Gunda Béla et al. (szerk.): Ideen, Objekte und Lebensformen. Gedenkschrift für Zsigmond Bátky - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 29. (Székesfehérvár, 1989)
László Lukács: Feuerstätten im ost-transdanubischen Haus
FEUERSTÄTTEN IM OST-TRANSDANUBISCHEN HAUS Die Typologie der Wohnhäuser im ungarischen Volksgebiet verdanken wir Zsigmond B á t k y (1930,113—117 ; 1938, 247—262). Aufgrund der Feuerstätten unterscheidet er 1. ostungarische oder siebenbürgische, 2. nordungarische oder Palotzen-, 3. südungarische oder nieder-transdanubische, 4. westungarische oder mittel-transdanubische, 5. mittelungarische oder tiefländische Haustypen. Um die Jahrhundertwende gehörten den beiden ersteren Typen die Häuser mit einer Feuerstätte (ein Raum, mit Kamin bzw. Ofen), den drei letzteren die Häuser mit zwei Feuerstätten (2 Räume, mit Herd und Ofen) an. Im Abschnitt über Volksarchitektur bemerkt B á t k y in seinem Werk A magyarság néprajza (Volkskunde des Ungartums): „Hinsichtlich ihrer inneren Gestaltung und ihrer Aufteilung gehören unsere Bauernhäuser im großen und ganzen zu den wenigen europäischen Haustypen und Hauskulturbereichen an, die von Völkern und Ländern mehr oder weniger unabhängig sind” (1933, 174). In dieser Beziehung war für B á t k y das Werk Hauslandschaften und Kulturbewegungen im östlichen Mitteleuropa von Bruno Schier von größter bedeutung (1932). In einer Rezension, die einer Abhandlung gleichkam, würdigte er diese wirkungsvolle Arbeit, ergänzte sie mit ungarischem Material und neueren Gesichtspunkten und bezog sich auch später nicht selten darauf (1934, 17—26; Gunda 1978, 86—87). Laut Bruno Schier erstreckt sich zwischen der osteuropäischen Hauslandschaft mit Kochofen und der mitteleuropäischen mit offenem Herd zwischen dem östlichen Teil Skandinaviens und Slowenien eine breite Mischzone, gekennzeichnet durch Mischformen bestehend aus dem Kochofen und dem davor stehenden offenen Herd (Schier 1966, 186, 216). Auch Ungarn gehörte in diese Mischzone, wo in den Städten sowie in Landsitzen des Adels im 15.—16Jh. in der Großen Ungarischen Tiefebene, in Transdanubien und in der Kleinen Tiefebene in den Häusern des Gemeinvolkes im 17.—18 Jh. auch der aus oberdeutschem Gebiet stammende Heizofen mit Hinterladerprinzip oder der Kachelofen vorherrschten. Dadurch entstand an Stelle des bislang gebräuchlichen Häuser mit einer Feuerstätte das haus mit zwei Feuerstätten, mit dem Wärm- oder Kachelofen in der Stube, heizbar von der Küche her, und einem offenen Herd in der Küche (Schier 1966, 216; Barabás-Gilyén 1987, 89; Bátky 1934, 18—20). In diesem Gebiet, gekennzeichnet durch Mischformen der Feuerstätten und seit dem Spätmittelalter auch westlichen, mitteleuropäischen Kultureinwirkungen ausgesetzt, bestimmte Zsigmond Bátky die fünf ungarischen Haustypen mit einer für Generationen anhaltender Gültigkeit. Seine Haustypologie wurde auch von der modernen Forschung der ungarischen Volksarchitektur akzeptiert. In der jüngsten einschlägigen Zusammenfassung von Jenő Barabás und Nándor G i 1 y é n werden außer den Feuerstätten sämtliche morphologische Wesenszüge des Wohnhauses beachtet und infolgedessen außer den fünf Haustypen B á t k y s noch weitere zwei umgrenzt: die Hauslandschaft der Kleinen Ungarischen Tiefebene und der Szamos-Gegend (Barabás-Gilyén 1987, 167—172). Auch Bátky hielt übrigens eine Ausdehnung der Varianten im Ergebnis weiterer gründlicher Forschungen für wahrscheinlich: „Durch die Einbeziehung anderer Merkmale können diese Typen in kleinere Varianten aufgeteilt werden, sofern auch die Wechselwirkungen nachweisbar sind und die vorerst wahrscheinlichen Schlußfolgerungen auf solidere Grundlagen gestellt bzw. modifiziert werden können“ (1930, 136). Durch die Tätigkeit B á t k y s erfuhr in Ungarn die Erforschung der Feuerstätten des Wohnhauses einen echten Aufschwung: In den 1930er Jahren erschienen in der von ihm redigierten Zeitschfrift Néprajzi Értesítő (Anzeiger der Ethnograpischen Abteilung des Ungarischen National-Museums) der Reihe nach die Beschreibungen der Feuerstätten der einen oder anderen Landschaft. Im selben Blatt erschienen auch Berichte über archäologische Grabungen in Dörfern, die während des Mongolensturmes oder der Türkenzeit zerstört wurden; daraus bezogen ungarische Volkskundler ihre Kenntnisse über die Feuerstätten des ungarischen Wohnhauses im Spätmittelalter. Die Auswirkungen der Tätigkeit B á t k y s spiegeln sich auch in den jüngsten Abhandlungen über die ungarischen Feuerstätten wider (Dám 1968,247—264; Kosa 1970, 83