Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. A Szent István Király Múzeum Évkönyve. 34. 2004 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (2005)

Tanulmányok – Abhandlungen - Fitz, Jenő: Gorsium–Herculia. Teil I: Forschungen 2. XXXIV. p. 45–80. T. I–XVIII.

RIU 1533 (Taf. XVIII., Fig. 58.) [ | - -]/ Magn[- -] | pro salute | templensium \ L(ucius) Virius L(uci) f(ilius) Mer\cator sacerd(os) \ v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito). Der Ausdruck templensis verleiht der Inschrift eine be­sondere Bedeutung, was soviel bedeutet, wie zum Tem­pel, zum heiligen Bezirk Gehörende. Der zeitgenössische Ausdruck bestätigt die Bauarbeiten im 2./3. Jahrhundert, die Tempel und die großen Hallen. Diese Benennung des heiligen Bezirks gab die Möglichkeit zur Auflösung der bisher nicht deutbaren Abkürzung TEMPI in Zeile 2 der den Mark-Aurel-Tempel erwähnenden Inschrift (Fitz 1996, 31). Die Inschrift ist aus der Basis einer Säule zum Vorschein gekommen, sie wurde im 4. Jahrhundert bei den Bauarbeiten von Gebäude IV nicht sekundär benutzt. Die Basis gehörte in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts zu einer aus zehn Säulen bestehenden Reihe, die während der Markomannenkriege zerstört wurde. Ende des 2. und zu Beginn des 3. Jahrhunderts - gleichzeitig mit dem Wiederaufbau des Forums und des zentralen Tempels durch Septimius Severus - wurden zwei zu der Säulenrei­he gehörende Basen in die Nordwand eines dreizeUigen, an seiner östlichen Seite mit sechs Säulen verzierten Tempels (Gebäude XXVII) eingebaut. Die nicht abgeris­sene, an ihrem ursprünglichen Standort belassene Basis ragt etwas aus der Wandebene heraus. Die Inschrift ge­hörte vermutlich zu dem in dem Heiligtum ausgeübten Kult. In diesem Fall konnte sie in der Tempelperiode um die Jahrhundertwende in den Stein gemeißelt worden sein. Die Inschrift wurde von G. Alföldy als Dis Magn[is] gelesen. Sie zeugt von dem Kult um einen Gott, dessen Namen in Pannonién bisher auf einer einzigen Inschrift vorkommt (CIL III, 3292 = ILS, 4011). Allerdings macht das Buchstabenfragment zu Beginn der erhalten gebliebe­nen Gorsiumer Inschrift eine Lesung als Dis nicht mög­lich. Der erste Buchstabe der Zeile kann ein С oder S sein. Aufgrund der in der Nähe gefundenen Silvanus-Altare und der Skulpturen kam - angeregt durch den aus Aquin­cum bekannten Silvanus-Magnus-Kultes - die Ergänzung als Sil(vanus) Magnus auf (Póczy 1999, 201-223; - Fitz 2000, 162). Auf dieser Grundlage wurde die Annahme in Erwägung gezogen, dass der an der Westseite des Forums stehende dreizellige Tempel - gegenüber dem Tempel der zum Gott erklärten Kaiser - eventuell den Götter der einheimischen Bevölkerung Pannoniens geweiht worden war. Die eindeutige Lesung des mschriftbruchstückes steht noch aus. Der erste Buchstabe von Zeile 2 scheint zuallererst ein С zu sein, so dass am Zeilenanfang eventu­ell c[ia]e gestanden haben kann. 72 Unabhängig von der unsicheren Ergänzung wurde die Inschrift zum Heile der - sacerdotis des Tempels - zum heiligen Bezirk Gehö­renden aufgestellt. 73 Von den zehn Inschriften waren zwei im 18. Jahrhun­dert nach Sárpentele gebracht worden. Beide sind von bestimmender Bedeutung. Die kaiserliche Wiederherstel­lung des Tempels ist auf jeden Fall von ausnahmsloser Wichtigkeit und einmalig in Pannonién. Die Gottheit, die in seinen Mauern verehrt wurde, änderte sich nach seinem Wiederaufbau nicht, ihre Person in unzertrennlich von der trajanzeitlichen Gründung des heiligen Bezirks. Die ande­re Gorsiumer Inschrift aus Sárpentele stellt ein Dokument über den Besuch des Septimius Severus im Jahre 202 in Pannonién und in Gorsium dar. Sie ist ein Beweis dafür, dass aus diesem Anlass die gesamte Dolichenus­Priesterschaft der Provinz zusammen gekommen war (Tóth, I. 1976, 41-68). Die kaiserliche Tempelwiederher­stellung und die Zusammenkunft der Priesterschaft wei­sen auf ein besonders wichtiges, herausragendes staatli­ches Ereignis hin. Die dritte Inschrift, die in Gorsium zum Vorschein gekommen ist, war zum Heile der templenses, der zum heiligen Bezirk Gehörenden, aufgestellt worden. Diese Angabe bestimmt den Charakter der beiden vorigen Inschriften: Die Ereignisse fanden in der Area sacra statt. Das andere Vorkommen der templenses auf der den Tem­pel des göttlichen Mark Aurel anfuhrenden Inschrift macht eindeutig, dass die in Stuhlweißenburg gefundene, den Mark-Aurel-Tempel erwähnende Inschrift ihren Ur­sprung ebenfalls in Gorsium hat. Der Tempel stand im heiligen Bezirk des Kaiserkultes. 74 Ohne die Bestimmung der in diesem Tempel verehrten Gottheit anzustreben, genügt es, auf die oben angeführten Inschriften hinzu­weisen, auf denen der Name Iuppiter Optimus Maximus Teutanus zu lesen oder anzunehmen ist, weiterhin auf das Relief des Cernunnos. Zwei Inschriften aus dem 3. Jahrhundert führen den Genius provin­ciáé Pannóniáé an {CIL III, 4168, 10 596). Als Möglichkeit tauchte - unter Berücksichtigung einer fehlenden Zeile - die Ergänzung in der Form von [Genio provin]c[ia]e magn[ae] auf. - Die Lesung der in der östlichen Räumlichkeit von Gebäude II in großen Mengen ge­fundenen Ziegelsteine mit dem Stempel TE PR in der Form von te(mpli) pr(ovinciae) (Fitz 1972a, 41; - Lörincz 1976, 178-180) haben wir hier - mit Rücksicht auf andere Lesungsmöglichkeiten ­nicht in Betracht gezogen. Die Lesung der in großen Mengen in der östlichen Räumlichkeit von Gebäude VII zum Vorschein gekommenen Ziegelsteine mit dem Stempel TE PR in der Form von te{mpli) pr{ovinciae) (Fitz 1972a, 41 ; - Lörincz 1976, 178-180) haben wir hier - mit Rücksicht auf an­dere Lesungsmöglichkeiten - nicht in Betracht gezogen (Beszédes ­Mráv - Tóth, E. 2003, 158-159). - Für eine Herkunft der Inschriften aus Aquincum existiert kein Beweis, genauso wie es auch keinen Beweis dafür gibt, dass der heilige Bezirk des Kaiserkultes der Pro­vinz in Aquincum gewesen wäre. 66

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