Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 14. 1973 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1975)
Közlemények – Mitteilungen - Kovács Péter: Der königliche Palast von Székesfehérvár. XIV, 1973. p. 343–346.
DER KÖNIGLICHE PALAST VON SZÉKESFEHÉRVÁR Mit der Veröffentlichung eines anonymen Aufsatzes in der Wissenschaftlichen Sammlung („Tudományos Gyűjtemény") 1818 dürfte die Forschung der mittelalterlichen Topographie von Székesfehérvár (Stuhlweißenbürg) begonnen haben( x ). Die seither vergangene Zeit von mehr als anderthalb Jahrhunderten brachte im wesentlichen nichts neues und konnte dem Bild, welches der anonyme Autor über den königlichen Palast aufgezeichnet hatte, nichts hinzufügen und ihm auch nichts nehmen. Alle Forscher betrachteten das Vorhandensein des Palastes als evident und beriefen sich zumeist auf die Feststellungen zeitgenössischer oder früherer Werke, wenn es darum ging, den Standort und die Erscheinungsform des Palastes zu beschreiben^). Mithin setzte sich im wissenschaftlichen Bewußtsein folgenge Vorstellung fest: 1. Der Palast stand wahrscheinlich gegenüber der Marienbasilika, dort, wo im 18. Jh. die Franziskanerkirche errichtet wurde; 2. die Front war mit einem oder zwei Türmen geschmückt. Auch die Urquelle dieses Bildes ist im erwähnten Aufsatz der Wissenschaftlichen Sammlung zu finden. Im Gebäude des Stadtrates, so der unbekannte Verfasser, gibt es ein „altes" Bild, welches Székesfehérvár darstellt; an beiden Seiten des Bildes sind auch die Namen der seit 1688 amtierenden Stadtrichter aufgeschrieben. Dieses Bild existiert heute noch( 3 ), und wollten wir es als authentische Quelle akzeptieren, so müßten wir das Gesagte als genaue Beschreibung des königlichen Palastes auffassen. Nur wurde dieses Bild Mitte des 18. Jh. nach einem oft kopierten und im 17. Jh. weitverbreiteten Stich Sibmachers gemacht, der als Ausgangspunkt zum eigenen Perspektivbild — wie bereits vielfach erwiesen( 4 ) — einen um wenige Jahre älteren und die Silhouette von Székesfehérvár darstellenden Stich von Wilhem Dilich benützt hatte. Genauer als von Sibmacher wurde Dilich von W. P. Zimmermann kopiert, dessen Schlachtszenen von Székesfehérvár im 17. Jh. ebenfalls weitverbreitet (1) Régi Székes Fejérvárról Jegyzetek; TGY, 1818, 6. (2) Dazu ausführlicher: P. KOVÁCS, Megjegyzések Székesfehérvár középkori topográfiájának kutatásához (Bemerkungen zur Forschung der mittelalterlichen Topographie von Székesfehérvár). Alba Regia, XII, 1971, 261-267. Auch die einschlägige Literatur wird darin erörtert. (3) Székesfehérvár, Stadtrat, Amtsraum des Vorsitzenden. (4) Zusammenfassender Bericht über die Stiche von Székesfehérvár und die, einschlägige Literatur: P. KOVÁCS, Székesfehérvár első látképei a XVI — XVII. században. (Die ersten Abbildungen von Székesfehérvár im IG.-17. Jahrhundert). Építés —Építészettudomány, V, 1973, No 3-4, 425-432. waren. Ein französischer Stich aus der Zeit um 1601, der erst neuerdings in das Blickfeld der Forschung rückte, ließ jedoch die Vorstellungen über die Stadt unbeeinflußt^). Ebenso wie der Stich von Dilich dürfte auch das letztere Bild nach einer Originalzeichnung gemacht worden sein. Dilichs Stich hatte keine Legende, doch nach dem ihn kopierenden Stich Zimmermanns wird auf allen späteren Darstellungen die das Stadtbild beherrschende doppeltürmige, gotische Kirche als „Thurm Kirche" oder „Dom Kirche" bezeichnet. Mit ähnlicher Bezeichnung erscheint diese Kirche auch bei Sibmacher, doch ist hier ihr gegenüber auch ein in Flammen stehendes Gebäude mit Türmen zu sehen, laut Legende „Die Burgk". Die spätere Forschung hat dieses Gebäude mit dem Palast, und den „Dom" mit der ehemaligen Marie nbasilika identifiziert. Dilichs Zeichner mochte seine Skizzen von Székesfehérvár um 1593, während der damaligen Geplänkel., gemacht haben. Der ursprüngliche Aufnahmepunkt des Zeichners läßt sich auch heute bestimmen; Lichtbilder, die von diesem Punkt aufgenommen wurden, sprechen entschieden gegen eine Gleichsetzung der aus dein Stadtbild emporrangenden zweitürmigen Kirche mit der Marienbasilika. Viel wahrscheinlicher handelt en sich um die mittelalterliche Peter-Paul-Pfarrei, d.h. um den heutigen Bischofsdom. Die Basilika stand am tiefsten Punkt der Stadt, und vom besagten Aufnahmepunkt waren höchstens die Türme oder gar nur ihre Dächer zu sehen. Die Geste des einstigen Legendenschreibers, das anscheinend größte und bedeutungsvollste Gebäude mit dem Wort „Dom" bezeichnet zu haben, dürfte als selbstverständlich gelten. Wenn Zimmermanns bzw. Dilichs zweitürmige Kirche nicht die Basilika ist, so kann es Sibmachers Kirche schon gar nicht sein. Warum sollte aber in diesem Falle das ihr gegenüberstehende brennende Gebäude der königliche Palast sein? Zu verläßlicher wird die mittelalterliche Innenstadt von Székesfehérvár auf dem bereits erwähnten französischen Stich aus 1601 dargestellt. Die „große" Kirche der Stadt, mit dem Buchstaben Q bezeichnet, kann schon wegen ihrer topographischen Lage mit der Marienbasi(5) Ibid.; J. FITZ, Francia metszet Székesfehérvár 1601 évi ostromáról (Französischer Stich von der Belagerung von Székesfehérvár im Jahre 1601). Alba Regia, VIII-IX, 1968, 149-154. 343