Arrabona - Múzeumi közlemények 12. (Győr, 1970)
Lengyel A.: Beiträge zu der Geschichte der Győrer Arbeiterbewegung
BEITRÄGE ZU DER GESCHICHTE DER GYÖRER ARBEITERBEWEGUNGEN Nach dem Pariser Kongreß der Zweiten Internationale im Jahre 1889 machte sich auch bei der Győrer Arbeiterbewegung eine gesteigerte Aktivität bemerkbar. Die Verwaltungs- und Sicherheitsbehörden hatten bereits im voraus die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, damit am 1. Mai keine Versammlungen und demonstrativen Umzüge veranstaltet werden können. Seit 1890 enthielten die Verordnungen von Jahr zu Jahr immer mehr und strengere Einschränkungen, so daß sich die Belegschaften der Gyorer Schiffswerft und verschiedener Maschinenfabriken diesbezügliche Gesuche einreichten, die aber vom städtischen Polizeipräsidium der Reihe nach abgelehnt wurden. Dennoch fand die Győrer Arbeiterschaft Mittel und Wegü, um in aller Stille feiern zu können. Alljährlich fanden sich die Werktätigen in kleineren-größeren Gruppen im újvárosi Komló-kert, (im neustädtischen Hopfengarten) ein, um der Bedeutung des Tages zu gedenken. 1894 standen bereits die Truppen von zwei Kasernen im Bereitschaft und das Polizeipräsidium unterbreitete dem Innenminister ein Ansuchen, in dem eine wirksamere Kontrolle der Arbeitervereinigungen gefordert wurde. Alsbald schon kam der Zirkularerlaß an, dem eine ganze Kette von Maßnahmen folgen sollte. In rascher Folge erschienen die streng vertraulichen Verordnungen auch bei der Komitatsführung, da der Obergespan festgestellt hatte, daß die bedrohlichen Lehren bereits in die Kasernen eingedrungen waren und die Truppen „verseuchten". Die Agitationstätigkeit dieser Epoche war tatsächlich erfolgreich, obwohl organisierte Demonstrationen wegen der drakonischen Maßregeln der Bánffy-Regierung nicht veranstaltet werden konnten. Auch in Győr waren Verhaftungen und Abschiebungen sehr häufig und beeinträchtigten zweifellos die Aktionsfähigkeit der Arbeiterschaft. Dennoch gelang es nicht, die Entschlossenheit der Industrie- und Agrarproletarier zu brechen, geschweige denn allmählich verkümmern zu lassen. Dies ist auch durch die Tatsache bezeugt, daß die Győrer Eisen- und Metallarbeiter am 1. August 1897 eine Volksversammlung abhalten wollten. Auf dem Lande wurde eine großangelegte Propaganda gestartet, um die Kleinbauern und Feldarbeiter dafür zu gewinnen. Im September trat die Arbeiterschaft der Győrer Waggonund Maschinenfabrik — die erst jüngst den Betrieb aufgenommen hatte — in den Ausstand. Zwar dauerte der Ausstand nur einen Tag, aber die Kunde verursachte in Regierungskreisen große Bestürzung und Unruhe, umso mehr, da sich die Lage auch in den folgenden Wochen nicht entsoannte. Hinzu kam noch, daß im Herbst 1897 die Arbeiterschaft verschiedener Betriebe eine großangelegte Volksversammlung veranstaltete. Aus den Gemeinden Győrsziget, Révfalu und Győrszentiván wurde eine rege aufrührerische Bewegung gemeldet. Alsbald waren auch schon die Gegenmaßnahmen getroffen. Die Betriebsleitung der Waggonfabrik brach ihr Versprechen und entließ die Arbeiter, die im September am Ausstand teilgenommen hatte. Von der Bánffy-Regierung kamen immer strengere Verhaltungsmaßregeln, vornehmlich als gemeldet wurde, daß in den Gemeinden Győrszentiván, Szemere und Rábapatona eine rege organisatorische Tätigkeit beobachtet wurde. Diese Tatsache war umso besorgniserregender, weil um diese Zeit die vom Győrer Domherrn Sándor Gießwein geleitete christlichsozialistische Organisation immer mehr und mehr erstarkte und 7U befürchten war, daß auch diese Arbeiter von der Strömung des Sozialismus erfaßt und mitgerissen werden. Gewiß war die Reihe der getroffenen Vorsichtsmaßregeln wirksam, das Wagnis groß, aber die Bewegung büßte nichts von ihrer Intensität ein, obwohl inzwischen einige weniger ereignisreiche Wochen verstrichen waren. Im Frühjahr 1898 wurde in der Gemeinde Tét eine — zahlenmäßig zwar kleine Volksversammlung mit Brachialgewalt auseinandergetreiben ; in Koroncó. Rábapatona wurden systematisch geheime Zusammenkünfte abgehalten. Ob^war in Győr relativ Ruhe und Ordnung herrschte, gaben sich die zuständigen Behörden nicht der Hoffnung hin, daß die Gefahr endgültig gebannt sei. Die neuen, zusätzlichen Verordnungen dienten der Einschüchterung. Die strenge Überwachung der Arbeitervereinigungen, ein vom Gyorer Gerichtshof gegen Sozialisten eingeleitetes Prozeßverfahren gehören diesem Kapitel der Kraftanstrengungen an. Aber die unter der Asche glimmende Glut der Unzufriedenheit und Erbitterung wartete nur auf den geeigneten Augenblick, um erneut aufzulodern. Vergebens sandten die Verwaltungsbehörden Gyors ihre beschönigenden und seblsbetrügerischen Referate an das Budapester Ministerium am 24. August 304