Gunda Béla et al. (szerk.): Ideen, Objekte und Lebensformen. Gedenkschrift für Zsigmond Bátky - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 29. (Székesfehérvár, 1989)

László Lukács: Feuerstätten im ost-transdanubischen Haus

möge ständig urgieren, auf daß die von innen mit Lehm verputzten Rauchfänge, die eine ständige Feuergefahr bedeu­ten, baldmöglichst mit aus Ziegelsteinen gebauten Schorn­steinen ersetzt werden. Der Beauftragte des Rates soll mit dem Rauchfangkehrer jeden Monat die Feuerstätten und Rauchfänge überprüfen.“ (Jenei 1968, 186—187). Laut Archivangaben standen in Székesfehérvár um die Wende des 17. zum 18. Jh. Holzhäuser sowie Häuser mit Ziegel­stein- oder Lehmmauern, die ein Schilf- oder Strohdach mit hölzernem Rauchfang hatten (Juhász 1933, 25). Die städtische Bau-Ordnung des 18. Jh. verfügte dahingehend, daß die Rauchfänge der Holzhäuser aus Ziegelsteinen um­gebaut werden müßten. Im Jahre 1753 gab die Stadt Ziegelsteine zum Umbau, im Bedarfsfall sogar auf Kredit. András Borsányi, der 1780 einen Feuerschaden erlitt, be­kam von der Stadt Ziegelsteine als „Almosen“, um seinen Schornstein zu reparieren. (Kállay 1971, 83). Der innere Stadtrat erließ wiederholt Anweisungen über den Umbau der hölzernen Rauchfängen und drohte unbotmäßigen Bürgern, Insassen oder Hintersassen sogar den Abbruch ihrer Behausung an. Im Jahre 1712 wurden in Székesfehér­vár der Maurermeister und der Rauchfangkehrer der Stadt mit der feuerpolizeilichen Beaufsichtigung der Rauchfänge, Öfen und offenen Feuerstätten beauftragt. 1764 betätigte sich bereits eine Untersuchungskommission, bestehend aus einem Mitglied des inneren Rates, dem Rauchfangekehrer und dem Maurermeister der Stadt, dem Viertelmeister sowie einem der jüngsten Bürger des betreffenden Stadtteiles. Später oblag die Beaufsichtigung der Schornsteine dem städtischen Rauchfangkehrer (Juhász 1933, 26—27). Laut Zusammenschreibung der Handwerker aus 1784 betätigte sich in Székesfehérvár ein einziger Rauchfangkehrer, na­mens Carl Riwa (Varga 1968, 265). Früher fanden auch im östlichen Transdanubien die innen und außen lehmverputzten Rauchfänge mit Holz­gerüst und Gertengeflecht Anwendung. Ein Aquarell im deutschen Skizzenheft aus 1822, auf bewahrt im Budapes­­ter Ethnographischen Museum, stellt ein Haus mit einem solchen offenen Rauchfang aus Adony an der Donau (Kom. Fejér) dar (Kresz 1956, 140 und Taf. 31). Der außerhalb des Daches stehende Teil des lehmverputzten Rauchfanges war an beiden Seiten mit einem steilen Rohr­oder Strohdach vor Feuchtigkeit geschützt. Der Schorn­steinkopf war aus Brettern oder Schindeln. Manche dieser offenen Schornsteine erlebten noch die Mitte oder gar das letzte Drittel dieses Jahrhunderts. In Dunapentele (Kom. Fejér) photographierte und zeichnete Aurél Vaj­kai im Jahre 1951 den „lehmverputzten Schornstein aus Gertengeflecht“ auf dem Haus der Frau Ferenc Hingyi. Im selben Jahr schrieb Éva Veress über die Häuser von Dunapentele wie folgt: „Die Küchen wurden in den angehenden Zwanzigerjahren überdacht, aber es gibt auch heute noch verhältnismäßig viele offene Küchen. Der Schornstein ist bis zum Jahrhundertende aus Gerten­geflecht, mit Lehm verputzt, seither eine Kombination von Backstein un Lehmziegel“ (1951, III.). Márton Rekenye erinnert sich 1960 folgendermaßen an die alten Küchen von Dunapentele: „Eine Küche ohne Schornstein gibt es bei uns nicht. Auch früher hat es solche nicht gegeben, selbst die Rauchfänge aus Geflecht mußten mit Backstein umgebaut werden. So lautete die Verordung, denn man fürchtete, das Dorf würde niederbrennen.“ (Sergö 1960, 12.) In Baracs (Kom. Fejér) erinnerten sich Gewährsleute 1962 anläßlich der Datensammlung zum Atlas der Ungarischen Volkskunde, daß man früher im Dorf auch Rauchfänge aus Gertengeflecht und Schilfrohr baute. Meine Gewährsleute bestätigten auch in Sárke­resztes (Kom. Fejér) den ehemaligen Gebrauch der innen und außen lehmverputzten Rauchfänge aus Gertengeflecht. Wegen des sporadischen Vorkommens war der Gebrauch bzw. die Errichtung dieser als feuergefährlich bezeichneten Rauchfänge bereits in den Baustatuten des Komitats Fejér aus dem Jahre 1912 verboten: „Jedes Wohnhaus, einschließlich der bereits stehenden Wohnhäuser, ist mit einem Schornstein zu versehen, der nur aus feuerfestem Material gebaut werden darf. Die Errichtung von Rauch­fängen mit Holzkonstruktion oder aus Geflecht und Schilfrohr ist nicht gestattet.“ (Szüts 1913, 508). Neben den wenigen Rauchfängen mit Holzkonstruktion wurden die meisten offenen Schornsteine im Komitat Fejér auch früher schon aus ungebrannten Ziegeln und Backsteinen gebaut. Über die Auswirkung des Erdbebens vom 9. Mai 1814 vermerkte der evangelische Pastor von Bakony­­csernye folgendes: „Wir erfahren auch, daß in Isztimér drei Schornsteine abgestürzt sind.“ (Heiczinger 1974, 186.) Darunter sind gewiß Schornsteine aus Lehmziegeln und Backsteinen zu verstehen, da die Rauchfänge mit Holzgerüst dem Erdbeben widerstanden hätten. Die Adelsversammlung des Komitats Tolna faßte 1725 in Simontornya folgenden Beschluß: „Es wurde 89 Abb. 9.: Kesselofen. Sárbogárd, Petőfi Str. 21. Abb. 8.: Offener Herd. Sárbogárd, Petőfi Str. 21.

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