Arrabona - Múzeumi közlemények 5. (Győr, 1963)
A. Uzsoki: A Chain for Captives from the Period of Turkish Rule in the Xántus János Museum
EINE TÜRKENZEITLICHE SKLAVENKETTE IM XÁNTUS JÁNOS MUSEUM Vor einigen Jahren fand man bei der Flußbettbaggerung des Pándzsa-Baches in der Umgebung von Győr eine Sklavenkette mit aufgereihten Fesseln (Abb. 1). Die Funde wurden im Museum von Győr eingeliefert. An der 450 cm langen Kette sind fünf, mit Scharnieren versehene Halsfesseln (Halsringe) aufgereiht. An dem einen Ende der Kette befindet sich ein Eisenring, am anderen ein zylinderförmiges Hängeschloß. (Abb. 2). An Hand von Analogien, die sich in der Sammlung des Xántus János Museums befinden, kann das Fesselschloß auf das Ende des 16., bzw. auf den Beginn des 17. Jahrhunderts datiert werden. Bei einem Überblick der zeitgenössischen Darstellungein sahen wir, daß die Türken ihre Gefangenen in Gruppen von 4—6 oder 8—10 Personen aneinanderkoppeln und von Reitern wegführen ließen. Ein Holzschnitt aus dem Jahre 1595 (Abb. 3) zeigt einen türkischen Reiter, der die ungarische Bevölkerung an einem, um den Hals der Gefangenen gebundenen Strick fortschleppt. Diese Darstellung bezeugt, daß an Ketten aufgereihte Halsfesseln während der Türkenzeit gebräuchlich waren. Der Pressburger Bürger János Ferdinand Auer geriet 1663 in der Schlacht bei Párkány in türkische Gefangenschaft und verbrachte 11 Jahre in dem berüchtigten Verlies unter den „Sieben Türmen" von Konstantinopel. In einem Tagebuch steht verzeichnet, daß er und seine Gefährten mit Halsringen aneinandergekoppelt außer Land eskortiert wurden, und daß er auch unterwegs ähnliche Sklavenzüge wandern sah. János Miklós Kovács, ein Soldat der Burgwache von Győr, der 1789 von den Türken gefangengenommen wurde, sah auch im Verlies von Belgrad derartige Sklavenketten mit Halsfesseln. Der Name dieser Sklavenketten ist uns nicht bekannt. Auer bezeichnet die Halsfesseln einfach mit dem Wort „Ring". In den Inventarverzeichnissen der ungarischen Burgen begegnet zuweilen das türkische Wort „csincser". Die erstmalige Erwähnung stammt aus dem Jahre 1564: „Très catene tenues ad Chynchyer pertinentes", d. h. drei dünne Ketten für Halsringe. Daraus folgern wir, daß die auf Ketten aufgereihten Hand- und Halsfesseln „csincser" hießen und diese Bezeichnung vermutlich türkischer Ursprungs ist. Wir datieren die türkische Sklavenketten mit den aufgereihten Halsringen auf das Ende des 16. oder den Beginn des 17. Jahrhunderts. Die Slavankertte, die derzeit einzig in ihrer Art ist, und in den ungarischen Museen keine Analogien hat, ist eine erschütternde Reliquie der Türkenherrschaft in Ungarn. * * * A. lUzsoki A CHAIN FOR CAPTIVES FROM THE PERIOD OF TURKISH RULE IN THE XÁNTUS JÁNOS MUSEUM In course of dredging the bed of the Pándzsa-ér in the territory of Győr, a few years ago shackles attached to a chain (Fig. I) were found. The objects were handed over to the Xántus János Museum. To an iron chain of 450 cm length 5 shackles are attached, movable by hinges and suitable for human necks. At one end of the chain there is an iron ring, at the other end a cylindrical fetter lock (Fig. 2). The collection of the Győr Museum preserves some locks similar to that forged to the chain; they make a dating to the end of the sixteenth or the beginning of the seventeenth century possible. As to the use of the chain we are informed by contemporary illustrations. In the time of Turkish domination people made prisoners were led in groups of 4 to 6 or 8 to 10, attached to mounted soldiers. A wood-cut published in 1595 (Fig. 3) shows a Turkish horseman, leading Hungarian prisoners bound by their necks. This illustration is a proof for the manner in which the chain with shackles of Győr may have been used. János Ferdinánd Auer, a burgess of Pozsony, was made á" prisoner by the Turks in the battle of Párkány in 1663, spending 11 years of captivity in the Yedicuia of Constantinople. He recounts in his diary that he and his fellow-prisoners were bound to a chain with fetters by their necks, and this was a method he »saw in several instances elsewhere. János Miklós Kovács, a soldier in Győr," was equally made prisoner by the Turks in 1789; he saw a similar chain in the prison of Belgrade. 201