bischöfliche Marktflecken Győrsziget und die am jenseitigen Ufer des kleinen Donauarmes entstandene, jahr­hundertealte Vorstadt Révfalu eingemeindet. Dadurch ist das Areal der Stadt um etwa 9,5 km 2 und die Einwohnerzahl um beiläufig 9500 größer geworden. Mit Győr­sziget wurde der Stadt eine bereits ziemlich „städtische", Gewerbe- und Handel treibende Bevölkerung einverleibt, während die Einwohnerschaft von Révfalu noch einer ländlich-bäuerlichen Beschäftigung nachging. 2. Győr war bereits in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts über ihre mittelalterlichen Stadtmauern hinausgewachsen. Nachdem die einstigen Befestigungs­anlagen geschleift worden waren, setzte eine zwar rasche, aber strukturell durch den Grundriß der mittelalterlichen Stadt gleichsam vorbestimmte Entwicklung der Stadt ein. Erst gegen Ende des Jahrhunderts begann die zeitgemäße Regelung auf­grund der modernen Städteplanung. Es wurden die Hauptrichtungen der Bebauung der Randgebiete festgelegt, während eine Auflockerung der traditionell-mittelalter­Jichen Innenstadt auf die Förderung des zeitgemäßen Verkehrs ausgerichtet war. Der bis zur Jahrhundertwende fertiggestellte und genehmigte Plan ermöglichte in der Folge die organische Eingemeindung von Győrsziget und Győrfalu in das Stadt­gefüge. Gleichzeitig wurden auch — nach langwierigen rechtlichen Auseinander­setzungen — die noch vom Anfang des 19. Jahrhunderts stammenden Bauvorschriften durch neue, zeitgemäße Verordnungen ersetzt. 3. Dieses Bauvorhaben wurde durch die unbedingt notwendige großangelegte Regulierung der im Győrer Stadtgebiet in die Donau mündenden Flüsse Raab und Rabnitz wesentlich beeinflußt, die dank einer massiven staatlichen Unterstützung, gegen Ende des Jahrhunderts beendet wurde. Für die Rabnitz wurde ein neues Flußbett ausgehoben, gleichzeitig ihre Mündung an eine andere Stelle verlegt, alle Flußufer wurden befestigt, die alten Holzbrücken durch moderne Eisenbrücken er­setzt. Es wurden mehrere Landungsplätze für Frachter mit Anschluß an die Eisen­25* 387

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