Arrabona - Múzeumi közlemények 13. (Győr, 1971)

Vörös K.: Städtebau in Győr im Zeitabschnitt des Dualismus

bahnen erstellt. Diese langwierigen Arbeiten waren darauf ausgerichtet, die Hoch­wassergefahr von der Stadt zu bannen und neues Bauland zu erschließen. 4. Die parallel mit dem industriellen Aufstieg der Stadt auflebende rege Bau­tätigkeit begann in den 80er Jahren mit der Ausgestaltung von Stadtteilen mit einer besonderen Funktion. So wurde am Südrand der mittelalterlichen Stadt der Mark­platz stufenweise eliminiert und hier entstand bis zur Jahrhundertwende ein neuer, moderner, repräsentativer Stadtteil mit dem dominierenden Rathaus, dem großen Stadtpark, mit Bauwerken der öffentlichen Hand, mit Schulen und dergleichen mehr. Im östlichen Teil der Stadt, dem jetzigen Industrieviertel, wurden seit den 90er Jahren mit einer unglaublichen Rapidität Fabriksanlagen errichtet. Dessen ungeachtet wurden aber auch am Westrand der Stadt Großbetriebe gegründet. Der südliche Stadtteil, der lange Zeit hindurch sein ländliches Gepräge bewahrt hatte, verwandelte sich allmählich in eine Gartenkolonie mit netten städtisch aussehenden Häusern. Hier wurde neben anderen Institutionen auch das städtische Krankenhaus erbaut. Der allgemeine wirtschaftliche Aufstieg und die immer stärker hervortretende Rolle der Stadt als administrative Zentrale einer großen landschaftlichen Einheit, förderten naturgemäß auch den Wohnungsbau. Neue Häuser mit Mietwohnungen schössen wie Pilze aus dem Boden. Dennoch konnte Győr — entgegen zahlreichen äderen ungarischen Städten — (und abgesehen von kleineren Einbußen) ihre histori­schen Denkmäler bewahren, es blieb auch die mittelalterliche Konstruktion der Innenstadt und auch das in die Vergangenheit weisende Stadtbild erhalten. Der be­schleunigte Wohnungsbau war — bedauerlicherweise — nur für die wohlhabenden Klassen vorteilhaft. An der Peripherie gibt es auch heute noch zahlreiche alte, ungesunde, feuchte, manchenortes sogar übervölkerte Wohnungen, die obendrein auch noch verhältnismäßig teuer sind. Glücklicherweise begannen aber die Großbetreibe mit dem Bau von Gesellenherbergen und Wohnsiedlungen für die Belegschaft. Schließlich hatte die Baufreudigkeit ein ganz neues Stadtbild geschaffen: neben der mittelalterlichen Altstadt entstanden — wie gesagt — das Rathaus und die verschiedenen öffentlichen Bauwerke im Stil der Jahrhundertwende, in einigen Vororten erschienen Einfamilienhäuser mit Gärten und auch die Industrieviertel tragen den unverkennbaren Stempel ihrer Entstehungszeit. Was das Stadbild, die Größe und das Baumaterial der Häuser betrifft, war Győr zur Zeit des Ersten Welt­kriegs eine der „urbansten" Städte unter den ungarischen Provinzstädten. 5. Die wichtigsten Grundelemente der modernen Urbanisation sind zweifelsohne die Kommunalwerke. Vor Jahrhunderten schon besaß die Stadt eine Kanalisations­anlage, die sich aber nur auf einen kleinen Teil der Stadt erstreckte. Der Bau einer modernen weitläufingen Kanalisation begann gegen Ende der 80er Jahre, die schon damals auch für die künftig zu bebauenden Stadtteile geplant war. 1908 betrug die Lange der Kanäle 28 km, das heißt, daß praktisch die ganze innenstadt und das In­dustrieviertel kanalisiert war. 1883 entstand das erste Wasserwerk der Stadt, das nach sukzessiven Erweiter­ungen im Jahre 1908 ein 8 km langes Hauptrohr und 87 km lange Verteilungsrohre hatte, mit anderen Worten: 7070 Wohnzimmer und 22 Fabriken konnten mit Wasser versorgt werden. Die Erweiterung des Wasserleitungsnetzes war aber erst nach 1898 möglich, als die Stadt das Wasserwerk in Eigenbetrieb übernahm und neue Wasser­quellen erschlossen werden konnten. 1908 lieferte die städtische Wasserleitung bereits eine Million Kubikmeter Trinkwasser, aber bis zum Ersten Weltkrieg war das Wasser noch immer sehr teuer. 1868 wurde das städtische Gaswerk in Betrieb genommen, in erster Linie, um Leuchtgas zu erzeugen. Doch konnte die Leuchtgas-Gesellschaft den Gasbedarf der Einwohnerschaft — wegen einer für die Stadt unvorteilhaften Konzession — nicht decken. 1911 übernahm die Stadt nach Bezahlung des Ablősungsbetrags die Gasfabrik. Mit einer beträchtlichen Investition wurde sie modernisiert und vergrößert, so daß bei der Stadtbeleuchtung bis zum Ersten Weltkrieg das Gas vorherrschte. Den elektrischen Strom, den seit 1904 das städtische Elektrizitätswerk erzeugte, wollte man in erster Linie für die Beleuchtung der Wohnungen und für Industriezwecke verwenden. Durch den preiswerten elektrischen Strom — den billigsten in der ganzen Monarchie — sollte die Győrer Industrie einen erneuten Auftrieb erhalten. Was den Stromverbrauch der Győrer Industrie betrifft, stand sie 1908 in Ungarn an fünfter Stelle. Infolge der tiefgreifenden Industrialisierung war auch die Modernisierung der Feuerbekämpfung aktuell geworden. Gestützt auf die Erfahrungen, die man bei den 388

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